28.08.2017

Energiewende vor Ort: Schnorbach macht Schule

Mit ihrer Aktion „Stromdetektive“ unterstützte die Energieagentur Rheinland-Pfalz über ein Jahr hinweg das Energiespar-Dorf Schnorbach. Die örtliche Kinder- und Jugendgruppe wurde spielerisch und mit Experimenten an das Thema Energiesparen herangeführt. (Bild: Carmen Müller, KiJu Schnorbach)

Der Vorstoß der Gemeinde Schnorbach zieht Kreise. Was vor gut zwei Jahren als landesweit einmaliges Pilotprojekt anfing, hat inzwischen fast 40 weitere Gemeinden erreicht. „Rhein-Hunsrück spart Strom“ heißt das Projekt, initiiert vom Schnorbacher Gemeinderat und dann gemeinschaftlich umgesetzt mit  Kreisverwaltung und Verbraucherzentrale. Es beschert den Bürgern der teilnehmenden Orte zusätzliche Anreize, selbst einen Beitrag zur Energiewende zu übernehmen. Mit so großem Erfolg, dass sich Landesumweltministerin Ulrike Höfken bei ihrer Sommertour 2017 viel Zeit nahm, die Akteure vor Ort zu loben.
„Das Ganze nimmt nun richtig Fahrt auf!“, schwärmt der Simmerner Verwaltungschef Michael Boos. Für ihre 32 Ortsgemeinden hat die Verbandsgemeinde die Basisversion der Förderrichtlinie übernommen, also ohne Zuschüsse für größere Sanierungsinvestitionen. „Die Energiewende beginnt mit der Energieeinsparung in den Haushalten und dafür setzen wir ein Zeichen“, erklärt Boos und berichtet von guter Resonanz: „Bisher haben wir mehr als 70 Förderanträge erhalten und rund 5500 Euro an Fördergeldern ausbezahlt. Das zeigt mir, dass es eine gute Entscheidung war, diese Richtlinie umzusetzen.“

Zudem wirkt Boos zufolge die Übernahme als Signal in die Ortsgemeinden hinein. Tatsächlich heben zwei von ihnen mittlerweile eigene, ergänzende Energiesparrichtlinien verabschiedet. Kreisweit mit dabei sind nach derzeitigem Stand neben der VG Simmern und Schnorbach die Orte Laudert, Lingerhahn, Kappel, Kludenbach, Neuerkirch, Reckershausen und Rayerschied; zahlreiche weitere haben Interesse angemeldet.

In allen diesen Gemeinden gilt eine vom Rat verabschiedete Richtlinie, die stets die folgenden Leistungen der Gemeinde umfasst: Kostenübernahme für eine Vor-Ort-Beratung der Verbraucherzentrale, Zuschüsse beim Kauf hocheffizienter Haushaltsgeräte und Heizungspumpen.
Darüber hinaus bieten einige Gemeinden auch Fördermittel für größere Investitionen an, etwa für Gebäudedämmung, Heizungsaustausch oder die Installation von Photovoltaik. Das gestalten die Ortsgemeinden entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und finanziellen Möglichkeiten.
Noch bevor im Jahr 2014 zwei Windkraftanlagen auf Gemeindegrund errichtet wurden, hatte der Schnorbacher Gemeinderat vorgegeben, dass Teile dieser Erträge für den Klimaschutz im Ort verwendet werden sollten. Das war sozusagen die Geburtsstunde der modellhaften Förderrichtlinie.
Die Unterstützung seitens der Kommune zeigt Wirkung, die Bürger nehmen das Angebot wahr. Und weil dies weit über von Skeptikern anfangs vorhergesagte „Mitnahme-Effekte“ hinausgeht, wächst das Interesse - auch über die Kreisgrenzen hinaus. Die Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen (Kreis Mainz-Bingen) hat mittlerweile ebenfalls eine derartige Richtlinie beschlossen.

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