03.12.2015

Informationsabend "Wasserstoff" in Kaisersesch

V. l. n. r.: Josef Darscheid, Vorsitzender H2BZ KoopNetzwerk RLP; Dipl.-Biol. Renate Michel, Energieagentur Rheinland-Pfalz; Dipl.-Ing. Jörg Wirtz, Abo Wind; Bürgermeister Albert Jung, Verbandsgemeinde Kaisersesch; Dipl.-Ing. Wolfgang Klar, Klar-Energie; Hans Joachim Thon, Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e. V.

Unter dem Motto "Wasserstoff: Erzeugung, Speicherung, Verwertung – Potenziale für unsere Region" stand am 19.11.2015 der gemeinsame Informationsabend des H2BZ Wasserstoff-Brennstoffzellen- Kooperationsnetzwerks Rheinland-Pfalz am TGZ Kaisersesch (H2BZ KoopNetzwerk RLP) und der Verbandsgemeinde Kaisersesch. Drei Referenten gaben Einblicke in den Stand der Technik im Allgemeinen und stellten das Kraftwerk Kläranlage in Kaisersesch sowie ein energieautarkes Unternehmen im Westerwald vor.

 

Zu Beginn der Veranstaltung ging Josef Darscheid, Vorsitzender des H2BZ KoopNetzwerkes RLP, auf den 21. Weltklimagipfel der Vereinten Nationen in Paris ein. Seine Erwartung an den Klimagipfel ist es, dass verbindliche Klimaziele für alle 195 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen vereinbart werden. Für ihn ist eines klar: "Es wird höchste Zeit". Auch Bürgermeister Albert Jung griff in seiner Begrüßung das Thema Klima auf. "Klima ist das Wichtigste auf unserem Planeten", sagte Jung und ergänzte seine Aussage damit, dass die verantwortlichen Institutionen viel mehr Bemühungen in die Klimabildung investieren müssten, um etwas nachhaltig in unserer Welt zu verändern. Wie auch Josef Darscheid, freute er sich besonders darüber, dass auch eine Schulklasse der Berufsbildenden Schule Cochem sich für das Energiethema begeistert und an dieser Veranstaltung teilnahm.

 

Im ersten Vortrag referierte Dipl.-Ing. Hans Joachim Thon, Wasserstoffbeauftragter des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands (DWV), zunächst über die großtechnische Bereitstellung regenerativer Energie, wie sie heute bereits die Stadtwerke Mainz realisiert. Nicht weniger wichtig war für ihn die Anwendung im kleinen, regenerativen/autarken Bereich. Hier kamen zur eingesetzten Brennstoffzelle die unabdingbaren Speichersysteme hinzu. Ein ganz wesentlicher Ansatz ist für ihn allerdings die Flexibilität der Wasserstofftechnologie - vom Kleinwattbereich bis hin zur Megawattleistung im Großcontainer. Die Sicherheitsbetrachtungen zu Speichersystemen mit bis zu 500 bar Hochdruck sowie die dazu passenden eindrucksvollen Filmsequenzen rundeten den informativen Vortrag ab.

 

Besonders beeindruckt waren die rund 90 Interessierten auch von dem Projektansatz des integrierten Energiekonzeptes für die Kläranlage Kaisersesch, das nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums Rheinland-Pfalz eine Blaupause für ähnliche Kläranlagen in ganz Rheinland-Pfalz sein könnte. Präsentiert wurde das Konzept von Dipl.-Ing. Jörg Wirtz, Abo Wind. Durch eine Umstellung in eine anaerobe Wasseraufbereitungsanlage und dem Einsatz von regenerativ erzeugtem Strom könnte die Kläranlage rund 270 Tonnen an Kohlendioxid jährlich einsparen. Neben der Zuführung von Sauerstoff kann in einer derartigen Anlage auch Wasserstoff verarbeitet werden. Der erzeugte Wasserstoff könnte in einem weiteren Schritt auch für eine Wasserstoff-Tankstelle genutzt werden und für Wasserstoff-Brennstoffzellen-Autos zur Verfügung stehen, da die Kläranlage sich in der Nähe der Autobahn A48 befindet – dies wäre aus Sicht von Jörg Wirtz ein "Leuchtturm in der Energiewende für die Region". Das Projekt befindet sich in der Planungsphase. Wann und ob es umgesetzt wird, wird sich nach der bereits beauftragten Machbarkeitsstudie zeigen.

 

Mit den Worten "Wir warten nicht – wir machen!" startete Dipl.-Ing. Wolfgang Klar seine Präsentation des Energiekonzeptes der Firma Klar-Folien im Westerwald. Als Best-Practice-Beispiel zeigte Herr Klar auf, wie das Unternehmen nicht nur die benötigten rund 25.000 Kilowattstunden (kWh) an Strombedarf mit Photovoltaikanlagen abdeckt, sondern auch weitere Energie-Effizienzmaßnahmen innerhalb des Unternehmens umsetzt. Neben den Photovoltaikanlagen, die rund 90.000 kWh im Jahr erzeugen, sind auch Mikrowindanlagen mit einer Nennleistung von 1000 Watt auf den Dächern installiert. Das Konzept ist umfassend, denn es sieht natürlich auch die Speicherung des nicht benötigten Stroms vor. Gespeichert wird in einer Kurzzeit-Batterie, die über ein Batterie-Management-System die Einspeisung ins eigene Hausenergienetz bzw. in das öffentliche Netz regelt. Aber auch der Energieträger Wasserstoff spielt eine große Rolle bei der Speicherung. Ein "Blue Hamster" vereint den gesamten Prozess von der Wasserstoff-Gas-Generierung (Elektrolyse) über die Speicherung des Energieträgers in Wasserstofftanks bis hin zur Rückumwandlung in elektrische Energie mittels einer Brennstoffzelle. Ein umfassendes Konzept, das auch dadurch ergänzt wird, dass der gesamte Fuhrpark des Unternehmens mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen ausgestattet ist.

 

Josef Darscheid dankte zum Abschluss Renate Michel von der Energieagentur Rheinland-Pfalz für die Moderation und den Referenten für ihre interessanten Vorträge.

 

Ein Teil der Vorträge steht zum Download im Internet unter www.brennstoffzelle.kaisersesch.de bereit.