Ein Tag im Zeichen der Brennstoffzelle

Brennstoffzelle

Die Brennstoffzelle in der Feuerwehr Sprendlingen. Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz

Der Einladung zur Veranstaltung "Brennstoffzelle - die stromerzeugende Heizung" von der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen und der Energieagentur Rheinland-Pfalz waren rund 80 interessierte Bürger, Handwerker, Unternehmen und kommunale Vertreter gefolgt. Im Rathaus der Ortsgemeinde Sprendlingen informierten Vertreter von Brennstoffzellen-Herstellern über die inzwischen marktreife Technologie, die trotz vieler Vorteile - vor allem der zeitgleichen, effizienten Erzeugung von Strom und Wärme - noch auf ihren Durchbruch in der Massenanwendung wartet. Erfahrungen in der praktischen Anwendung einer Brennstoffzelle teilten die Verbandsgemeinde und der Energiedienstleister EDG Rheinhessen-Nahe mit den Anwesenden. Staatssekretär Dr. Thomas Griese hatte den Abend mit einem Grußwort eingeleitet, in dem er die Notwendigkeit der Sektorkopplung für die Energiewende hervorhob.

Einsatzgebiete von stationären Brennstoffzellen

Brennstoffzellen wandeln in einem elektrochemischen Prozess Bio- oder Erdgas so um, dass Wasserstoff anfällt. Bei der Reaktion des Wasserstoffs mit Sauerstoff entsteht neben Wärme zusätzlich auch Strom - dies ist das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Markus Baumermann von SOLIDpower stellte die stromgeführte Brennstoffzelle "BlueGen" vor, die vor allem in kleinen Unternehmen, Banken oder öffentlichen Liegenschaften ein sinnvolles Einsatzgebiet findet. Dort werden die etwa 13.000 Kilowattstunden Strom, die das Gerät mit einem elektrischen Wirkungsgrad von 60% bei 1,5 kWel erzeugt, zu einem Großteil direkt vor Ort verbraucht. Die thermische Leistung der Mini-KWK-Anlage ist allerdings so gering (0,6 kWth), dass sie nur zur Erzeugung von Warmwasser genutzt werden kann. Die Heizung der Gebäude muss durch einen ergänzenden Kessel betrieben werden. Genau umgekehrt verhält es sich bei "Vitovalor", der Brennstoffzellenheizung von Viessmann. Hier steht die Erzeugung von Wärme im Vordergrund, während nur eine geringe Menge an Strom entsteht. Entsprechend beträgt die Leistung des Geräts 1 kWth und 0,75 kWel. Eine wärmegeführte Brennstoffzelle eignet sich laut Hersteller für den Einsatz in Ein- und Zweifamilienhäusern; sie muss in der Regel allerdings ebenfalls durch einen Spitzenlastkessel ergänzt werden.

Wirtschaftlichkeit und Fördermittel

Brennstoffzellensysteme erzeugen im laufenden Betrieb vergleichsweise günstigen Strom, da die Bezugskosten des Erdgases deutlich unter denen von Strom liegen. Allerdings sind beim Einbau einer Brennstoffzelle heute noch hohe Investitionskosten ein Hemmnis. Daher ist der Brennstoffzellen-Förderzuschuss KfW 433 für die Wirtschaftlichkeit der Systeme von herausragender Bedeutung. Dieser lässt sich mit der KWK-Vergütung kombinieren, die für kleine Anlagen bis 2 kWel ein vereinfachtes Verfahren vorsieht. Die Vergütungszuschläge für selbst genutzten und eingespeisten Strom lassen sich nach Einbau der Anlage als einmaliger Investitionszuschuss auszahlen.

Einblicke in die praktischen Erfahrungen mit dem Betrieb einer Brennstoffzelle gaben Andreas Pfaff, Klimaschutzmanager in der VG Sprendlingen-Gensingen, und Christoph Zeis, Geschäftsführer der EDG Rheinhessen-Nahe, die eine Brennstoffzelle im Feuerwehrgerätehaus in Sprendlingen betreiben. Die VG sei mit der Brennstoffzelle sehr zufrieden, so Andreas Pfaff. Alles laufe dank des Vollwartungsvertrages reibungslos und der Austausch der Heizungsanlage sei auch wirtschaftlich. Christoph Zeis malte zwar ein etwas differenzierteres Bild und berichtete von einigen Problemen, aber auch die EDG sei vom System Brennstoffzelle unter passenden Gegebenheiten überzeugt. Im Firmensitz habe man sich daher auch vor einigen Jahren für den Einbau einer Brennstoffzelle entschlossen.

Die Vorträge des Abends stehen hier zum Download bereit: Vorträge Infoabend "Brennstoffzelle - die stromerzeugende Heizung"

Besichtigung der Brennstoffzelle

Bereits am Vormittag hatte sich Umweltministerin Ulrike Höfken bei einer Besichtigung des Feuerwehrgerätehauses die Vorteile, Herausforderungen und praktischen Erfahrungen mit Brennstoffzellen erläutern lassen. Der Besuch war Teil der "Wärmetour" des Umweltministeriums. „Die Brennstoffzellenheizung der Freiwilligen Feuerwehr in Sprendlingen ist ein Multitalent: Sie erzeugt klimafreundlichen Strom und Wärme und reduziert nebenbei die Stromkosten und CO2-Emissionen des Feuerwehrgerätehauses“, sagte die Umwelt- und Energieministerin. Die innovative Brennstoffzellen-Technik befinde sich erst sehr kurz am Markt, könne jedoch künftig für die Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien an Bedeutung gewinnen. Gerade zur Wärmewende könne sie einen zentralen Beitrag leisten, so Höfken weiter. „Bei der Stromwende sind wir in Rheinland-Pfalz auf einem guten Weg: Rund 48 Prozent des Stroms wird aus Wind, Sonne und Biomasse erzeugt. Klar ist aber auch: Die Energiewende wird nicht allein im Strombereich gemacht. Wir müssen unsere Anstrengungen im Wärmesektor stärken“, erklärte Höfken. 40 Prozent der Treibhausgase gehen in Deutschland auf das Konto des Wärmebereichs.

Quellen: Energieagentur Rheinland-Pfalz, MUEEF

 

Besuchergruppe vor einer Brennstoffzelle

Umweltministerin Ulrike Höfken besichtigt die Brennstoffzelle im Feuerwehrgerätehaus in Sprendlingen. Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz.

Publikum

Rund 80 Interessierte waren zum Infoabend zur Brennstoffzelle nach Sprendlingen gekommen. Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz