04.10.2016

Auf dem Weg zum klimafreundlichen Landkreis

Die Präsentation der Ergebnisse des Integrierten Klimaschutzkonzeptes Mayen-Koblenz stieß auf großes Interesse

Der Landkreis Mayen-Koblenz ist für 0,17 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Was sich in Prozenten nach ziemlich wenig anhört, entspricht in absoluten Zahlen ausgedrückt dem Ausstoß von mehr als 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus den Bereichen Verkehr, private Haushalte und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie. „Wir haben ein Klimaschutzkonzept erarbeitet, um die Klimagase zu reduzieren und damit einen Beitrag zur Begrenzung der Folgen des Klimawandels zu leisten“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth bei der Vorstellung der Ergebnisse am 29. September in der Karl-Fries-Realschule Plus in Bendorf. Die Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzepts wurde am 11. Juli vom Kreistag beschlossen, ebenso wie die „Mayen-Koblenzer Erklärung – Klimafreundlicher Landkreis MYK“ des Landkreises und seinen Kommunen. „Mit dem heutigen Tag wollen wir zugleich den Startschuss für die Umsetzung der fast 50 Maßnahmen geben“, so Nauroth.


Mit Hilfe der Transferstelle Bingen und der Sweco GmbH wurden im Laufe von 18 Monaten zahlreiche Daten für Energie- und CO2-Bilanzen und Potenzialanalysen  zusammengetragen sowie 10 Workshops und Projektgruppentreffen durchgeführt. Wie Marion Gutberlet von der Sweco GmbH erläuterte, wurden in einzelnen Workshops Maßnahmenvorschläge speziell zu einzelnen Themenschwerpunkten wie Energiesparende Straßenbeleuchtung, Klimafreundliche Abwasserbeseitigung und Mobilität, Energetische Sanierung von Ortskernen und Quartieren erarbeitet und diskutiert. Bürgermeister, zuständige Sachbearbeiter in den Verbandsgemeinden, Kreisvorstand und Fraktionsvorsitzende des Kreistages erarbeiteten ein Klimaschutzleitbild und  entwickelten zudem eine Klimaschutzstrategie, um den Klimaschutz nachhaltig in der Verwaltung zu verankern sowie ein Konzept für die Kommunikation.


Michael Münch von der Transferstelle Bingen stellte zusammengefasst die Zahlen zur Ist-Situation vor, das heißt zu den nach Sektoren verursachten Energieverbräuchen und den dadurch erzeugten Treibhausgasemissionen. Der gesamte Endenergieverbrauch im Landkreis betrug im Jahr 2014 über 6,7 Millionen Megawattstunden. Daran hat mit  knapp 40 Prozent der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Industrie den größten Anteil, gefolgt vom Sektor private Haushalte mit gut 30 Prozent und dem Sektor Verkehr mit knapp 30 Prozent. Die öffentlichen Einrichtungen haben einen Anteil von 1,2 Prozent. Dem Energieverbrauch wurde die Energieerzeugung gegenüber gestellt, die im Landkreis Mayen-Koblenz und seinen Kommunen insgesamt rund 454.200 Megawattstunden erreichte durch die Produktion von Strom mit Wasserkraftnutzung, Photovoltaikanlagen, Windenergie und Erdgas betriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. „Damit werden jährlich fast 480.000 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente eingespart. Sie sehen, wir stehen im Landkreis Mayen-Koblenz nicht am Anfang der Klimaschutzbemühungen“, so Münch. Hohe Einsparpotentiale gebe es im Gebäudesektor, und dort in besonderem Maße bei Wohngebäuden, die vor dem Jahr 1957 errichtet worden seien. Auch mit verstärkter Nutzung erneuerbarer Energiequellen, insbesondere durch die Stromerzeugung mit Photovoltaik, sind laut Münch noch höhere CO2-Einsparungen zu erreichen: „Das Zubaupotenzial in einzelnen Kommunen des Landkreises ist groß“.


Das für das Jahr 2030 entwickelte Klimaschutzszenario stellt die Einsparung von 33 Prozent Kohlendioxid in Aussicht, das entspricht 500.800 Tonnen Kohlendioxid. In diesen Zahlen sind andere Treibhausgase wie Methan, berechnet als Kohlendioxid-Äquivalente, berücksichtigt. Um dieses Ziel erreichen zu können, soll das Klimaschutzkonzept mit Hilfe eines Klimaschutzmanagements zügig umgesetzt werden. 17 der 47 Maßnahmen des Konzepts wurden mit höchster Priorität bewertet. In der abschließenden Gesprächsrunde gab Landrat Dr. Alexander Saftig bekannt, dass daher zur Unterstützung der Umsetzung die Stelle eines Klimaschutzmanagers neu geschaffen wird, die – wie das Integrierte Klimaschutzkonzept – von der Klimaschutzinitiative des Bundes gefördert wird.


Weitere Informationen zum Integrierten Klimaschutzkonzept des Landkreises Mayen-Koblenz finden Sie hier.