25.11.2015

Der Emissionsrechtehandel

Grundidee des Emissionsrechtehandels

Der bekannteste der drei Kyoto-Mechanismen ist der Emissionshandel (Emissions Trading). Die Idee des Emissions-Zertifikatehandels geht unter anderem auf den ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore zurück. Das Konzept sieht vor, dass jeder Emittent von Treibhausgasen nur die Menge an Treibhausgasen in einer zeitlichen Periode freisetzen darf, für die er über Emissionsrechte verfügt. Ein Emissionsrecht berechtigt den Emittenten zur Freisetzung von einer Tonne CO2 oder einer Tonne CO2-Äquivalent. Es ist ihm freigestellt, ob er die zugelassene Obergrenze der Emissionen voll ausschöpft oder Maßnahmen ergreift, um seine Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Im letzten Fall würden Emissionsrechte frei, die der Emittent am Markt verkaufen kann. Wird die Obergrenze an Emissionen überschritten, müssen Zertifikate nachgekauft werden. Durch den Handel sollen Anreize gesetzt werden, Treibhausgase einzusparen.

Der internationale Emissionsrechtehandel

Beim Emissionshandel auf Basis des Kyoto-Protokolls können Industrieländer untereinander mit Emissionsrechten handeln. Alle Länder erhielten vom Sekretariat der UN-Klimakonvention für den Zeitraum von 2008 bis 2012 Emissionsrechte zugesprochen. Die Menge wurde dabei so festgelegt, dass beim Ausschöpfen aller Emissionsrechte eines Landes das im Kyoto-Protokoll festgeschriebene nationale Emissionsreduktionsziel genau erfüllt wurde. Ein Land kann überschüssige Emissionsrechte an andere Länder verkaufen. Länder, die ihre Reduktionsziele nicht erreichen, müssen Emissionsrechte kaufen.

Aktuell gibt es ein Überangebot von Emissionsrechten, verursacht insbesondere durch den Wirtschaftseinbruch und der damit verbundenen geringeren Emission von Treibhausgasen in einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach 1990 und durch die Wirtschaftskrise in Europa 2008. Dadurch ist der Preis für Emissionsrechte gefallen. Das hat zur Folge, dass es für viele Staaten günstiger ist, zusätzliche Emissionsrechte zu kaufen, als in die Senkung ihrer Emissionen zu investieren. Somit ist nicht jeder Rückgang der Emissionen auf globaler Ebene auf eine effektive Klimapolitik zurückzuführen. Freiwerdende Emissionszertifikate aufgrund eines Wirtschaftsrückganges werden als "hot air" - heiße Luft bezeichnet. „hot-air“-Zertifikate gefährden die klimaschützende Wirkung des Kyoto-Protokolls und verhindern wirksame Investitionen und Innovationen für eine klimafreundlichere Wirtschaft in den Industrieländern.

Der europäische Emissionsrechtehandel

Das erste multinationale Emissionshandelssystem wurde 2005 in der EU eingeführt. Mit diesem System versucht die Europäische Union seine im Kyoto-Protokoll festgelegten Klimaschutzziele zu erreichen. Der Emissionshandel auf EU-Ebene gilt als Vorreiter eines möglichen weltweiten Emissionshandels, bei dem alle Länder einbezogen werden. Unternehmen mit hohen Treibhausgasemissionen sind in der EU seit 2005 verpflichtet, am europäischen Emissionshandel teilzunehmen. Dies betrifft hauptsächlich Unternehmen in der Energiebranche, der Eisen- und Stahl-, Zement-, Glas-, Kalk-, Keramik- und Papierindustrie. Ab 2012 wurde auch der Flugverkehr in den europäischen Emissionshandel mit einbezogen. Im Zeitraum von 2005 bis 2007 wurden die Emissionszertifikate zunächst kostenlos zugeteilt. In einer zweiten Periode von 2008 bis 2012 wurde den Emittenten 90 Prozent der Zertifikate kostenlos zugeteilt. Ab 2013 sollte ein wachsender Anteil an Emissionsrechten nicht mehr kostenlos vergeben, sondern im Rahmen einer Auktion kostenpflichtig werden. Sollte ein Unternehmen Emissionen ohne Emissionsrecht ausstoßen, wird eine Strafe von 100 Euro pro Tonne CO2 fällig. Die Mengen der Emissionszertifikate werden fortschreitend reduziert, sodass die Unternehmen angehalten werden ihre Emissionen zu reduzieren. Der Handel der Zertifikate erfolgt über Energiebörden, z.B. über die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig.