10.11.2016

Der Mann, der die Windenergie nach Rheinland-Pfalz brachte

Markus Mann, Foto: Mann Naturenergie

Mit dem Scheitern des geplanten Steinkohlekraftwerks in Weitefeld fing alles an. Wo Anfang der 1980er Jahre noch lebhaft über Kosten und Nutzen der Kohleverstromung diskutiert wurde, wird in Kürze der älteste Windpark in Rheinland-Pfalz durch moderne Anlagen ersetzt. Dieses Musterbeispiel der Energiewende wäre ohne bürgerschaftliches Engagement kaum möglich gewesen. Eine treibende Kraft in dem Prozess war von Beginn an Markus Mann, heute Vorstandsvorsitzender der Wäller Energie Genossenschaft und Geschäftsführer der Firma Mann Naturenergie.

Pionier-Windpark statt Kohlekraftwerk

Braucht die Region mehr Energie? Welche Chancen und Risiken birgt ein Kohlekraftwerk? Diese Fragen beschäftigten in den 1980er Jahren die Gemüter im Westerwald. Der geplante Bau eines Steinkohlemeilers bei Weitefeld stand im Widerspruch zu der Strategie des Landkreises Altenkirchen, den Fremdenverkehr in der Region zu fördern. Man befürchtete direkte Umwelt- und Gesundheitsbelastung und den Zuzug umweltbelastender Industrie. Während die Kraftwerks-Befürworter mit einer Steigerung der Wirtschaftskraft durch neu ansiedelnde Unternehmen argumentierten, stellte das Kraftwerk in den Augen der Gegner eine energiewirtschaftliche Fehlplanung dar, da bei nachlassender Konjunktur der Strombedarf rückläufig sei. Für die bestehenden Forst- und Tourismusbetriebe berge das Projekt Risiken: Feinstaubbelastung, saurer Regen und damit einhergehendes Waldsterben und wurden als direkte Folgen der Emissionen erwartet. Technische Mängel bei der Kraftwerksplanung, wie unzureichende Kühlwasserversorgung, ungeklärte Fragen der Rohstoffbeschaffung und fehlende Möglichkeiten zur Abwärmenutzung zählten letztlich zu den Hauptgründen, warum das Projekt Kohlekraftwerk Weitefeld nach Jahren der Verhandlung und Protesten aus der Bevölkerung 1983 schließlich von der Landesregierung auf Eis gelegt wurde.

Seit 25 Jahren sauberer Windstrom

Statt auf umweltschädliche Steinkohle zu setzen wird die Region seit Beginn der 1990er Jahre mehr und mehr mit grünem Windstrom versorgt. Nicht weit von dem geplanten Kraftwerksstandort drehen sich seit 25 Jahren die Rotorblätter des ältesten kommerziell betriebenen Windrads in Rheinland-Pfalz. Die Initiative für das Projekt geht zurück auf Markus Mann, Sohn eines Speditionsunternehmers aus Langenbach im Westerwald. Inspiriert wurde Mann von den ersten kleinen Windrädern entlang der Weser, auf die er während seiner Studienzeit in Bremen aufmerksam wurde. Das wäre auch eine schöne Idee für seine windige Heimat, dachte sich Mann. Nach einer intensiven Planungsphase fiel 1991 schließlich der Startschuss zum Bau. Das nötige Kapital, rund 480.000 DM, war eine Leihgabe des Vaters. Die Wahl des Modells fiel auf die leistungsstärkste Anlage, die damals käuflich zu erwerben war: eine AN Bonus mit 150 kW Leistung, 23 m Rotordurchmesser und 30 m Nabenhöhe, importiert aus Dänemark. Das Projekt wurde ein voller Erfolg. Im Laufe der 1990er Jahre entstanden auf der Anhöhe weitere Anlagen. Für Markus Mann war die Realisierung des Windrads der erste Schritt, in das Geschäft mit Erneuerbaren Energien einzusteigen. Bis heute hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen, seine Firma Mann Naturenergie ist in den Bereichen Ökostrom und  Wärmebereitstellung auf Basis nachwachsender Rohstoffe erfolgreich.

Mit der Zeit gehen durch Repowering

Während der Pionier-Windpark über Jahre hinweg sauberen Strom erzeugte, entwickelte sich die Anlagentechnik für Windenergieanlagen kontinuierlich weiter. Im Binnenland sind heute Nennleistungen von bis zu 7,5 MW möglich, Nabenhöhen von 150 m und Rotordurchmesser bis zu 130 m keine Seltenheit mehr. Deutlich verbesserte Wirkungsgrade und geringere Drehzahlen sind gute Gründe, alte Bestandsanlagen umzurüsten. So wurde nach gründlicher Prüfung der Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner entschieden, den in die Jahre gekommenen Windpark bei Langenbach neu zu strukturieren und durch moderne Anlagen zu ersetzen. Vier Anlagen zwischen Weitefeld, Friedewald und Langenbach sollen im Rahmen des Projekts „Repowering Oberdreisbach“ der Bürgerenergiegenossenschaft Wäller Energie zurückgebaut und durch eine leistungsstärkere Windenergieanlage ersetzt werden. Eine einzelne Neuanlage der 2,4-Megawatt-Klasse könnte den zehnfachen Stromertrag der vier Altanlagen liefern und ca. 8000 Einwohner mit Strom versorgen. Das Jubiläums-Windrad wird nicht ersetzt; Markus Mann wird dem Oldtimer weiter eine Chance geben: „Das Windrad kann jetzt den Beweis antreten, wie lange es läuft.“

 

AN 150, Langenbach: Erste kommerziell genutzte Windenergieanlage von Rheinland-Pfalz in Langenbach b. Kirburg, Foto: Markus Mann