10.07.2015

Elektromobilitäts-Workshop für Kommunen in Bingen

Bild: Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH

Selbstfahrende Taxis und Herausforderungen der Gegenwart: Gestern diskutierten rund 30 Interessierte über Nutzen, Herausforderungen und Chancen der Elektromobilität und wagten auch einen Blick in eine Zukunft, die manchem wie Science Fiction vorkommen mag.

E-CarSharing: Realität und Zukunftsvision

"In 15 Jahren werden wir hier am Hildegardforum zum Ende einer Veranstaltung von selbstfahrenden Autos eingesammelt - pünktlich, komfortabel, intelligent!" Mit dieser These provozierte Referent Michael Schramek von der EcoLibro GmbH die Teilnehmer der Veranstaltung "Elektromobilität im kommunalen Fuhrpark" der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Die Zukunft des CarSharings - auch mit Elektromobilen - erreiche damit einen Höhepunkt und überzeuge dann auch diejenigen, die sich heute noch nicht vorstellen können, ihr eigenes Fahrzeug aufzugeben.

Gegewärtig allerdings steckt das CarSharing vor allem im kommunalen Fuhrpark noch in den Kinderschuhen. Michael Schramek präsentierte zwar einige gelungene Beispiele, wie Kommunen sich mit lokalen Unternehmen, Bürgerinnen und Bürgern oder auch Touristen Fahrzeuge teilen und damit  auslasten könnten - doch in den meisten Kommunen sind weiterhin vor allem fest zugeteilte Fahrzeuge, ein kleiner verwaltungsinterner Pool und private Autos im Einsatz. Eine Lösung, die nicht nur ökologisch unsinnig, sondern auch unökonomisch sei.

Intelligentes Fuhrparkmanagement spart Geld - und Nerven

Referentin Gabriele Scheffler vom Anwendungszentrum KEIM des Fraunhofer IAO in Esslingen zeigte mit Ergebnissen aus dem Projekt "elektromobilisiert.de" ebenfalls, dass die traditionelle Gestaltung von Fuhrparks in Städten und Kommunen nicht mehr zeitgemäß ist. "Durch ein intelligentes Fuhrparkmanagement lässt sich die Anzahl der Fahrzeuge spürbar reduzieren", weiß sie zu berichten.

"Für Elektrofahrzeuge ist die intelligente Disposition sogar notwendig, damit die Fahrzeuge nicht nur verfügbar, sondern auch aufgeladen sind, wenn Mitarbeiter sie nutzen wollen. Alles andere führt zu Frustration gegenüber Elektromobilen", so Scheffler. Ab einer gewissen Anzahl von Fahrzeugen oder bei einer räumlichen Trennung der Mitarbeiter, die den Fahrzeugpool nutzen, seien IT-basierte automatische Lösungen im Fuhrparkmanagement der händischen Arbeit durch einen Mitarbeiter vorzuziehen und auch ökonomisch die sinnvollere Lösung. 

E-Nutzfahrzeuge noch die Ausnahme

Ökonomisch sind zumindest große E-Nutzfahrzeuge über 7,5 Tonnen heute noch nicht. Dr. Barbara Jörg vom Commercial Vehicle Cluster Südwest hat daher große Hoffnungen in die staatliche Förderung: "Ohne Subventionen ist die Wirtschaftlichkeit der meisten Elektronutzfahrzeuge heute noch nicht darstellbar. Einige Ausnahmen sind kleine Fahrzeuge wie Transporter, die sich ab einer gewissen Kilometerlaufleistung durch die geringeren Kosten in der Nutzungsphase gegenüber konventionellen Dieselfahrzeugen rechnen."

Immerhin gibt es in der Branche engagierte Hersteller und vor allem Umrüster. Auf diesem Gebiet aktiv ist auch die rheinland-pfälzische Firma Orten aus Bernkastel-Kues, die ihr Fahrzeug "Elci" den Teilnehmern vor Ort präsentierte.

Praxisbericht aus Bad Kreuznach: Am Anfang war das Rad

"Die Elektromobilität wird dann erfolgreich, wenn es engagierte Überzeugungstäter und Pioniere gibt", ist Bärbel Germann aus der Abteilung Stadtplanung und Umwelt in Bad Kreuznach sicher. Bad Kreuznach ist ein solcher Pionier: Die Stadt führte im Frühjahr 2012 E-Bikes als Dienstfahrzeuge in der Verwaltung ein, seit Ende 2012 sind auch Elektro-Pkw im Einsatz. Nach der Teilnahme am geförderten Feldtest des Netzwerks Elektromobilität Rheinland-Pfalz entschied die Stadt wegen der großen Begeisterung der Mitarbeiter und aufgrund einer überzeugenden Betriebskostenrechnung, die Fahrzeuge zu behalten.

Förderprogramme für Kommunen

Der Kaufpreis der E-Fahrzeuge allerdings ist nicht nur für viele Private, sondern auch für die öffentliche Hand weiterhin eine schwierige Hürde. Deshalb ist neben einer Betrachtung der Lebenszykluskosten auch eine Subvention in der Investitionsphase entscheidend. Luisa Scheerer, Regionalreferentin Rheinhessen-Nahe der Energieagentur Rheinland-Pfalz, berichtete über aktuelle Förderprogramme des Bundes. Momentan können Kommunen sich die Umstellung auf Elektromobile im Fuhrpark über die Kommunalrichtlinie (BMU), das Projekt 100% Masterplan Klimaschutz (BMU), und die aktuell erschienene Förderrichtlinie Elektromobilität (BMVI) fördern lassen. Letztere bezuschusst auch die dafür benötigte Ladeinfrastruktur.

Achtung: Für die Förderprogramme Elektromobilität und 100% Masterplan Klimaschutz ist die Frist zur Einreichung der 31. August 2015!

Rechtliche Rahmenbedingungen bei der Einführung von Elektromobilität

Nach den Informationsvorträgen gruppierten sich die Teilnehmer am Nachmittag in Thementischen, um spezielle Fragestellungen zum ECarSharing, zum kommunalen Fuhrparkmanagement und zu rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Einführung der Elektromobilität im Fuhrpark zu besprechen. Neben Michael Schramek und Gabriele Scheffler stand Katrin Schmidt von der Energieagentur Rheinland-Pfalz als Expertin Rede und Antwort. "Elektromobilität berührt eine Vielzahl von rechtlichen Gebieten, sei es das Baurecht, das Vergaberecht, das Steuerrecht oder das Erneuerbare Energien Gesetz - ohne alle zu nennen", erläutert die Referentin für Energiewirtschaft und Energierecht. Sie machte den Teilnehmern gleichzeitig Mut: "Wichtig ist, sich mit diesen Fragen im Vorhinein zu beschäftigen und sich Unterstützung zu holen."

Die Moderatoren der Thementische - Benjamin Hermann, Mathias Orth-Heinz und Florian Strunk aus den Regionalbüros der Energieagentur - präsentierten abschließend die wichtigsten Ergebnisse aus den Thementisch-Runden.

Elektro-Flitzer begeistern durch Performance

Wichtig war am Ende des Tages die Erkenntnis, dass Elektromobilität nicht nur eine intelligente und in Verbindung mit regenerativen Quellen auch klimafreundliche Art der Fortbewegung ist. Sie kann auch richtig Spaß machen, wie ein Teilnehmer der Entsorgungsbetriebe Mainz berichtet: "Der Elektro-Smart ist ständig ausgebucht - der geht nämlich ab wie Schmitz' Katze."


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