23.05.2017

Strom aus dem Landkreis für den Landkreis zur Verfügung stellen: Das Virtuelle Kraftwerk Cochem-Zell

Prof. Ralf Simon (TSB) erläutert vor einer Vielzahl von interessierten Akteuren das Funktionsprinzip und die Wirtschaftlichkeit eines Virtuellen Kraftwerks

Der Startschuss zur Entwicklung des innovativen Klimaschutzteilkonzeptes „Dezentrale Stromversorgung und zeitsynchroner Verbrauch im Landkreis Cochem-Zell“ ist gefallen.
„Mit diesem recht sperrigen Begriff ist nichts weiter als der Aufbau eines Virtuellen Kraftwerks im Landkreis Cochem-Zell gemeint. Nun gilt es Akteure und Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles zu finden“, führt Landrat Manfred Schnur im Rahmen der Auftaktveranstaltung in das Thema ein.

Was ist ein Virtuelles Kraftwerk und wofür wird es gebraucht?


Die Stromwende ist im vollen Gange! Schon heute produziert der Landkreis Cochem-Zell bilanziell betrachtet mehr Strom (130%) als er verbraucht. Dieser fließt derzeit noch größtenteils in das allgemeine Stromnetz und verlässt so die Grenzen des Landkreises. Um diesem Problem zu begegnen, soll perspektivisch ein sogenanntes „Virtuelles Kraftwerk“ aufgebaut werden, welches als Verbundkraftwerk aus vielen kleinen dezentralen Stromerzeugungsanlagen sowie Speichern besteht.
Derzeit wird ein Konzept erstellt, welches in seinen Analysen und Handlungsempfehlungen einen Weg aufzeigen soll, den lokal erzeugten Strom in möglichst großem Umfang auch im Kreis zu verbrauchen. Ziel ist es hierbei über eine digitale Vernetzung und Steuerung die dezentrale Stromerzeugungsanlagen (z.B. BHKWs und Netzersatzanlagen) und sogenannte flexible Verbrauchslasten aufeinander abzustimmen, um über diesen Weg heimisch erzeugten Strom in unmittelbarer Nähe zu nutzen. Hierfür sollen Potenziale identifiziert und erste Piloten zur Umsetzung geführt werden.

„Bekannt ist, dass der Landkreis schon heute rein bilanziell gesehen mehr erneuerbare Energieerzeugung hat als er verbrauchen kann. Um Erzeugung und Verbrauch in Einklang zu bekommen untersuchen wir die Auswirkungen der Vernetzung unterschiedlicher Anlagen und Verbrauchsmuster, um die Integration des lokal erzeugten Stroms lastganggerecht zu stärken. Das gelingt u.a. durch die Partizipation vieler Akteure, die wir hier im Landkreis finden und durch konkrete Maßnahmen einbinden wollen“, betont Prof. Dr.-Ing. Ralf Simon von der Transferstelle Bingen.

Im Ergebnis ist das virtuelle Kraftwerk genauso leistungsfähig wie ein konventionelles zentrales Braunkohle- oder Atomkraftwerk und wird diese perspektivisch auch ersetzen.


Wie wird das Projekt aussehen?



Seit März dieses Jahres arbeitet die Kreisverwaltung Cochem-Zell (Fachbereich Kreisentwicklung, Klimaschutz) gemeinsam mit ihren Partner aus der Wissenschaft (Transferstelle Bingen (TSB)) und ansässigen Netzbetreibern (evm/enm, Koblenz und innogy/westnetz, Essen) daran, ein Netzwerk aus den verschiedensten ansässigen Akteuren, wie z.B. dem produzierenden Gewerbe, Vertretern der kommunalen Liegenschaften, Besitzer von EE-Anlagen und sogar Vertreter aus der Gesundheitsbranche (Krankenhäuser, Seniorenheime) zusammenzustellen. All diese spielen für die Konzepterstellung des „Virtuellen Kraftwerks Cochem-Zell“ eine zentrale Rolle.

Der Startschuss zur Vernetzung all dieser Akteure fand im Rahmen der Auftaktveranstaltung am 17.05.2017 in den Räumlichkeiten der Kreisverwaltung Cochem-Zell statt. Prof. Ralf Simon von der TSB informierte die rund 30 interessierten Teilnehmer und gab über die Ausgangslage der Stromproduktion und des Stromverbrauchs einen Einblick in die möglichen Anknüpfungspunkte zur Umsetzung einer regionalisierten, lokalen Versorgung und der Möglichkeit zur wirtschaftlichen Partizipation aller beteiligten Akteure.

Im nächsten Schritt werden weitere Strategiegespräche mit den einzelnen Akteursgruppen und die Möglichkeit einer Integration ihrer Betriebe in das Konzept zur Erstellung des Virtuellen Kraftwerks Cochem-Zell folgen. Mit ersten Ergebnissen kann Anfang 2018 gerechnet werden.