11.11.2016

Den schlafenden Riesen Wärmewende zum Leben erwecken

Solathermische Prozesswärme, Foto: Fraunhofer ISE

In Rheinland-Pfalz entfallen rund 60 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs auf die Erzeugung von Wärme und Kälte. 11 Prozent davon deckten erneuerbare Energieträger. Zwei Drittel der zu Wohnzwecken genutzten Gebäude in Rheinland-Pfalz entstanden vor der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1978. 50% der Zentral- und Etagenheizungen in Wohngebäuden werden mit Gas und 30,5 Prozent mit Erdöl befeuert. Dabei gelten rund 70 Prozent der installierten Heizkessel als ineffizient und belasten damit die Umwelt besonders stark.

Grund genug, dem Thema Wärmewende in den kommenden Jahren in Rheinland-Pfalz besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Hierzulande soll bis zum Jahr 2050 ein klimaneutraler Gebäudebestand realisiert sein. Das Land will im Wärmebereich ein Optimum zwischen dem Einsatz Erneuerbarer Energien und der Steigerung der Energieeffizienz erreichen. Bislang liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien zur Deckung des Wärmeverbrauchs bei 13 Prozent.

Im Wärmebereich steht neben der Reduktion des (End-) Energiebedarfes durch baulichen Wärmeschutz bei Neubau- und Sanierungsmaßnahmen insbesondere die Dekarbonisierung (Ausstieg aus Öl und Kohle) der Wärmeversorgung durch Einsatz von Effizienztechnologien (KWK) und die Nutzung Erneuerbarer Energie- bzw. Wärmequellen im Mittelpunkt.

Wärmeverbundlösungen als sinnvolle Alternative zu Einzelanlagen

Der Großteil der Wärmebereitstellung erfolgt heute noch in älteren Einzelanlagen mit fossilen Anlagentechniken. Neben dem Austausch der älteren Heizungsanlagen können zusammenhängende Wärmeverbünde eine attraktive Alternative zu Einzelanlagen sein.

Mithilfe einer zentralen Anlagentechnik in einer Heizzentrale und eines Nahwärmenetzes lassen sich mehrere Gebäude mit Heizenergie versorgen. Hierbei sind unterschiedliche Brennstoffe einsetzbar. Als Wärmeerzeuger eignen sich u.a. verschiedene regenerative Energieträger, wie zum Beispiel Solarthermie, Geothermie oder auch Biomasse und Biogas. Stehen derartige Potenziale nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, sind auch Kraft-Wärme-Kopplungs-Systeme eine in der Praxis verbreitete und effiziente Alternative.

Wärmeverbundlösungen bieten unter geeigneten Voraussetzungen, wie etwa eine hohe Wärmedichte und der Anschluss von Großverbrauchern, eine gute wirtschaftliche Perspektive. Sie sind nachhaltig und damit zukunftsfähig. Für Stadtwerke und Versorgungsunternehmen aber auch für Bürgerprojekte, wie etwa Energiegenossenschaften, sind solche Nahwärmenetze ein attraktives Geschäftsfeld. In Rheinland-Pfalz sind bereits sehr viele Nahwärmeprojekte sowohl im ländlichen als auch im urbanen Raum umgesetzt worden.

Als Beispiele seien hier genannt:

- der Nahwärmeverbund Neuerkirch-Külz der Verbandsgemeindewerke Simmern,

- der Nahwärmeverbund der Energiegenossenschaft Ober Kostenz sowie 

- das Projekt Neubaugebiet Alter Schlachthof der Stadtwerke Speyer

Weitere Beispiele für realisierte Nahwärmeverbundprojekte enthält der Energieatlas der Energieagentur Rheinland-Pfalz.  

Förderung für Ausbau von Nahwärmenetzen

Das Land Rheinland-Pfalz fördert seit einigen Jahren den Ausbau von regenerativen Nahwärmenetzen. Nähere Informationen enthält das Förderprogramm Zukunftsfähige Energieinfrastruktur (ZEIS) des Ministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten.

Um Kommunen und lokalen Aktionsgruppen einen strukturierten Einstieg in das Thema Nahwärme zu ermöglichen, hat die Energieagentur Rheinland-Pfalz einen Praxisleitfaden Nahwärmenetze entwickelt, der gerade in einer aktualisierten Version veröffentlicht wurde.  

Thorsten Henkes, Energieagentur Rheinland-Pfalz