04.10.2017

Neuerkirch übernimmt das "Schnorbacher Modell" komplett

Bürgermeister Bernd Kunz empfängt Ministerin Ulrike Höfken und deren Lob. (Bild: Gemeinde Schnorbach)

Mit Neuerkirch ist ein weiteres Hunsrückdorf der Energiesparkampagne „Rhein-Hunsrück spart Strom“ beigetreten. Die bereits über die Verbandsgemeinde Simmern  für 32 Orte einschließlich Neuerkirch geltende Basis-Version war dem Neuerkircher Gemeinderat nicht genug: Sie bieten ihren Bürgern jetzt das volle Programm nach dem „Schnorbacher Modell“, als auch Förderbeiträge zu energetisch sinnvollen Sanierungsmaßnahmen und Investitionen.

Das Schnorbacher Beispiel findet mittlerweile große Beachtung. Zunächst lobte Landesumweltministerin Ulrike Höfken das Projekt, dann initiierte dieses Lob einen großen Bericht in dem bundesweit erscheinenden Fachmagazin „Energie & Management“, den wir nachstehend dokumentieren.

 

Solidarpakt für Energiesparen

Die kleine Hunsrück-Gemeinde Schnorbach nutzt Pachteinnahmen von Windkraftanlagen für ein Energiesparprogramm. Mehr als 40 Kommunen haben sich bereits am Schnorbacher Modell orientiert.

VON RALF KÖPKE

Schnorbach ist ein kleiner Flecken im Rhein-Hunsrück-Kreis. Mitte des Jahres lebten 244 Einwohner auf der Gemarkung, einer weniger im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Was nichts heißen soll: Das Örtchen in der Verbandsgemeinde Rheinböllen (Rhein-Hunsrück-Kreis) ist sozusagen Geburtsort des „Schnorbacher Modells“, dem mittlerweile 40 weitaus größere Kommunen im Hunsrück in Sachen Energiesparen gefolgt sind. Klein, aber oho. „An solch einen Erfolg hätte ich auch nicht geglaubt“, freut sich der ehrenamtliche Ortsbürgermeister Bernd Kunz.

Dass Schnorbach einmal so etwas wie bundesweiten Pilotcharakter beim Energiesparen bekommen würde, war nicht absehbar, als der Gemeinderat 2014 sein Okay für den Bau von zwei Windenergieanlagen auf dem Gemeindegrund gab. Gleichzeitig beschlossen die sieben Lokalpolitiker, dass ein Teil der Pachteinnahmen in einer Art „Solidarpakt“ den 95 Haushalten vor Ort  zugutekommen sollte.

Womit die Grundidee des Schnorbacher Modells geboren war. „Wir wollten damit nicht nur die  Akzeptanz für die beiden Windräder am Ortsrand steigern, sondern auch konkret etwas in unserem Dorf machen“, erzählt Kunz. Das Geld sollte gezielt für Energiesparmaßnahmen eingesetzt werden. „Das kommt wirklich jedem zugute“, so Kunz, „es war der Versuch, auf einfache Weise ein gemeinsames Level beim Energiesparen zu erreichen.“

Amtlich gemacht hat die Gemeinde ihre Förderaktivitäten in einer eigenen Energiesparrichtlinie. Beachtliche Investitionssumme ausgelöst Mit ihrem Förderprogramm beließen es die Schnorbacher nicht nur dabei, Zuschüsse für das häusliche Energieberatungsangebot der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz für den Austausch älterer Umwälzpumpen, Kühlschränke, Waschmaschinen oder Wäschetrockner zu zahlen. Sie haben mittlerweile auch 70 neue energiesparende Fenster und Türen, sechs Batteriespeichersysteme, drei neue regenerative Heizungsanlagen und sogar zweimal eine Gebäudedämmung bezuschusst.

In weniger als zweieinhalb Jahren hat die Gemeinde Förderanträge für rund 60 000 Euro bewilligt. Damit haben die Schnorbacher bis heute fast 300 000 Euro für verschiedenste Energiesparaktivitäten investiert.

„Dank der Windpachteinnahmen
unterstützen wir unsere Bürger
tatkräftig beim privaten Energiesparen“
Bürgermeister Kunz

 

Diese Bilanz hat Ulrike Höfken (Die Grünen) beeindruckt. Bei ihrer diesjährigen Sommertour lobte die Umwelt- und Energieministerin von Rheinland-Pfalz Ortsbürgermeister Kunz persönlich: „Was  Energieeinsparung angeht, sind Sie ein echter Promi.“ Höfken zeigte sich vom Schnorbacher Modell sehr angetan: „Die Energiesparrichtlinie ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Einnahmen aus der Windenergie direkt für die persönliche Energiewende der Bürgerinnen und Bürger nutzbar gemacht werden.“

Paul Ngahan, der bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz im Büro Mittelrhein arbeitet, erwartet deshalb, „dass alle Gemeinden im Hunsrück in drei, vier Jahren dem Schnorbacher Modell gefolgt sind“. Neben der Eifel sind insbesondere im Hunsrück die meisten Windenergieanlagen in Rheinland-Pfalz in Betrieb − vielerorts Bild: Energieagentur Rheinland-Pfalz/Sonja Schwarz sind so kommunale Pachteinnahmen durch Windparks möglich.

Da in Regionen wie der Südpfalz oder dem Mittelrhein eher weniger Windkraftanlagen am Netz sind, sei das Schnorbacher Modell „landesweit nicht übertragbar“, sagt Hans Weinreuter aus der Energieabteilung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz fast schon bedauernd. „Schnorbach zeigt aber, wie sich mit wenig Geld viel für das Energiesparen bewirken lässt.“

Angetan zeigt er sich auch von einer weiteren Regelung in den Verbandsgemeinden Rheinböllen und Simmern: „Nicht alle der dortigen Ortsgemeinden besitzen Flächen, die sie für Windparks verpachten können. Aus einem Solidarfonds erhalten sie aber Gelder der Windkommunen für ihre Energiesparmaßnahmen.“

Für Frank-Michael Uhle ist das ein Ansatz, um das Schnorbacher Modell noch weiter zu verbreiten. „In Schnorbach ist für mich die erste ganzheitliche Idee geschaffen worden, wie sich der Ausbau der Windenergie mit der persönlichen Energiewende vieler einzelner Bürger verbinden lässt“, sagt der Klimaschutzmanager des Rhein-Hunsrück-Kreises. „Für meine tägliche Arbeit sind die Aktivitäten in Schnorbach Gold wert, die ich gerne auch über die Landesgrenzen exportieren möchte.“      < E&M >