"E-Carsharing in Bürgerhand": So kann's klappen

Live-Vorführung am UrStrom Mobil. Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH

In Mainz kamen vergangene Woche interessierte Bürger sowie Vertreter von Energiegenossenschaften und Kommunen zusammen, um sich zum Thema "E-Carsharing" zu informieren. Die Lotsenstelle für alternative Antriebe bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz, das Landesnetzwerk Energiegenossenschaften Rheinland-Pfalz (LaNEG e.V.) und die UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG hatten den Workshop zusammen konzipiert.

Reinhard Sczech, Geschäftsführer der UrStrom, ordnete das Thema E-Carsharing ins "große Ganze" ein. Die Verkehrswende wird dann gelingen, wenn Menschen ihre Mobilität verändern. Ganz auf das Auto zu verzichten, ist in manchen Lebenssituationen oder im ländlichen Raum allerdings kaum möglich. Hier setzt das Konzept des "Carsharings" an. Es bedarf allerdings eines kompletten Umdenkens und der Etablierung neuer Routinen, um von der Nutzung eines eigenen Autos auf das Teilen eines Fahrzeugs im Rahmen einer Sharing-Community umzusteigen. Dieses "Teilen statt Haben" befördert nicht nur die Verkehrswende, sondern bietet auch die Chance für eine Rückeroberung des öffentlichen Raums für Aufenthalts- und Grünflächen. Dass Carsharing mit E-Autos organisiert werden sollte, sei nicht allein aus Klimaschutzgründen, sondern auch wegen der geringen Wartungsintensität von Elektrofahrzeugen sinnvoll.

E-Carsharing: Viele Wege führen ans Ziel

Klaus Grieger leitet das E-Carsharing-Projekt der UrStrom namens "UrStrom Mobil". Gemeinsam mit anderen Bürgerenergiegenossenschaften aus ganz Europa baut die UrStrom eine Dachorganisation namens "The Mobility Factory.EU" auf. Bisher gibt es bereits über die deutsche Plattform eCB ("e-Carsharing in Bürgerhand") individuell gestalttbare Lösungen für die Buchung, Abrechnung und Steuerung des E-Carsharings, sowie zentrale Dienste wie die Hotline oder Unterstützung bei der Projektierung zu Beginn. Gemeinschaftliches Carsharing durch eine Genossenschaft, so Grieger, sei kommerziellen Drittanbietern überlegen, weil die Gestaltungsmöglichkeiten größer seien und die Investoren des Projekts zugleich die Nutzer seien. So sei der Zwang zu finanziellem Profit von geringerer Bedeutung, was gerade in der Anfangsphase eines Carsharings von Bedeutung sei.

Aus der Praxis des gelebten E-Carsharings auf dem Land und in der Stadt berichteten Thomas Schwab, Vorstand der Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal (EGOM) aus dem Rhein-Lahn-Kreis, und Dr. Robert Grajcarek, Geschäftsführer der ESEL.CAB GmbH aus Landau. Zwei Ansätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten zeigten sich hier: Einmal das kleinteilige, auf die ländlichen Bedürfnisse zugeschnitte E-Carsharing in Bürgerhand mit viel ehrenamtlichen Einsatz und persönlicher Note. Auf der anderen Seite das Geschäftsmodell für eine große Zahl von Nutzern in der Stadt mit einem breiten Angebot an E-Fahrzeugen - auch im Free-Floating - und der Möglichkeit, über ein Roaming-Netz europaweit Strom zu tanken.

Diskussion über die Herausforderungen

Am Nachmittag hatten die rund 30 Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit den Profis in Gruppen auszutauschen und über unterschiedliche Lösungsansätze und Fragestellungen zu diskutieren. Häufig besprochen wurde dabei folgende Fragen:

  • Wie können Menschen dazu motiviert werden, vom eigenen Auto auf Carsharing umzusteigen?
  • Wer sollte das E-Carsharing federführend organisieren / anbieten? Die Kommune? Eine Genossenschaft? Anbieter aus der Wirtschaft?
  • Wie kann die Wirtschaftlichkeit des E-Carsharing-Angebots gesichert werden? Wie wichtig sind eine öffentliche Förderung und verbindliche Partnerschaften mit sog. Ankermietern?
  • Wie kann man den besonderen Anforderungen im ländlichen Raum, im Hinblick auf Nutzerzahlen und Reichweiten, gerecht werden?
  • Braucht man öffentliche Ladeinfrastruktur, oder reicht die stationsgebundene? Wer bezahlt für die Ladepunkte?

Die Teilnehmer, die bereits aktiv im E-Carsharing sind oder kurz vor dem Einstieg stehen, beschäftigten sich zudem schon mit sehr speziellen Fragen zu Tarifmodellen, Vergabeprozessen, Buchungsplattformen und Fahrzeugbeschaffung.

Auch für den persönlichen Austausch blieb genug Zeit, so dass viele Teilnehmer sich über neue Kontakte in andere Genosseschaften und Kommunen freuten.

Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH

Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH

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