Energiekarawane für Unternehmer in der Verbandsgemeinde Wachenheim gestartet

Start der Energiekarawane für Gewerbe in der VG Wachenheim bei Wolf Bauelemente

Energieagentur finanziert Energiechecks in Unternehmen im Rahmen der Karawane bis Ende September 2019

Zum Auftakt der Aktionswochen "Bad Dürkheim: Ein Kreis voller Energie!" ist in der Verbandsgemeinde Wachenheim die Energiekarawane für KMU "eingetroffen". Zum Start hatte die Verbandsgemeinde ihre Unternehmen und auch interessierte Bürger zu einem Betrieb eingeladen, der selbst bereits aufgrund seiner Tätigkeit das Thema "Energie" groß auf dem Zettel hat: Bei der Firma Wolf Bauelemente im Wachenheimer Gewerbegebiet begrüßte Bürgermeister Torsten Bechtel die Anwesenden und nutzte die Gelegenheit, um über den aktuellen Stand des Klimaschutzkonzepts in der VG zu berichten. "Heute habe ich den Antrag für die Förderung eines Klimaschutzmanagers an den Fördermittelgeber abgeschickt." In der nahen Zukunft soll sich eine zusätzliche Person in der Verwaltung um die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen, die bei der Erstellung des Klimaschutzkonzepts erarbeitet worden sind, kümmern.

Nicht nur als Klimaschutzmaßnahme macht es in Unternehmen Sinn, die Energieverbräuche einmal systematisch zu betrachten und eventuelle Einsparpotenziale zu identifizieren, sondern auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei das meist interessant. "In jedem Unternehmen finden Energieberater nach unserer Erfahrung Einspar- und Effizienzverbesserungs-Potenziale", so Peter Zentner von der Energieagentur Rheinland-Pfalz. "Und über 90 Prozent der mehr als 300 Unternehmen, die sich in der Metropolregion Rhein-Neckar bereits im Rahmen von Energiekarawanen haben beraten lassen, waren insgesamt sehr zufrieden, für viele lohnt es sich richtig."

Anschaulicher Auftakt: Energieberater "in Aktion"

Wie ein Energieberater bei einem Unternehmens-Check praktisch vorgeht, konnten die Teilnehmer der Veranstaltung bei Wolf Bauelemente miterleben. Der von der Energieagentur Rheinland-Pfalz für die Wachenheimer Energiekarawane beauftragte Frank Hallfell stellte anschaulich dar, wie er bei seinem Energiecheck in Unternehmen vorgeht.

Am Anfang stehe die Frage: "Worüber reden wir?" Mitarbeiterzahl, Geschäftszeiten, Fläche der Gebäude, Mieträume oder Eigentum sind dabei von Interesse. "Auch die Strom- und Gasrechnungen habe ich mir im Vorfeld geben lassen", so der Energieberater. "Die Besonderheit hier: Die Firma erzeugt selbst Strom mit zwei Photovoltaikanlagen. 15500 Kilowattstunden (kWh) sind im vergangenen Jahr ins Netz eingespeist worden, und 3830 Kilowattstunden wurden hier vor Ort verbraucht." Mehr als die Hälfte des gesamten benötigten Stroms - 3692 kWh wurden bei den Wachenheimer Stadtwerken bezogen - kam damit vom eigenen Dach. "Eine sehr gute Quote", lobt Hallfell.

Beleuchtung: "Bereits viel geschehen"

Nach der Bestandsaufnahme begann der Rundgang durch den Betrieb. Zunächst betrachtete Energieberater Hallfell die Heizungsanlage, eine Gastherme. Sind die Rohre gut isoliert? Ist bereits eine Hocheffizienzpumpe verbaut? Zufrieden das Fazit: "Ganz hinten habe ich 20 Zentimeter Heizungsrohr gefunden, die nicht isoliert sind - also ist das hier schon vorbildlich." Die Heizungspumpe sei vor drei Jahren erneuert worden, berichtet Unternehmensinhaber Gerhard Wolf. Und auch bei der Beleuchtung ist er bereits tätig geworden: "Wir haben vor zweieinhalb Jahren fast alles auf LED umgestellt."

