26.06.2014

Auf der Suche nach guten Lösungen

Wie lassen sich Maßnahmen zur Energieeffizienz bei der Sanierung historischer regionaltypischer Gebäude „unter einen Hut“ bringen? Um diese Frage geht es beim Workshop „Energieeffizienz regionaltypischer historischer Gebäude“ in Koblenz.

Unzählige historische regionaltypische Gebäude gibt es in der Region Mittelrhein. Diese Gebäude haben nicht bloß eine häufig gleiche oder ähnliche Vergangenheit, eine bisweilen bezaubernde Atmosphäre, oder vielleicht sogar einige Geheimnisse aus früherer und jüngerer Geschichte gemeinsam. Es gibt noch eine Gemeinsamkeit – allerdings ist die eher ungewollt: Das enorme Potenzial in Sachen Energieeffizienz: Wieviel Heizwärme ließe sich wohl einsparen, wenn diese Gebäude nur annähernd den Standards heutiger Bauweisen entsprächen? Das Aufkommen lässt sich nur schwer schätzen, aber es müssen hunderte Millionen Kilowattstunden im Jahr sein (Vgl. Energiesteckbriefe Landkreise am Mittelrhein).

Vor allem diese Überlegungen waren der Impuls für den jüngsten Workshop „Energieeffizienz regionaltypischer historischer Gebäude“ in Koblenz – auf Einladung von Ulrike Marx, Geschäftsführerin des Bau- und Energienetzwerkes (BEN) Mittelrhein e.V. und unterstützt durch die Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH.

Gleich mehrere Spezialisten aus dem Bereich der energetischen Sanierung und Baukultur haben hier unter der Moderation von Dr. Burkhard Schulze Darup aus Nürnberg und Renate Michel aus Winningen ihre Erkenntnisse und Expertisen aus dem Bereich der energetischen Sanierung von Altbauten zusammengetragen.

Die wichtigste Erkenntnis: Altbausanierungen in Richtung der Standards „KfW-Effizienzhaus Denkmal“  und „KfW-Effizienzhaus 115“ sind machbar und wirtschaftlich! Vor allem dann, wenn Investoren oder Hausbesitzer bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einen Zeitraum von etwa 30 Jahren ansetzen und als Maßnahmen die Sanierung der Gebäudehülle mit einer neuen passenden Heizung in Betracht ziehen.

Dazu hatten die Experten insgesamt 13 Gutachten mit Musterlösungsvorschlägen besprochen, die für das BEN Mittelrhein im Rahmen des Projekts „Modernisierungsoffensive Mittelrhein“ erarbeitet worden waren: 10 Fälle historischer regionaltypischer Gebäude und drei Gutachten zu klassischen Siedlungshäusern aus der Nachkriegszeit wurden dabei unter die Lupe genommen.

In vielen Punkten besteht bei den Experten Einigkeit: Grundsätzlich komme auch der Neubaustandard für die energetische Sanierung erhaltenswerter Bausubstanz in Betracht. Es bedürfe aber einer äußerst sensiblen und individuellen Planung sowie besonderer Aufmerksamkeit bei der Ausführung: Während etwa bei einigen Siedlungshäusern eine Außendämmung  durchaus in Frage kommen mag, könnte das bei einem historischen Gebäude wie einem Bruchstein- oder Fachwerkhaus die Erscheinung völlig verderben, so die Experten. Immerhin bliebe dann unter Umständen eine Innendämmung als Möglichkeit. Die bauphysikalischen Voraussetzungen für eine Innendämmung wurden im Workshop ausführlich diskutiert: „Nicht nur die Planung und Ausführung muss durch erfahrene Fachleute erfolgen, auch über die Installation von (dezentralen)  Lüftungsanlagen muss in jedem Fall nachgedacht werden“, so Schulze Darup, der für energetisch ambitionierte Lösungen plädierte. Lüftungsanlagen erhöhten nicht nur die Luftqualität und Behaglichkeit, sondern verringerten auch die Gefahr von Tauwasser durch Luftfeuchte.

Im Workshop wurden Wege zur energetischen Sanierung regionaltypischer historischer Gebäude herausgearbeitet und aufgezeigt, worauf das besondere Augenmerk bei Planung und Umsetzung liegen sollte. Nun wird gemeinsam überlegt, wie dieses Know-how in geeigneter Form bekannt gemacht werden kann.