17.01.2017

Modernes und umweltfreundliches Wohnen im Altbau

Dass aus einem Altbau aus den 1950er-Jahren ein modernes, energieeffizientes Wohngebäude werden kann, stellt Familie Gräf eindrucksvoll unter Beweis. Ende 2011 kauften Alexandra und Johannes Gräf ein Einfamilienhaus mit 135 Quadratmetern Wohnfläche in Treis-Karden, für das natürliche Baustoffe wie Bims verwendet wurden. Das Haus befand sich zum Zeitpunkt des Kaufs in einer Art "Museumszustand" – lediglich die Ölheizung war noch neuwertig, mit einem Jahresverbrauch von 6.000 Litern Heizöl allerdings überdimensioniert. Da lag es nahe, eine Komplettsanierung vorzunehmen und alle möglichen Ausbauphasen genauestens zu analysieren.


Professionelle Unterstützung bei diesem Vorhaben bekam Ehemann Johannes von seinem Schwiegervater Norbert Locker, der als Heizungs- und Lüftungsbaumeister nicht nur eine Menge an Know-how mit einbringen konnte: Er motivierte die junge Familie zusätzlich dazu, viel Wert auf die energetischen und umweltfreundlichen Aspekte der Sanierung zu legen. „In Zeiten des Klimawandels ist das Thema Energiesparen wichtiger denn je. Eine Altbausanierung, die das berücksichtigt, darf weder einseitig noch mit umweltschädlichen Materialien durchgeführt werden“, erläutert Locker. Zudem sei die richtige Reihenfolge der Maßnahmen entscheidend für optimale Ergebnisse und eine langfristig werterhaltende Bausubstanz.  

Dementsprechend strukturiert gingen die Beteiligten bei der Sanierung vor: Um die notwendigen Maßnahmen festzustellen, erfolgte zunächst eine Aufnahme des Gebäudes und der vorhandenen bauphysikalischen Eigenschaften im Ist-Zustand. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde eine schrittweise Analyse des Kosten-Nutzen-Verhältnisses von jedem der einzelnen Gewerke wie Außenfenster, Außenisolierung und Dachhaut vorgenommen. Im Ergebnis setzten sie eine Reihe an Sanierungsmaßnahmen um, die sich auch daran orientierten, das bauliche Erscheinungsbild weitestgehend zu erhalten. Weitere bauliche Maßnahmen – wie barrierefreie Bäder – wurden zusätzlich in das Gesamtkonzept integriert. „Das sinnvolle Zusammenspiel aller Maßnahmen war uns äußerst wichtig“, berichtet Alexandra Gräf.

Letztlich entschieden sich alle gemeinsam für die folgenden konkreten Schritte: Auf die komplette Außenwand wurde eine 30 Zentimeter starke Holzkonstruktion, gefüllt mit Holzfaser-Einblaswolle in den Zwischenräumen, angebracht. In dieser sind die Fenster mit integrierten Rollo-Kästen eingelassen. Da beide Balkone sanierungsbedürftig waren, beschloss Familie Gräf nach Prüfung durch einen Statiker den Abriss. Ein zusätzlicher Effekt war eine durchgängige Dämmung und die Verhinderung von Schimmelbefall durch Kältebrücken. Der Dachboden erhielt ebenfalls diese Dämmung in begehbarer Ausführung. Auf dem Kalt-Dach wurden für die Warmwasserbereitung und zur Unterstützung der Heizung sowohl eine Vakuum-Solaranlage als auch eine Photovoltaikanlage installiert. Somit kann mit der Nutzwärme der Solaranlage geheizt werden – ergänzt durch einen Pelletofen im Wohnzimmer mit Wassertasche. Beide Komponenten leiten ihre erzeugte Heizenergie in einen zentralen Pufferspeicher ab. Darüber erfolgt die gesamte Warmwasserversorgung und die des Heizregisters der Be-und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, welche die gesamte Heizung des Gebäudes übernimmt. Auf eine zusätzliche kostenintensive Heizung konnte dank der hervorragenden Dämmeigenschaften verzichtet werden. Lediglich das Bad besitzt einen beheizten Badetuchheizkörper, der über das Warmwassersystem mit Energie versorgt wird. Mit diesem Gesamtkonzept trägt sich das Haus energetisch selbst – was durch den niedrigen Transmissionswärmeverlust (0,325 W/m²K) begünstigt wird.

Mit viel Eigenleistung führte die Familie die Komplettsanierung durch. Für die energetische Sanierung konnte Familie Gräf Fördermittel in Form eines Landesdarlehens und eines Darlehens aus dem Programm der KfW-Bank in Anspruch nehmen. Stellt man die Finanzierung der Sanierung den Unterhaltskosten des Gebäudes gegenüber, ist der Aspekt der Wirtschaftlichkeit mehr als erreicht. Ebenso wurde eine sehr gute Lebensqualität, bedingt auch durch die gefilterte Zuluft, erzielt. Insgesamt gesehen – die beste Investition in die Zukunft. So das nachdrückliche gemeinsame Fazit von Familie Gräf, die seit März 2013 im fertig sanierten Wohngebäude mit KfW-Effizienzhaus-Standard 55 lebt.

Daher nahmen Alexandra und Johannes Gräf erfreut das Schild "H.ausgezeichnet" der Energieagentur Rheinland-Pfalz entgegen, zumal es die erste Auszeichnung einer Altbausanierung im Landkreis Cochem-Zell durch die Agentur ist. Seit Juni 2016 zeichnet sie Gebäudeeigentümer von energieeffizienten Sanierungen oder Neubauten aus. "H.ausgezeichnet" ist ein Hausschild, das mit der Hausnummer des ausgezeichneten Gebäudes versehen ist. Damit werden Bauherren für ihren Beitrag zur Erreichung eines klimaneutralen Gebäudebestands in Rheinland-Pfalz honoriert. Außerdem möchte die Energieagentur mit Opens external link in new window"H.ausgezeichnet" Möglichkeiten energetischen Bauens und Sanierens aufzeigen.

Weitere gute Beispiele können Sie sich im Opens external link in new windowEnergieatlas Rheinland-Pfalz anschauen.