Ob sich dennoch noch Einsparmöglichkeiten finden lassen, betrachtete Energieberater Hallfell während der weiteren Betriebsbegehung durch Büros und das Lager. Im Eingangsbereich sind noch einige Halogenleuchten zu finden, die jedoch nur selten angeschaltet würden, so Wolf. Ob der Austausch gegen LED-Lampen sinnvoll sei, könne man errechnen, so der Energieberater - nicht immer sei das sinnvoll. "Wenn das Licht selten brennt und nicht einfach die Leuchtmittel ausgetauscht werden können, sondern die Lampen komplett erneuert werden müssten, lohnt sich die Umstellung auf LED-Lampen wahrscheinlich nicht."

Geräteerneuerung als Möglichkeit

Bei der Inspizierung der kleinen Küche identifizierte der Energieberater ein älteres Kühlschrankmodell als Energiefresser. "Diese Modelle verbrauchen sehr viel mehr Strom als die moderneren Geräte, und da könnte man über einen Austausch nachdenken." Dass alle weiteren Geräte, zum Beispiel die Kaffeemaschine oder auch bereits vorher im Verkaufsfoyer der Fernseher, ausgeschaltet sind und nicht im Stand-by-Modus stehen, fiel positiv auf. "Gerade Fernseher können auch im Stand-by-Modus viel Strom fressen."

Bei Stehlampen im großen Büro wird Hallfell fündig. "Hier haben wir Leuchtmittel, die viel Energie verbrauchen", ergab seine Inspizierung. "Für diese 58 Watt-Röhren gibt es sogenannte LED-Replacements, die nur die Hälfte des Stroms verbrauchen." Diese seien auch in unterschiedlichen Lichtfarben erhältlich.

Als größter Energieverbraucher wird der große Server identifiziert. "Da lässt sich auch nichts sparen, da er 24 Stunden am Tag laufen muss", so Christiane Wolf, gemeinsam mit ihrem Mann Inhaberin des Unternehmens. "Aber es ist gut zu wissen, dass hier etwa ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs hingeht."

In der Lagerhalle fällt ein gasbetriebener Gabelstapler ins Auge. Das hier verbrauchte Gas müsste in die Gesamtenergiebilanz einfließen, erklärte Hallfell, auch, wenn er nicht viel benutzt werde.

Fensteraustausch bei Ausbau

Um weiteren Raum für Produktausstellungen zu haben, baut Wolf Bauelemente gerade einen weiteren Hallenteil aus. "Hier werde ich wohl die Fenster austauschen", so Gerhard Wolf. Die 1994 beim Bau der Halle eingesetzten Fenster werde er durch modernere ersetzen, die bessere Dämmeigenschaften haben.

Zum Abschluss der öffentlichen Betriebsbegehung legte Energieberater Hallfell allen Teilnehmern des Rundgangs ans Herz, monatlich die Energieverbräuche aufzuzeichnen. "Nur so lassen sich schnell undichte Leitungen oder andere Fehler erkennen. Wenn man Abweichungen schnell erkennt, kann man auch schnell Abhilfe schaffen."

Betriebe aus der VG Wachenheim können sich jetzt für Energiechecks anmelden

Bürgermeister Bechtel bedankte sich bei Familie Wolf dafür, Gastgeber bei dem Auftakt der Energiekarawane gewesen zu sein. "Unternehmer aus der Verbandsgemeinde sollten die Chance, kostenlos einen Profi auf ihre Energieverbräuche schauen zu lassen, wahrnehmen", wies er nochmals auf das Angebot der Verbandsgemeinde in Zusammenarbeit mit der Energieagentur hin. Bis Ende September 2019 besteht die Möglichkeit kostenloser Energiechecks.

"Alleine wenn man weiß, wo die Energie im Betrieb genau hinfließt, ist das schon wertvoll", zog Christiane Wolf ihr Fazit des Rundgangs mit dem Energieberater. "Dass der Server einen so hohen Anteil unserer Energieverbräuche frisst, war mir bisher nicht bewusst."

Zum Abschluss erhält das Unternehmen ein schriftliches Protokoll des Energieberaters mit Tipps zum weiteren Vorgehen.