16.12.2015

Die Verbandsgemeinde Nieder-Olm setzt auf kommunales Energie- & Klima-schutzmanagement

Foto: VG Nieder-Olm

Am 15. Dezember 2015 fand in der Verbandsgemeindeverwaltung Nieder-Olm die 6. Veranstaltung in der Reihe „Energie- und Klimaschutzmanagement für Kommunen“ (dena-EKM) statt. Denn Nieder-Olm ist eine von 16 rheinland-pfälzischen Kommunen, die am Pilotprojekt der Deutschen Energie-Agentur (dena) und der Energieagentur Rheinland-Pfalz seit Jahresbeginn teilnehmen.


Das Pilotprojekt ist auf insgesamt zwei Jahre angelegt und bietet den teilnehmenden Kommunen konkrete Unterstützung bei der Einführung eines Energie- und Klimaschutzmanagements.

Tatiana Herda Muñoz, Klimaschutzmanagerin der VG Nieder-Olm, beantwortet im Interview mit der Energieagentur einige Fragen zum Hintergrund und den Beweggründen der Verbandsgemeinde, sich am Projekt zu beteiligen:

Energieagentur Rheinland-Pfalz: Frau Herda Muñoz, was hat die Verbandsgemeinde Nieder-Olm bewogen, sich um die Teilnahme am Pilotprojekt „dena-EKM“ für kommunales Energiemanagement zu bewerben?

Herda Muñoz: Ein wichtiger Teil zur Umsetzung unseres Klimaschutzkonzepts ist die Einführung eines Energie-Controllings. Die Teilnahme am Pilot-Projekt bietet uns die perfekte Gelegenheit, nachhaltig, strukturiert und unter Begleitung von Experten diesen Teil des Klimaschutzkonzeptes zu erfüllen. Die Tools der dena sind eine sehr gute Arbeitsgrundlage und für mich eine große Arbeitserleichterung.


Energieagentur: Was wurde in den vergangenen Jahren in Ihrer Verbandsgemeinde bereits aktiv im Bereich Energie und Klimaschutz getan bzw. erreicht?


Herda Muñoz: Klimaschutz spielt in Nieder-Olm schon lange eine Rolle. Wir haben fast alle unsere Liegenschaften energetisch saniert, PV-Anlagen finden Sie ebenfalls auf fast allen Gebäuden. Im Bereich Wärmenetze und KWK haben wir auch einiges umsetzen können. Zum Beispiel wird in der Stadt Nieder-Olm ein komplettes Neubaugebiet mit zwei BHKWs versorgt. Die Nieder-Olmer Grundschule sowie das Rathaus sind ebenfalls mit einem BHKW angeschlossen. Viele Investitionen wurden im Contracting-Modell umgesetzt, sodass wir auch in diesem Bereich der Finanzierung sehr gut bewandert sind.


Energieagentur: Welche Themenschwerpunkte haben Sie sich im Rahmen des dena-EKM-Projektes gesetzt und wie gestaltet sich die Umsetzung in der Praxis?


Herda Muñoz: Schwerpunkt ist ganz klar das Energie-Controlling unserer Liegenschaften. Dabei werden alle Strom- und Gasverbrauchsdaten digital erfasst. Das ist zwar viel Arbeit, führt aber langfristig zu einer besseren Kontrolle der Verbräuche. Unregelmäßigkeiten in den Daten werden gezielt überprüft und durch geeignete Maßnahmen kann unnötiger Verbrauch vermieden werden. Ein effizienterer Umgang mit Gas und Strom führt zu weniger Kosten und mehr Klimaschutz.


Energieagentur: Welche Rolle spielen die Energieagentur Rheinland-Pfalz und die dena dabei?


Herda Muñoz: Ich habe Mitte des Jahres als Klimaschutzmanagerin angefangen. Mein Job ist es, das Klimaschutzkonzept, welches 2013 erstellt wurde, innerhalb der nächsten zwei Jahre umzusetzen. Das ist ein relativ kurzer Zeitraum, sodass man die Zeit sehr gut nutzen muss.  Die Energieagentur RLP und die dena geben mir und meinen Fachkollegen die Möglichkeit, für den Teilbereich E-Controlling direkt mit der konkreten Arbeit anzufangen, weil sie uns alle Instrumente an die Hand geben und mich fachlich begleiten. Für uns als Verwaltung bedeutet das eine effiziente und nachhaltige Einführung eines Energie-Controllings. Generell wende ich mich sehr oft an die Energieagentur RLP, da sie eine kompetente Beratung anbietet. Damit spare ich viel Zeit für Recherche zu bestimmten Themen.


Energieagentur: Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die Verbandsgemeinde Nieder-Olm und wie gehen Sie damit um?


Herda Muñoz: Die größte Herausforderung im Bereich eigener Liegenschaften ist zweifelsohne zunächst das Digitalisieren der Verbräuche. Das ist eine sehr zeitintensive Aufgabe. In einem zweiten Schritt ist die direkte Eingabe in die Tabellen sicherlich sinnvoll und das regelmäßige Ablesen der Zähler. Die größte Herausforderung dabei? Die Gewohnheit, wie sooft beim Klimaschutz.


Energieagentur: Worin besteht der positive, langfristige Mehrwert des Projekts für die Verwaltung sowie die Bürgerinnen und Bürger?


Herda Muñoz: Energieverbräuche sind in unseren Köpfen oft nicht änderbare Größen, die wir am Ende einer Abrechnungsperiode bezahlen. Mit der Teilnahme am Projekt bekommen Zahlen eine nachvollziehbare Sichtbarkeit, die durch die Datenanalyse gegeben ist. Der Erfolg oder Misserfolg durchgeführter Maßnahmen wird sowohl in der Verwaltung als auch in der Öffentlichkeit dadurch kommunizierbar. Der langfristige Mehrwert ist hier vor allem, Bewusstsein und ein konkretes Verständnis für abstrakte Daten und Messwerte zu schaffen. Und das sowohl innerhalb der Verwaltung als auch bei unseren Bürgern.