Bericht über das Regionalforum: Entwicklung der Elektromobilität nimmt Fahrt auf

Andy Becht, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz, und Thomas Pensel, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz

Das Regionalforum „Elektromobil durch die Pfalz“ der Energieagentur Rheinland-Pfalz, zu dem am vergangenen Dienstag in Neustadt an der Weinstraße mehr als 100 Fachleute aus Kommunen und Wirtschaft zusammenkamen, machte deutlich: Die Entwicklung der Elektromobilität geht schneller voran als in den Vorjahren, und sie wird künftig eine wichtige Rolle bei der Neuausrichtung des Mobilitätssektors spielen.

Praktische Anregungen und Ideen zur Elektrifizierung von kommunalen und unternehmerischen Fuhrparks zur Umsetzung von Mobilitätskonzepten insbesondere für den eher ländlich geprägten Raum – also kleinere Gemeinden und kleine und mittlere Unternehmen – standen im Mittelpunkt des Regionalforums.

Staatssekretär Andy Becht betonte das Ziel des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums, die Verkehrswende und damit die Mobilität der Zukunft zu schaffen und gleichzeitig den Industriestandort Deutschland zu stärken. Ohne die Verkehrswende sei die Energiewende nicht möglich, unterstrich auch Thomas Pensel, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH, die das Regionalforum ausrichtete. „Etwa 24 Prozent der CO2-Gesamt-Emissionen in Rheinland-Pfalz werden durch den Verkehr freigesetzt“, machte Pensel die Bedeutung von neuen Mobilitätsformen für die Energiewende deutlich.

Nach einem Überblick über Praxiserfahrungen mit unterschiedlichen Elektroautos und daraus abgeleiteten Tipps „für jedermann“ durch den Vorsitzenden des Vereins Electric Vehicles Rhein-Neckar, schilderten der Bürgermeister der Verbandsgemeinde und der Stadt Wachenheim, Torsten Bechtel und der ehrenamtliche Klimaschutzmanager der Ortsgemeinde Hochspeyer, Jochen Marwede, wie die „Elektrifizierung“ kommunaler Fuhrparks in ihren Gemeinden vonstattengeht.

„Vorbildlich vorangehen“

„Für uns ist Elektromobilität ein wichtiges Zukunftsthema“, so Torsten Bechtel. Die Voraussetzungen in Wachenheim seien hervorragend, da die Stadtwerke selbst viel Strom aus erneuerbaren Energien herstellen und auch ausschließlich Ökostrom – viel aus Wasserkraft produziert – an ihre Kunden lieferten. In der Kommune selbst sei ein „langer Atem“ erforderlich, um die Umstellung der eigenen Fahrzeuge auf Elektroantriebe auf den Weg zu bringen. „Förderung vom Bund für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur zu bekommen, stellt sich mühsam dar“, berichtet er aus Erfahrungen der letzten Monate. „Da möchte ich mich recht herzlich bei der Energieagentur bedanken, die uns da stark unterstützt hat – alleine hätten wir schon aufgrund der Anforderung, mindestens fünf Fahrzeuge bestellen zu müssen, keine Förderung beantragen können.“ Eine Vereinfachung des Antragsprozederes bei Fördermitteln wünscht sich auch Klimaschutzmanager Jochen Marwede: „Für kleine Kommunen ist das nicht zu bewältigen.“ Zur manchmal bezweifelten Umweltbilanz von Elektrofahrzeugen bekräftigt er: „Grünstrom als Antrieb ist natürlich wünschenswert – aber selbst mit dem heutigen Strommix fahren wir weitaus umweltfreundlicher als mit Verbrennern.“

Elektroantriebe besonders für Berufspendler sinnvoll

Dass die große Masse an Berufspendlern erreicht werden muss, die problemlos und ohne „Reichweiteängste“ ihre Wege zurücklegen könnte, machte Prof. Horst-Richard Jekel, Geschäftsführer SPPC Group, deutlich. „Der Pendlermarkt ist 12 Millionen Fahrzeuge groß“, unterstrich Jekel, „und ein Pendler fährt durchschnittlich 25 Kilometer am Tag.“ Das Nachladen zuhause oder am Arbeitsplatz sei problemlos möglich. „Nur der Schalter im Kopf muss umgelegt werden.“

Dass Elektrofahrzeuge in unternehmerischen Fuhrparks nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch äußerst sinnvoll sind, zeigte Michael Wahl, Geschäftsführer der GAIA mbH aus Lambsheim, auf. In seinem Unternehmen, das 46 Mitarbeiter beschäftigt, schaffte er 2014 das erste Elektroauto an, mittlerweile hat Gaia drei vollelektrische Fahrzeuge von insgesamt zwölf Firmenfahrzeugen. „Das Stromnetz muss natürlich entsprechend ausgelegt sein, dass wir alle Fahrzeuge laden können – man sollte das von Anfang an mit bedenken, wenn man Elektroautos im Unternehmen anschafft“, rät er.

„Die Pfälzer entdecken die Energiewende“

Eine Pfälzer Sicht auf die Energiewende allgemein und Elektromobilität im Besonderen präsentierte der Kabarettist Christian CHAKO Habekost. Dass weitere Strecken mit einem E-Auto gut geplant werden sollten, entspreche nicht der Pfälzer Lebensart. „E Pälzer plant kä Route. Auch beim Wandern: Er läuft bis zur nächsten Hütt‘. Beim Tanke anstelle – ich glaub‘, es geht los“, bringt er auf den Punkt, was viele Pfälzer hinsichtlich Elektromobilität an Bedenken hegen. Des weiteren appelliert er an die anwesenden Vertreter aus den Kommunen: „Ihr müsst mit gutem Beispiel vorangehen! Wenn der Bürgermeister es nicht vormacht und aus seinem dicken Verbrenner-Dienstfahrzeug steigt, fühlt sich der Pfälzer nicht motiviert.“

700 neue E-Bikes in der Pfalz

Zum Abschluss des Regionalforums berichtete Antonia Müller-Ruff, Klimawandelmanagerin des Bezirksverbands Pfalz, über die Ergebnisse ihrer dreimonatigen E-Bike-Kampagne. Die Kampagne sei von zwölf Fahrradgeschäften unterstützt worden, die in dem Zeitraum Rabatte beim Kauf von E-Bikes gewährten, wobei jeder teilnehmende Händler die Höhe des Rabatts selbst festlegte. „Im Rahmen der Kampagne sind 700 E-Bikes verkauft worden“, so das beeindruckende Ergebnis. „Besonders freut es uns, dass einige Menschen sich zurückgemeldet und über ihre neue Errungenschaft berichtet haben – so eine Dame, die jetzt ihren Arbeitsweg von 20 Kilometern statt mit dem Auto mit dem E-Bike zurücklegt und ganz glücklich ist.“

Die Präsentationen der Referenten, die begleitet von Powerpoint-Präsentationen vorgetragen haben, finden Sie hier zum Download.