Bacharach stellt um auf LED - eine Genossenschaft stemmt die Investition

Freude über die neue LED-Beleuchtung auf dem Marktplatz in Bacharach. Unten: Die Wernerkapelle mit neuer effizienter Anstrahlung. Fotos: Gunter Pilger.

115.000 Kilowattstunden Stromverbrauch und 25.000 Euro Stromkosten. Jährlich. Dies war die Ausgangslage, in der sich die Stadt Bacharach entschloss, von Quecksilberdampflampen auf wesentlich effizientere LED-Beleuchtung in den Straßenzügen und an öffentlichen Gebäuden umzurüsten. Im Welterbetal gab es wegen eines Lichtmasterplans und der historischen Kulisse samt Baudenkmäler einiges im Hinblick auf die Lichtfarbgebung zu beachten.

Aber dies war nicht das Hauptproblem für die Umsetzung der Idee. Vielmehr mangelte es der Stadt an Mitteln, um die immerhin 150.000 Euro schwere Investition zu stemmen. Daher holte man sich mit der Bürgergenossenschaft Rheinhessen e.G. einen Partner an Bord, der mittels Energieeinspar-Contracting eine Lösung für die Finanzierung anbot. Federführend beim Projekt war Genossenschaftsmitglied Andreas Pfaff. Durch seine Tätigkeit als Klimaschutzmanager kannte er sich mit der Materie LED-Straßenbeleuchtung bereits bestens aus.

Ohne Investitionen zu tätigen, spart die Stadt von Anfang an

Und so funktioniert das Contracting-Modell in Bacharach: Die Genossenschaft investiert in die Umrüstung, und erhält im Gegenzug von der Stadt 80 Prozent der eingesparten Energiekosten in den kommenden 10 Jahren als Refinanzierung. Die übrigen 20 Prozent der Einsparungen kommen der Stadtkasse von Anfang an zu Gute. Hilfreich sind zudem Fördermittel aus der Kommunalrichtlinie. Diese konnte die Stadt in Anspruch nehmen, da die Leuchten von Beginn an Eigentum der Stadt sind.

Nach der Klärung der Finanzierungsfrage war weiterhin unsicher, ob die Kommunalaufsicht dem Contractingvertrag, einem „kreditähnlichen Rechtsgeschäft“, zustimmen würde. Dank einer Gegenüberstellung der Kosten, die den Vorteil der Kooperation mit der Energiegenossenschaft  verdeutlichte, stimmte die Kommunalaufsicht schließlich zu. Als letzte Hürde für die Partnerschaft wartete anschließend die Ausschreibung der Umrüstung, die aus vergaberechtlichen Gründen vorgeschrieben ist. Die Bürgergenossenschaft Rheinhessen erhielt letzlich den Zuschlag, so dass sich die vielen, bereits im Vorfeld investierten Arbeitsstunden auszahlten.

Stromeinsparung: 85 Prozent

18 Monate dauerte es, bis die Idee umgesetzt wurde. Seit diesem Sommer spart Bacharach nun 85 Prozent des bisherigen Stromverbrauchs und damit 55 Tonnen CO2 jährlich ein - neben dem finanziellen Aspekt ist dies auch ein beachtlicher Erfolg für den Klimaschutz. Und auch die Lichtverschmutzung konnte dank zielgerichteter Ausleuchtung verringert werden.

Weitere Vorteile der außergewöhnlichen Partnerschaft: Die Stadt Bacharach wurde Mitglied bei der Genossenschaft und profitiert damit zugleich von der erwirtschafteten Rendite. Auch Bürgerinnen und Bürgern aus Bacharach können Mitglied werden. Und da die Kommune im vorliegenden Fall nicht Investor ist, entfallen außerdem die unbeliebten Beiträge, die Bürger normalerweise für solche Straßenbaumaßnahmen entrichten müssen.

Erfahrungen mit anderen Kommunen teilen

„Es gibt keine Nachteile“, sagt der erste Beigeordnete der Stadt Gunter Pilger. „Wir können alle Kommunen ermuntern das Verfahren so zu beschreiten wie in Bacharach.“ Profitieren können Kommunen von der Erfahrungen in Pilotkommunen wie Bacharach. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) arbeitet derzeit an einem entsprechenden Leitfaden, der Erfahrungen aus dem Pilotprojekt „Energieeffizienzgenossenschaften Straßenbeleuchtung“ zusammenfasst. Die Energieagentur Rheinland-Pfalz schafft im Rahmen des Projektes "100 Energieeffizienz-Kommunen Rheinland-Pfalz" derzeit Leuchtturmprojekte, die mögliche Umsetzungen des alternativen Finanzierungsmodells anschaulich machen. Sie begleitet die ausgewählten Piloten: von der Vernetzung zwischen kommunalen und finanzierenden Akteuren über die Auswahl der Gebäude bis zum Monitoring.

Weitere Informationen zur Finanzierung kommunaler Effizienzmaßnahmen
 

Quellen: Allgemeine Zeitung Ingelheim, Bürgergenossenschaft Rheinhessen e.G.,dena