01.12.2016

Workshop "Energiemanagement" in Vallendar gab viele neue Impulse

Wie kann der Verbrauch an Strom und Wärme, aber auch an Licht für kommunale und öffentliche Gebäude reduziert werden und welche Grundlagen sind hierfür zu schaffen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Workshop Energiemanagement, zu dem die Verbandsgemeinde Vallendar am 16. November 2016 ins Rathaus eingeladen hatte.

„Der Klimaschutz ist eine bedeutende Herausforderung“, betonte Bürgermeister Fred Pretz bei seiner Begrüßung der mehr als 30 Teilnehmer. „Mir liegt es besonders am Herzen, die CO2-Emissionen unserer Schulen und Kindergärten, aber auch der anderen Gebäude in der Verbandsgemeinde Vallendar zu reduzieren. Wir befassen uns intensiv mit den vielfältigsten Möglichkeiten, sei es nun durch technische Maßnahmen oder einfach nur durch Aufklärungsarbeit und Kampagnen.“
Mit dem Klimaschutz-Teilkonzept „Eigene Liegenschaften“ und der damit verbundenen Stelle eines Klimaschutzmanagements sind die besten Voraussetzungen geschaffen worden um die Energieverbräuche in den nächsten Jahren nachhaltig zu senken und so einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Damit die Maßnahmen auch erfolgreich umgesetzt werden können, bedarf es allerdings einer umfassenden Vorplanung, zu der eine intensive Auseinandersetzung mit den technischen Möglichkeiten, rechtlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften gehört. Auch müssen die Maßnahmen einer wirtschaftlichen Betrachtung unterzogen werden.

Mit einem Vortrag zur Einführung eines Energiemanagements wurden den Teilnehmern zunächst die Grundlagen, Aufgaben und Zielsetzungen erläutert. „Energiemanagement praktiziert jeder, sowohl privat als auch beruflich. Bereits das bewusste Vermeiden von Energieverlusten durch Regulierung der Heizungsanlage zählt zum Energiemanagement“, so Referent René Leßlich, der seit Februar diesen Jahres als Klimaschutzmanager der VG Vallendar tätig ist. Wichtig bei Energiemanagement ist es, sich zunächst Gedanken über die Vorgehensweise zu machen und wie man aus den vielen Informationen eines Gebäudes zukunftsfähige Maßnahmen herausarbeitet. Leßlich wies auch darauf hin, dass hierfür frühzeitig verantwortliche Personen zu benennen sind und ein Arbeitskreis aus unterschiedlichen Fachleuten erforderlich ist.

Wie man ein Energiemanagement sehr erfolgreich umsetzt, wurde durch den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod, Klaus Lütkefedder vorgestellt. Unter dem Motto „Energie 2020“ startete die VG Wallmerod im Jahr 2010 das Aktionsprogramm mit dem Ziel, durch Einsatz technischer Möglichkeiten den Energieverbrauch zu senken und gleichzeitig die benötigte Energie z.B. durch Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke selbst zu produzieren. „Uns war frühzeitig klar, dass wir für das Projekt ein eigenständiges Gebäudemanagement in der Verwaltung einrichten müssen und haben aus einer Handvoll fachlich qualifizierter Mitarbeiter ein Team zusammengesetzt, das alle Bereiche rund um die Gebäude im Auge behält“, betonte Lütkefedder. Dass die Vorgehensweise genau richtig war, ist an den erzielten Energieeinsparungen der 21 Liegenschaften ablesbar. „Den Verbrauch bei der Wärme konnten wir in Bezug auf das Startjahr 2010 um bis zu 30% reduzieren und den von Strom um bis zu 10%“, verriet Lütkefedder und ergänzte: „Es muss aber fairer Weise angemerkt werden, dass die Einsparungen je nach Witterung geringer ausfallen können. Auch der Strombedarf unterliegt Schwankungen und erhöhte sich zum Beispiel während einer Bauphase durch einen Baukran. Dennoch sind im Ganzen die Einsparungen deutlich erkennbar, so dass rund 20% an Haushaltsmittel für Energie eingespart werden.“ Ein weiteres Plus für die Anstrengungen ist die überaus positive Bilanz der eigenen Stromproduktion. „Mittlerweile wird der benötigte Strom zu 100% durch die eigenen PV-Anlagen und BHKW´s abgedeckt. Der überschüssige Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist und dank des Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet, so dass insgesamt über 50% der erforderlichen Haushaltsmittel jedes Jahr eingespart werden können“, freute sich Lütkefedder.

Nach einer kleinen Mittagspause berichtete René Leßlich anhand drei praktischen Beispielen über seine Erfahrungen bei der Umsetzung von investiven Maßnahmen. Dabei konnten die Teilnehmer Wissenswertes über die Modernisierung eines Schulgebäudes sowie die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik erfahren. Zudem wurde die Herangehensweise zum Betrieb einer PV-Freiflächenanlage auf dem Gelände einer Kläranlage vorgestellt.

Über Gebäude ganz anderer Dimensionen berichtete Jochen Wiebusch, der als Leiter für das Gebäudemanagement der Hochschule Koblenz zuständig ist. Der Ingenieur verdeutlichte die Grenzen von baulichen Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs: „Die Verbrauchsdaten werden von uns konsequent überwacht und dort wo wir hohes Einsparpotential sehen und gesehen haben, werden Maßnahmen eingeleitet. Aber als Forschungseinrichtung sind wir mit unterschiedlichsten Interessen konfrontiert, so dass nicht selten andere Maßnahmen priorisiert werden.“ Einen anderen Ansatz verfolgt die Hochschule derzeit im Forschungsprojekt „ECHO“, an dem mehrere Hochschulen über das gesamte Bundesgebiet verteilt teilnehmen. Hierbei geht es um eine gezielte Bewusstseinsbildung von Studenten und Lehrpersonal zum nachhaltigen Umgang mit Energie. Für den Versuch wurde ein bestimmter Bürotrakt des Hochschul-Campus Koblenz ausgewählt, in dem die Studenten die vorgeschlagenen Einsparmaßnahmen anwenden können. Am Ende des Forschungsprojektes werden die gemessenen Energieverbräuche mit denen von gleichgearteten Bereichen, bei denen keine Einsparmöglichkeiten bekannt gemacht wurden, verglichen. “Wir sehen jetzt schon deutliche Unterschiede und erkennen, dass sich der Verbrauch durch die geschulten Studenten deutlich reduzieren lässt“, kommentierte Wiebusch. Aber er machte auch deutlich, dass insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung der Strombedarf für die Hochschule Koblenz in den kommenden Jahren steigen wird. Zudem wird der Energiebedarf durch die enorme Anzahl an Studenten, die mittlerweile mehr als das Doppelte der ursprünglich geplanten Bemessungszahl übersteigt, massiv verstärkt.

Somit bleibt als Fazit der Veranstaltung, dass der bewusste Umgang mit Energie für die kommenden Jahre, möglicherweise Generationen, eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen ist und jeder Einzelne dazu beitragen kann, wie wir uns in Zukunft mit Energie versorgen müssen.