17.09.2015

Aktionswoche: Offensive der „Klimaverteidiger“

Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz/Uwe Völkner

An einem Spieltag geht es in und um die Coface Arena richtig rund: Mehr als 1.000 Personen sind mit den unterschiedlichsten Aufgaben befasst, um einen reibungslosen Ablauf eines Bundesligaspiels zu gewährleisten. Bleibt da noch Zeit für Gedanken an den Klima- und Umweltschutz? „Wir müssen uns über das Thema Energie, aber auch über den Wasserverbrauch Gedanken machen. Schon alleine aus Kostengründen - wir sind zwar ein Verein, aber auch ein wirtschaftendes Unternehmen", erläutert Stadionmanager Stephan Bandholz den 25 Teilnehmern der Führung. „Im Jahr verbrauchen wir an der Arena etwa 1,9 Millionen Kilowattstunden Strom“, fährt er fort. Als Stadionmanager und „Klimawart" kümmert sich Bandholz seit 2010 darum, mögliche Einsparpotenziale zu erkennen und die Energiespaßmaßnahmen entsprechend umzusetzen. Die 9.000 Quadratmeter große Anlage auf der Coface Arena erzeugt jährlich etwa 700.000 Kilowattstunden Elektrizität und damit rechnerisch immerhin mehr als ein Drittel des Stroms, den die Arena benötigt.

Der 1. FSV Mainz 05 hat seinen „CO2-Fußabdruck“ früher als die anderen Bundesligavereine messen lassen und zusammen mit dem Ökoinstitut in Darmstadt ein Konzept zur Erreichung einer bilanziellen Klimaneutralität entwickelt. Zu diesem Konzept gehören neben dem Bezug von Ökostrom und der „Mission Klimaverteidiger“, die sich mit der klimaneutralen An- und Abreise der Fans beschäftigt, auch ausgleichende Wiederaufforstungsarbeiten. Dank dieser Maßnahmen wurde Mainz 05 im Jahr 2010 der erste klimaneutrale Verein der 1. Bundesliga.

Energiewende - mit Sicherheit

Im Fraunhofer IESE in Kaiserslautern beleuchteten Teilnehmer aus der Region Westpfalz die Energiewende aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Die drei Klimaschutzmanager der Stadt Kaiserslautern, der Ortsgemeinde Enkenbach-Alsenborn und der Verbandsgemeinde Weilerbach stellten in Kurzvorträgen vor, dass eine lokal umgesetzte Energiewende ein wichtiger Beitrag für die Stärkung der Region ist. In zahlreichen Projekten wird der Anteil der erneuerbaren Energien stetig erhöht, damit profitiert die Region von der in der Region verbleibenden Wertschöpfung. Positives Ergebnis: Die Stadt Kaiserslautern belegt inzwischen Platz drei in der Solarbundesliga aller deutschen Städte.

Auch regionale Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der Umsetzung der Energiewende. So zeigte Dr. Peter Eckerle von StoREgio Energiespeichersysteme e.V., wie im Projekt „Flex4Energy“ Möglichkeiten erprobt werden, um Stromsysteme intelligent zu managen. Dr. Knodel vom Fraunhofer IESE machte deutlich, wie mit der Energiewende auch hohe Herausforderungen an die IT einhergehen, damit neben einer sicheren Vernetzung auch der Datenschutz sichergestellt wird. Der lebhaften Diskussion schloss sich eine Besichtigung der Energiezentrale des Fraunhofer-Zentrums mit dem hauseigenen BHKW an.

Klimafit in Frankenthal

Beim Klimaschutztag während der Klimaschutzkonferenz „Smart Cities“ in Frankenthal  konnten sich rund 200 Besucher in einer Ausstellung mit 20 Ausstellern aus der Region rund um das Thema Energiewende über  Windkraft, Photovoltaik, Solar, Pellets, Elektromobilität und Nahverkehr informieren. Unter dem Ausstellungsmotto „Frankenthal wird klimafit“ informierte die Energieagentur Rheinland-Pfalz über Fördermöglichkeiten bei der Gebäudesanierung und zu allgemeinen Fragen rund um das vielfältige Thema Energiewende. Derweil konnten sich die kleinen Besucher beim Basteln eines Solarwobblers die Zeit vertreiben, der sich durch Sonnenkraft selbständig in Bewegung setzt. 

Energiewanderung Schüler vom schlechten Wetter unbeeindruckt

Vier Schulklassen fanden sich bei der gestrigen „Energiewanderung für Groß und Klein“ auf dem Gelände der ehemaligen Raketenbasis in Quirnheim ein. Neugierig erkundeten sie das Areal, das heute als Solarpark genutzt wird und etwa 1100 bis 1200 Stunden im Jahr Strom liefert. Damit können rund  350 Haushalte pro Jahr mit Energie versorgt werden. Die Schüler zeigten sich sehr interessiert und stellten spannende Fragen wie etwa: „Was erzeugt mehr Strom – eine Solaranlage oder ein Windrad?“

Vorbild für effiziente und regenerative Versorgung

Auch die Evangelische Kirche Pfalz beteiligte sich mit einem Beitrag an der diesjährigen Aktionswoche. Bei der Besichtigung eines Blockheizkraftwerks in Kombination mit einer Photovoltaikanlage in Speyer, die seit Ende 2014 zwei Verwaltungsgebäude mit Strom versorgt, wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen. Bärbel Schäfer von der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der Evangelischen Kirche der Pfalz erläuterte den Teilnehmern, dass 85 Prozent des Energiebedarfs der Gebäude durch die Anlagen gedeckt werden können und somit 43 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden.

Die kommunale Idee: Energiewende für Andernach

Anfang 2014 haben die Stadtwerke Andernach die Energieversorgung selbst in die Hand genommen: Strom- und Gasnetze betreiben die Stadtwerke nun eigenständig, und mit eigenen Tarifen für „BäckerjungenStrom“ und „BäckerjungenGas“ gibt es Angebote, mit denen sich Andernacher Bürgerinnen und Bürger der „Bäckerjungenstadt“ identifizieren können. Geschäftsführer Lars Hörnig stellte in Anwesenheit von Aufsichtsrats-Chef Oberbürgermeister Achim Hütten und dem Landtagsabgeordneten Marc Ruland das Konzept der Stadtwerke im Bereich Energieversorgung und Dienstleistungen vor. „Neben dem Netzbetrieb gehören die Bereiche Energieerzeugung und -vertrieb, Energieberatung, Fernwärmeversorgung und der Betrieb der Wassernetze zu unseren Aufgaben. Dabei haben wir uns ökologisch aufgestellt, zum Beispiel mit dem Bäckerjungenstrom, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen kommt“, so Hörnig.

Fotos von den Veranstaltungen finden Sie in der Bildergalerie der Aktionswoche.

Die Aktionswoche "Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Energie" findet noch bis zum 19. September 2015 mit vielfältigen Veranstaltungen im ganzen Land statt.