Das Dorfauto-Projekt geht erweitert an den Start

Landrat Dr. Marlon Bröhr hat die Rahmenbedingungen so definiert: Jede Verbandsgemeinde und die Stadt Boppard stellen für jeweils ein Jahr einem Dorf bzw. Ortsteil ein vom Kreis geleastes Elektroauto zur Verfügung; die Bürger sollen es kostenfrei entleihen können. Vor Ort muss es einen „Kümmerer“ für die Fahrzeug-Vergabe geben. Die Kosten trägt zwei Jahre lang der Kreis, für das dritte Jahr muss die Verbandsgemeinde bzw. Stadt aufkommen. Auf diese Weise kommen während der dreijährigen Laufzeit kreisweit 21 Dörfer und drei Bopparder Ortsteile in den Genuss dieses Angebots.

Die Bewerberliste in der Verbandsgemeinde Simmern war besonders lang. Und so fiel es VG-Bürgermeister Michael Boos und seiner Verwaltung extrem schwer, nur drei Teilnehmer-Gemeinden zu benennen. Dem Verbandsgemeinderat erging es ebenso - und das Gremium beschloss spontan, aus eigenen Mitteln einen weiteren Wagen zu beschaffen.

Genug Reichweite für die meisten Fahrtstrecken

Die folgenden Ortsgemeinden und Zusammenschlüsse dürfen sich nun auf ein „Dorfauto“ freuen: Neuerkirch-Külz, die fünf Gemeinden des Biebertals, der Verbund von Pleizenhausen, Bergenhausen und Budenbach, Horn/Laubach/Bubach, Niederkumbd und Kümbdchen. Ausgewählt wurde das Renault-Modell „Kangoo XL“, das auch größere Einkäufe und Transport ermöglicht, mit einer Akku-Reichweite von ca. 150 Kilometern.

Für den vorrangigen Einsatzzweck, Fahrten innerhalb des Kreisgebietes zu ermöglichen, ist dieser Radius laut Kreisklimaschutzmanager Frank-Michael Uhle mehr als ausreichend: „95 Prozent aller Fahrtstrecken sind kürzer als 100 Kilometer.“ Entsprechend gestalteten sich die Fahrzeugsuche und Ausschreibungskriterien, wobei das Regionalbüro der Energieagentur Rheinland-Pfalz Hilfe leisten konnte.

Einstieg in die Mobilitätswende auf dem Land

Die acht „Dorfautos“ sollen einen Beitrag leisten zur Mobilitätswende im Rhein-Hunsrück-Kreis. Einerseits können Bürger die Erfahrung machen, wie praxistauglich Elektroautos bereits sind und dass sie eine reizvolle und günstige Alternative zum Fahrzeug mit Verbrennungsmotor darstellen - zumindest als Zweitwagen. Und andererseits sammeln die Ortsgemeinden Erkenntnisse über den Wert solcher Angebote für die Zukunftsfähigkeit der Dörfer. Und natürlich profitiert das Klima vom emissionsfreien Fahrbetrieb.