24. Weltklimakonferenz: Meinungen aus Rheinland-Pfalz

Gletscherschmelze in Island

Soeben ist die 24. Weltklimakonferenz in Kattowitz zu Ende gegangen. Nachdem die Unterzeichnerstaaten sich im Pariser Klimaabkommen 2015 darauf geeinigt hatten, die Erderwärmung deutlich unter 2 °C  im Vergleich zu vorindustriellen Levels zu stoppen, mussten nun technische Fragen geklärt werden. Die Konferenz zog sich mitunter wegen einer Diskussion um den Bericht des Weltklimarats in die Länge. Zum Abschluss der Konferenz haben die Staaten sich auf ein Regelwerk geeinigt. Es enthält Vorschriften, wie die Staaten ihre Zusagen aus dem Klimaabkommen von Paris den Vereinten Nationen melden müssen. Außerdem legt es einheitliche Standards zur CO2-Erfassung fest. Damit wird es möglich, die Handlungen der einzelnen Länder zu dokumentieren und miteinander zu vergleichen. Die Gestaltung des Markts für Verschmutzungsrechte wurde auf das nächste Jahr vertagt.

Einige unserer Kooperationspartner in Rheinland-Pfalz haben sich zu den erzielten Ergebnissen geäußert. Hier ihre Statements:

Zum Ergebnis der Verhandlung der COP 24 kann ich heute nur wenig sagen, dazu ist mir noch zu wenig bekannt. Da aber vorwiegend Formalien verhandelt wurden, sieht es so aus, als ob sich für den deutschen Klimaschutz (leider) wenig ändern wird. Als unwürdig, ignorant und unaufgeklärt empfand ich jedoch die Diskussion darüber, ob man den Bericht des Weltklimarats zum 1,5- Grad-Ziel „begrüßen“ oder nur „zur Kenntnis nehmen“ werde. Die treffende Antwort hierzu stammt aus der Rede der 15-jährigen Greta Thunberg: „Wir sind hierher gekommen, um Euch wissen zu lassen, dass es Veränderungen geben wird. Ob es Euch gefällt oder nicht.“
Dr. Viktor Klein, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Birkenfeld
 

Positiv ist, dass alle 196 Staaten, einschließlich den USA, Russland und Saudi-Arabien, sich auf ein Maßnahmenpaket einigen konnten. Es zeigt sich aber erneut, wie wichtig es ist, dass global gedacht, aber lokal gehandelt wird. Jeder kann seinen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Wir brauchen eine Graswurzelbewegung, wie im Rhein-Hunsrück-Kreis. Hier haben die Bürgerinnen und Bürger längst bewiesen, dass eine dezentrale Energiewende und eine florierende Regionalentwicklung zwei Seiten der gleichen Medaille sind.
Frank-Michael Uhle, Klimaschutzmanager der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis
 

Die globalen Wetterextreme in 2018 haben mehr als deutlich gezeigt, dass der Klimawandel real ist und uns vor Probleme stellt/stellen wird! Die Dringlichkeit scheint in Katowice und auch in Berlin noch nicht angekommen zu sein. Vor Ort dürfen wir uns nicht beirren lassen und müssen die Menschen weiter vom Sinn des Klimaschutzes überzeugen, auch wenn die Politik andere Signale sendet. Mut macht mir, dass junge Klimaaktivistinnen wie Greta Thunberg aus Schweden bald die Verantwortung übernehmen werden.
Charlotte Kleinwächter, Klimaschutzmanagerin des Bistums Trier
 

Die notwendigen Prozesse auf internationaler Ebene neben den reinen Wunschäußerungen zu konkretisieren, ist unerlässlich. Zur Umsetzung auf lokaler Ebene ist es umso wichtiger die vorhandenen Möglichkeiten gut vernetzt zu nutzen. So können kurz- und mittelfristig gute Ergebnisse erzielt werden. Zur nationalen Zielerreichung sollten Kampagnen und Programme intensiver auf die Bedürfnisse der Kommunen als letztendlichen Umsetzer abgestimmt werden.
Andreas Pfaff, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen


Eine Bewertung der Ergebnisse von COP24 muss differenziert erfolgen und sich einerseits an den fachlichen Notwendigkeiten und andererseits an den Erwartungen im Vorfeld der Konferenz orientieren. Das Regelwerk zur Erreichung der Ziele von Paris 2015 definiert vor allem einen Prozess zur transparenten Darstellung sowie der Kommunikation der Prozesse und Ergebnisse in den einzelnen Ländern – vereinfacht dargestellt werden die einzelnen teilnehmenden Länder angeschoben aktiv die selbstgegebenen Ziele anzugehen und die Zielerreichung transparent zu veröffentlichen – mit der Hoffnung, dass niemand schlecht dastehen möchte. Fachlich bewertet zeigen die Ergebnisse in die richtige Richtung – verbunden mit der Befürchtung, dass das Tempo des internationalen Klimaschutzprozesses nicht ausreicht, um näherungsweise die Pariser Ziele zu erreichen. Positiv zu bewerten ist das Ergebnis hingegen in Bezug auf die Erwartungshaltung an den Gipfel. Seit Paris 2015, wo zumindest gefühlt weltpolitisch ein größerer Konsens für den Klimaschutz bestand, haben sich in vielen relevanten Ländern sehr populistische Stimmen durchgesetzt. Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnis deutlich besser als erwartet. Für die Akteure der Energiewende und im Klimaschutz im Land, Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Landes- und öffentliche Einrichtungen sowie Unternehmen und Wissenschaft darf COP24 mindestens ein weiter so, gerne aber auch noch deutlich ambitioniertere Anstrengungen zum Umbau der Energiesysteme und für den Klimaschutz bedeuten. Es bleibt zu wünschen, dass sich der regulatorische Rahmen, insbesondere auf der Ebene von Bundesgesetzen und –verordnungen zum Positiven ändert und die Bestrebungen vor Ort stärkt.
Michael Münch, stellv. Geschäftsführer der Transferstelle Bingen (TSB)