16.11.2016

Der Klimawandel und seine möglichen Folgen für die Gesundheit

Die menschliche Gesundheit kann in vielfältiger Weise durch Klimaänderungen betroffen sein, wobei insbesondere hitzebedingte Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Allergien und akute wie chronische Erkrankungen nach Überschwemmungen diskutiert werden.

Der menschliche Körper ist in ständiger Auseinandersetzung mit Umwelteinwirkungen und durchaus in der Lage, sich an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen. Bei Überforderung können jedoch auch gesundheitliche Probleme entstehen, insbesondere wenn mehrere Umweltfaktoren sich gleichzeitig ändern. Gerade sehr junge, alte und vorerkrankte Menschen sollten sich daher schützen, indem rechtzeitig Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden.

Höhere Temperaturen erhöhen die Sterberate

Die Temperatur hat einen wesentlichen direkten Einfluss auf die menschliche Gesundheit. In Rheinland-Pfalz wird anhand der Klimaprojektionen mit einer Erhöhung der mittleren Jahrestemperatur, häufigeren raschen Temperaturschwankungen sowie intensiveren und häufigeren Hitzeextremen (Hitzewellen und Tropennächte) gerechnet. Untersuchungen haben ergeben, dass Hitzewellen mit einer erhöhten Mortalitätsrate verbunden sind. Auch stellen rasche Temperaturänderungen insbesondere bei Atemwegs- oder Herzkreislauferkrankungen eine Gefährdung dar. Bereits heute leiden Einwohner von Städten der Oberrheinregion unter zunehmender Hitze. Allerdings dürfte sich regional der Einfluss der Temperatur in Rheinland-Pfalz sehr unterschiedlich darstellen. Insbesondere in den kühleren und niederschlagsreicheren Gegenden wie Westerwald, Eifel und Hunsrück könnten wärmere und längere Sommer auch das Wohlbefinden steigern.

Zunehmende Globalisierung könnte Infektionskranhieten begünstigen

Eine zunehmende Gesundheitsgefährdung wird durch vektorvermittelte Infektionskrankheiten erwartet: Stechmücken, Zecken oder Wanzen sind potenzielle Überträger (Vektoren) von Viren oder Bakterien. Mildere Winter und insgesamt höhere Jahresmitteltemperaturen können die Vermehrung der Vektoren durch kürzere Generationsdauern, verlängerte jährliche Aktivitätsperioden und höhere Überlebensraten im Winter unterstützen. Die zunehmende Globalisierung und Wanderungsbewegungen erleichtern die Verbreitung neuer Vektorarten und Krankheitserreger. Seit mehreren Jahren wird die Ausbreitung der Asiatischen Tiger- und Buschmücken (Aedes japonicus japonicus, A. albopictus) in Deutschland beobachtet, deren Überleben durch mildere Winter erleichtert wird. Die beiden Arten zählen weltweit zu den am stärksten sich verbreitenden invasiven Stechmückenarten und sind in anderen Ländern bekannte Überträger verschiedener Viren, wie z. B. dem Chikungunya-Virus. Obwohl das Risiko für eine derartige Übertragung in Deutschland bislang noch sehr gering ist, wird die Anwesenheit dieser Mückenarten bereits jetzt als potenzielles Risiko für die öffentliche Gesundheit eingestuft. Auch die Übertragung von Krankheiten durch Zecken könnte durch den Klimawandel verstärkt werden. Ein möglicher Zusammenhang zwischen der stetigen Zunahme an Borreliose-Erkrankungen in Europa und der verkürzten Winterruhephase der Zecken durch mildere Winter wird diskutiert. Des Weiteren wurden in den letzten Jahren auch neue Zeckenarten in Deutschland beobachtet, die ursprünglich aus warmen Klimaregionen stammen, wie z. B. Ixodes inopinatus; dadurch besteht die Gefahr der Übertragung weiterer Infektionskrankheiten.

Anstieg von Allergieerkrankungen

Der sich verstärkende Effekt mehrerer sich ändernder Umweltbedingungen wird insbesondere auch für das kontinuierlich ansteigende Vorkommen von Allergien verantwortlich gemacht. Der Klimawandel verlängert in Rheinland-Pfalz unter anderem die Vegetationszeit. Dadurch sind Allergiker dem Pollenflug über eine längere Zeitspanne ausgesetzt. Verstärkt wird dieser Effekt z. T. auch durch neue eingewanderte Pflanzenarten mit allergenem Potenzial. Ein Beispiel dafür ist die Beifuß-Ambrosie (Traubenkraut), deren Hauptblütezeit bis ca. Mitte September reicht und dadurch eine Verlängerung des Gesamtpollenflugs um etwa 4 Wochen zur Folge hat.  

Dr. Astrid Kleber und Dr. Ulrich Matthes, Opens external link in new windowwww.kwis-rlp.de

Erläuterungen zur Abbildung:

 A: Studien aus dem Bienwald zeigen die Temperaturabhängigkeit der Zeckenaktivität (hier: Ixodes ricinus - Gemeiner Holzbock).

B: Die Japanische Buschmücke (Aedes japonicus; Foto: Ruth Mueller/BiK-F) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus; Foto: James Gathany/CDC) profitieren von milden Wintern und verbreiten sich zunehmend in Rheinland-Pfalz.

C: Die bis Mitte September reichende Hauptblütezeit der Beifuß-Ambrosie (Traubenkraut) verlängert den Gesamtpollenflug im Jahr um ca. einen Monat.