11.09.2017

Klimakrise: Bekommen wir sie noch in den Griff?

Dank an die Veranstalter für die Teilnahme an der Aktionswoche "Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Energie". Von links: Egbert Bialk (BUND Koblenz), Renate Michel (Energieagentur Rheinland-Pfalz), Martina Keller (Schulleiterin Grundschule Koblenz-Moselweiss), Klimareporter der Grundschule Moselweiss, Martin Görlitz (ISSO-Institut) und Klimaforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf. Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz

„Wie viel wird das Meer steigen? Kann ich, wenn ich mal 50 bin, in Holland leben? Da hat mein Opa mal gewohnt.“ Das möchte ein achtjähriger Schüler von Prof. Stefan Rahmstorf  wissen. Der Potsdamer Klimaforscher wird von den sechs Klimareporterinnen und Klimareportern  der Grundschule Koblenz-Moselweiss im „Klima-Dialog“ zu Hurrikanen, Erderwärmung, den Folgen für das Meer und nach den  Kosten des Klimawandels befragt.  Der lobt sie für ihre gute Vorbereitung: „Besser als die meisten Journalisten“, so Rahmstorf, bevor er im Gewölbesaal im Alten Kaufhaus die Fakten zum Klimawandel darstellt. Veranstalter sind der BUND Koblenz und das ISSO-Institut der Görlitz-Stiftung mit einem breiten Kreis von Unterstützern, unter anderem des Regionalbüros Rhein-Mosel-Eifel der Energieagentur Rheinland-Pfalz.

Folgen des Klimawandels

Die haben es in sich, denn Rahmstorf zeigt, dass die Klimaszenarien, ausgehend von nur 2 Grad Celsius mittlerer Erderwärmung, für viele Regionen der Erde Dürren mit Ernteausfällen und der Ausbreitung von Wüsten voraussagen, zum anderen die Zunahme extremer Niederschläge und tropischer Meeresstürme. Teile der Mittelmeerländer Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Türkei, Syrien und der nordafrikanischen Länder wären von Trockenheit und Wüstenbildung betroffen. Der Meeresspiegel würde aufgrund seiner trägen Reaktionsfähigkeit auch bei einer Begrenzung auf 2 Grad noch über Jahrhunderte ansteigen. Die Versauerung der Meere würde zum Absterben von Korallenriffs führen.

Treibhausgase und Erderwärmung

Seit Beginn der Messungen im Jahr 1958 hat sich die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre von 315 parts per million (ppm) auf aktuell 403 ppm erhöht. „Durch den Treibhauseffekt gibt es damit  eine zusätzliche Heizung auf unserem Planeten, und zwar mit einer Heizleistung von 2 Watt pro Quadratmeter.  Gegenüber  vorindustrieller Zeit um 1880 ist bereits ein Temperaturanstieg von 1 Grad Celsius zu verzeichnen“, erklärt Rahmstorf. Und der Trend gehe weiter nach oben. „Unter anderem wird dies dadurch belegt, dass die fünf  heißesten Sommer seit dem Jahr 1500 auf die jüngste Zeit, nämlich die Jahre 2002, 2003, 2006, 2007 und 2010 fallen“, unterstreicht Rahmstorf.

Der Mensch ist verantwortlich

Alle Studien über den Anteil des Menschen an der Erderwärmung kommen laut Rahmstorf zu dem Schluss: Er liegt bei 100 Prozent. Mit geeigneten Maßnahmen könne also verhindert werden, dass die globale Mitteltemperatur noch weiter ansteige, denn schon ab 4 Grad wären große Hitzeperioden mit vielen Toten die Folge. Bei einer weiter darüber hinausgehenden Erwärmung müssten wir uns auf einen komplett anderen Planeten einstellen. Das Ziel der Pariser Weltklimakonferenz im Jahr 2015 von maximal 1,5 Grad müsse erreicht werden, und dafür seien die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2040 auf Null zu reduzieren. Das deutsche Ziel sei mit 85 - 90 Prozent Reduktion bis zum Jahr 2050 bei weitem nicht ausreichend. Zwar gebe es seit 1990 eine Abnahme der Treibhausgase, aber so langsam, dass nicht einmal dieses Ziel zu erreichen wäre, wenn das Tempo nicht erhöht werde.

Klima-Therapie für die Erde

Was also tun? Rahmstorf muss  nicht lange überlegen und zählt auf: Die Subventionen in fossile Energieträger von jährlich 500 bis 600 Milliarden Dollar beenden, einen Preis in Höhe von 50 Dollar pro Tonne Kohlendioxid einführen, spätestens ab 2030 keine Verbrennungsmototoren mehr zulassen, ein sofortiges Moratorium für neue Kohlekraftwerke, den Kohle-Ausstieg einleiten und alle fünf bis sieben Jahre die Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energien. Nur beim letzten Punkt seien wir bereits auf einem guten Weg.

Antworten an die Klimareporter

Auf die Fragen der Schüler antwortet Rahmstorf ausführlich und geduldig: „Das Meer ist schon um 20 Zentimeter gestiegen seit dem 19. Jahrhundert. Wenn das Eis auf den Kontinenten komplett schmilzt, wird der Meeresspiegel noch einmal um 65 Zentimeter steigen. Holland will riesige Deiche bauen, dadurch wird das Land geschützt sein. Das kann man aber nicht überall machen, weil zum Beispiel in Bangladesch das Meer einen anderen Boden hat.“
Die Antwort auf die Frage, ob denn die Politiker genug gegen den Klimawandel tun, fiel dagegen knapp aus: „Nein, sie tun nicht genug!“


Informationen zu Prof. Rahmstorf finden Sie auf den Internetseiten des Opens external link in new windowPotsdam-Instituts für Klimafolgenforschung e.V. (PIK).