22.03.2017

Schimmel in Kirchen und Orgeln - ein vielschichtiges Problem

Foto (priv.): Referent Dr. Grün von der eco-LUFTQUALITÄT und RAUMKLIMA Messstelle, Beratungs- und Forschungsgesellschaft mbH

Dr. Lothar Grün, Sachverständiger für Luftverunreinigungen und Schimmelpilze in Innenräumen, referierte zum Thema Schimmel in Kirchen und Orgeln für das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel e.V.


Mehr als 30 Teilnehmer hatten sich in der Kirchengemeinde St. Georg in Urmitz eingefunden, um sich zu informieren und mit dem Fachmann zu diskutieren. Das große Interesse ist ein Indiz für die Aktualität des Themas. Ob aber das Problem von Schimmel in Kirchen und Orgeln heutzutage vermehrt auftritt, lässt sich nicht mit Untersuchungen und Statistiken belegen. Da entsprechende Erhebungen fehlen bzw. gerade erst angestoßen wurden. Allerdings ist eine Zunahme von Anfragen an den Spezialisten zu verzeichnen und eine stärkere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Um es vorwegzunehmen: Es gibt kein "Patentrezept" gegen Schimmel, dafür ist die Zahl möglicher Faktoren, die Einfluss nehmen, zu groß. Es sind also Einzelfallbetrachtungen nötig und Messungen in den Gebäuden, um mögliche Ursachen zu ermitteln und dann gezielt entgegen zu wirken. Entwarnung konnte der Experte im Hinblick auf die Belastung der Luft durch die Schimmelpilze in solchen Räumen geben. In der Regel stellen sie für eine gesunde Person, die sich ja nur eine begrenzte Zeit in einer Kirche aufhält, keine Gefahr dar.


Wie kommt es nun eigentlich zu einem Befall mit Schimmelpilzen? Die Sporen sind grundsätzlich immer in der Luft vorhanden. Treffen diese auf organische Substanzen – auch Staub ist ein geeigneter Nährboden – und herrscht eine relative Luftfeuchte von mehr als 70 %, so braucht es nur noch eine ausreichend hohe Temperatur und es kommt zum Schimmelbefall. Je ungünstiger die Bedingungen für das Pilzwachstum umso länger braucht es, bis der Befall augenscheinlich wird.
Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der Schimmel oberflächlich wächst und nicht zur Zerstörung von Holz führt. Weiterhin findet er sich verstärkt auf horizontalen Flächen und selten an senkrechten. Das ist auf die Ablagerung von Staub auf den waagerechten Flächen zurückzuführen, der Feuchtigkeit bindet und damit die Bedingungen für den Pilz verbessert. Die erforderliche Feuchtigkeit kann aus baulichen Mängeln und dem Raumklima resultieren. Interessant ist auch die Beobachtung, dass in vielbesuchten Kirchen (Wallfahrtskirchen) Schimmel kein Problem ist, während in Kirchen, die nur selten genutzt werden, deutlich öfter ein Befall festzustellen ist. Eine Erklärung hierfür ist die Durchmischung der Luft durch die Besucher. Der Tipp, das durch Ventilatoren zu simulieren, greift leider nicht, da diese deutlich mehr Staub aufwirbeln, der ja zur Schimmelbildung beitragen kann.


Dreh- und Angelpunkt scheint aber die Luftfeuchte zu sein. Diese wird von den verschiedenen Bau- und Ausstattungsmaterialien unterschiedlich stark aufgenommen und dann wieder verzögert abgegeben. Ein einmaliges Lüften bringt nur etwa 1/3 der eingetragenen Feuchtigkeit aus dem Gebäude, 2/3 sind zunächst an die Oberflächen gebunden und werden erst dann nach und nach wieder abgegeben. Es ist also sinnvoll dann mehrmals zu lüften und natürlich nur dann wenn die Luftfeuchtigkeit innen höher ist als in der Außenluft. Messungen haben gezeigt, dass gerade in den Übergangszeiten Probleme mit der Luftfeuchte auftreten. Hier könnte eine Beheizung auf etwa 3° Celsius mehr als die Umgebungstemperatur und ein automatisiertes Lüften Abhilfe schaffen. Die Entlüftung sollte aber Feuchte gesteuert sein, damit nur dann gelüftet wird, wenn die absolute Luftfeuchte außen geringer ist als im Raum.


Die anschließende, lebhafte Diskussion zeigte, dass sich viele der Besucher bereits mit dem Thema beschäftigt hatten und aus der Praxis berichten konnten. So wurde auch die These diskutiert, ob die in der Neuzeit eingebrachten Baumaterialien, u.a. auch Farben, zu dem Problem beigetragen haben. Die in der Vergangenheit eingesetzten Kalkmörtel, Kalkputze und Kalkfarben bieten dem Schimmel per se keine geeigneten Bedingungen. Gipshaltige Baustoffe hingegen bieten den Schimmelpilzen bessere Lebensbedingungen. Darüber hinaus haben diese Baustoffe und die modernen Farben abweichende Aufnahme- und Abgabe-Fähigkeiten in Bezug auf Luftfeuchte und können dadurch zur Schimmelbildung beitragen. Hier sollte also bei der Materialwahl stärker darauf geachtet werden, ob diese im Hinblick auf ihre Eigenschaften zueinander passen.


Das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel dankte dem Referenten für den interessanten Vortrag, der die Vielschichtigkeit des Problems beleuchtete und dazu beiträgt zu erkennen, dass es keine Universallösung gibt.