03.09.2015

Energetische Sanierung (k)ein Kinderspiel – Interview mit Sanierungsfachmann Dipl. Ing. Helmut Tibes

Herr Tibes, warum ist es eigentlich so wichtig, sein Gebäude oder Eigenheim zu sanieren, vielleicht auch gerade jetzt zu sanieren?

Helmut Tibes: Diese Fragestellung hat es ja schon immer gegeben. Nur, dass sie in der Vergangenheit eher auf das Optische oder die Erhaltung der Bausubstanz bezogen war. Damit ein Gebäude seinen Wert behält, sind allerding von Zeit zu Zeit immer wieder Reparaturen notwendig, das ist der sogenannte Erhaltungsaufwand. Natürlich kann man ein Gebäude auch abwirtschaften, also man investiert nicht mehr, sondern nutzt es nur noch. Dann wird ein Haus mit der Zeit unansehnlich, bis es schließlich seinen Zweck nicht mehr erfüllt, weil es z.B. durch ein undichtes Dach regnet. Die energetische Sanierung hat jetzt den Vorteil, dass sie mit der Erhaltungssanierung gekoppelt werden kann. Dabei verbessert man das Bauteil oder ein ganzes Gebäude nicht nur optisch und in der Funktion sondern spart auch noch Energiekosten.

Gibt es einen Zeitpunkt, wann eine Sanierung oder Modernisierung besonders sinnvoll erscheint?

Helmut Tibes: Die beste Gelegenheit energetisch zu sanieren ist der Zeitpunkt zu dem ohnehin eine Standardsanierung ansteht. Ein sehr guter Zeitpunkt ist z.B. der Eigentumsübergang, wie bei dem Objekt hier im Erlenweg 7. Der Vorbesitzer hatte über eine lange Zeit das Gebäude nicht mehr fachgerecht saniert.

Lohnt sich eine Sanierung? Und falls ja: wann oder ab wann?

 Helmut Tibes: Was heißt denn lohnen? Meist wird darunter verstanden, dass das investierte Geld in einer bestimmten Zeit durch die Energiekostenersparnis wieder hereingespielt wird. Ob das gelingt, ist eine Frage danach, wie sich die Preise für Energie entwickeln. Da wir aber alle keine Hellseher sind, kann diese Frage nur Erfahrungswerten aus der Vergangenheit beantwortet werden. Die Vergangenheit lehrt uns, dass auf Dauer herkömmliche Energie wie Gas und Öl immer teurer wird, auch wenn es mittendrin vorübergehend mal preiswerter wird. Jedem muss klar sein, dass in einer begrenzten Welt nichts unbegrenzt reicht. Und je schneller die Bevölkerung der Erde wächst und je mehr Menschen unseren auf Energie basierenden Wohlstand anstreben, umso schneller sind die Energierohstoffe dieser Welt aufgezehrt.

Also: Eine Sanierung lohnt immer?

Helmut Tibes: Meines Erachtens lohnt sich sparen immer. Das klingt zwar so nach Verzicht, hat aber heute eine ganz andere Bedeutung als noch vor 70 Jahren nach dem Krieg. Sparen heißt heute: Effizienz. Das bedeutet: mit weniger Einsatz von Energie oder Rohstoffen im Allgemeinen gleich viel zu erreichen.

Darüber hinaus bietet eine energetische Sanierung noch viele weitere Vorteile. Eine Verbesserung der Wohnbehaglichkeit z.B. keine kalten Flächen mehr im Haus und keinen Durchzug mehr. Wenn eine energetische Sanierung fachmännisch durchgeführt wird, bedeutet sie immer auch eine Verbesserung der Wohngesundheit. Mit einer Ertüchtigung des Gebäudes reduziert sich in der Regel auch die Abhängigkeit von Energie, weil weniger Energie verbraucht wird und der Anteil erneuerbarer Energie deutlich gesteigert werden kann. Ob sich eine energetische Sanierung finanziell lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist, sie stets in Betracht zu ziehen, wenn ohnehin etwas gemacht werden soll. Denn es gibt nichts Schmerzlicheres als eine verpasste Chance.

Im Moment taucht die „Wärmewende“ als Teil der Energiewende häufig in der öffentlichen Diskussion auf. Welche Anreize gibt es, welche Zuschüsse oder öffentlichen Fördermittel?

Helmut Tibes: Wenn wir bei den staatlichen Zuschüssen (Bund) bleiben, gibt es zwei große Fördermittelgeber. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fördert jede energetische Verbesserung am Wohngebäude und das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) bezuschusst erneuerbare Anlagentechnik. Prinzipiell kann man sagen, dass die Fördermittel umso höher fließen, je mehr energetisch erreicht wird. Die Fördermittelberatung ist aber so komplex, dass an dieser Stelle nicht mehr dazu gesagt werden kann. Ein Sachverständiger im Energieeffizienzbereich wird für den Sanierer beträchtliche Fördermittel generieren können, weil noch nie so stark gefördert wurde, wie heute, und das bei unübertroffen niedrigen Darlehenszinsen. Das ist auch etwas Neues im Bereich der Förderung: Auch Sanierer, die über die KfW finanzieren, erhalten zusätzlich noch einen Zuschuss.

Herr Tibes, vielen Dank für das Gespräch.

Helmut Tibes (52) aus Gering bei Mayen ist Dipl. Ingenieur (FH) und vor allem in der Energieberatung tätig. Er blickt auf eine Reihe erfolgreicher energetischer Sanierungen zurück. Beispielsweise ein Reihenmittelhaus in Mayen. Dort konnten die Energiekosten nach einer Sanierung von 6.000 € jährlich auf  500 € jährlich gesenkt werden. Ein aktuelles Projekt ist die Sanierung eines Zweifamilienhauses auf der Koblenzer Karthause. Dieses Vorhaben können sich Interessierte während der Aktionswoche "Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Energie" am 13. und 19.09. jeweils um 14.30 bzw. 15.00 im Erlenweg 7, 56075 Koblenz, ansehen.