17.11.2016

Digitalisierung der Energiewende: Die Zukunft wird „smart“

Das Stromnetz der Vergangenheit war auf eine zentrale Energieversorgung ausgerichtet, d.h. es gab über Deutschland verteilt Großkraftwerke, die ihre Energie ins Netz abgaben. Über Verteilnetze wurde der Strom an den Endverbraucher „geliefert“. Mit zunehmendem Anteil von regenerativen Anlagen gibt es nun „Gegenverkehr“ auf der Verteilnetzebene, da viele Endverbraucher nicht nur Strom beziehen, sondern diesen auch in vielen kleinen Anlagen dezentral produzieren und ins Netz einspeisen.

Um die in Zukunft hohe Flexibilität der Stromnetze zu gewährleisten, ist daher ein Umbau der Netze notwendig. Technologisch ist dies durch die Verknüpfung der Versorgungsnetze (Strom, Wärme, Gas) mit dem IT-Netz zu gewährleisten. In solchen intelligenten Netzen (engl. Smart Grids) können einzelne Verbraucher oder Produzenten je nach Netzsituation zugeschaltet oder vom Netz genommen werden.

Rheinland-Pfalz als Treiber der intelligenten Stromversorgung von morgen

In Rheinland-Pfalz sind verschiedene Projekte im Bereich intelligente Netze in der Umsetzung. Die Stadtwerke Trier AöR und Kooperationspartner untersuchen die energiewirtschaftliche Optimierung und den Einsatz von virtuellen Kraftwerken in der Trinkwasserversorgung in der Eifel; RWE Deutschland und Kooperationspartner entwickelten mit dem Smart Operator in der Ortsgemeinde Kisselbach ein Smart Grid auf einer regionalen Skala; EWR Netz GmbH und Kooperationspartner untersuchen im Projekt Vevide  den Aufbau eines Verbundes dezentraler Stromspeicher verschiedenster Art zu einem virtuellen Energiespeicher und im Projekt ARRIVEE  wird durch die Transferstelle Bingen und Kooperationspartner die Fähigkeit von Abwasserreinigungsanlagen als Regelbaustein in intelligenten Verteilnetzen mit erneuerbarer Energieerzeugung analysiert.

Im Forschungsverbund zum Verteilnetz der Zukunft

Das der Energiesektor sich der Digitalisierung nicht verschließen kann, erkannte auch die Bundesregierung und legte ein Förderprogramm mit dem Namen „Schaufenster intelligente Energie (SINTEG) – Digitale Agenda für die Energiewende“ auf. Ziel des Förderprogramms ist die intelligente Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch durch den Einsatz innovativer Netztechnologien und -betriebskonzepte.

Ein länderübergreifendes Konsortium der Bundesländer Rheinland-Pfalz, Nordrhein Westfahlen und dem Saarland, bestehend aus kleinen und großen Energieversorgern, Stadtwerken, stromintensiven Betrieben sowie Kommunikationsunternehmen, IT-Startups, Anlagenherstellern und Hochschulinstituten, bewarb sich bei der Ausschreibung und bekam den Zuschlag. Unter den 36 Partnern ist auch die Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH. Das Vorhaben mit dem Titel  „Designetz - Baukasten Energiewende – Von Einzellösungen zum effizienten System der Zukunft“ ist das technisch bislang umfassendste Demonstrationsprojekt zur Integration regenerativer Energien in das Versorgungssystem. Untersuchungsschwerpunkte sind unter anderem die Rolle von Speichern in einem zukünftigen Energieversorgungssystem, das Einsatzfeld von virtuellen Kraftwerken und der stabile Netzbetrieb bei einem weitgehend lokalen oder regionalen Verbrauch der regenerativ erzeugten Energie. Als Ergebnis sollen Musterlösungen für das Massengeschäft erarbeitet werden.

Anja Folz, Energieagentur Rheinland-Pfalz