16.03.2018

Landkreise Bad Dürkheim, Südliche Weinstraße und Germersheim sowie die Stadt Landau planen Entwicklung von regionalen Klimaschutzportalen

Diskussion über das Projekt "Klimaschutzportal" im Beirat: Dr. Stefan Jergentz von der Universität Koblenz-Landau präsentiert

Mit webbasierten Klimaschutzportalen wollen die Landkreise Südliche Weinstraße, Bad Dürkheim und Germersheim mehr Transparenz im Energiewende-Prozess sowie eine Möglichkeit zur besseren Einbindung von Bürgern in Klimaschutz-Prozesse schaffen. Nach den Gremien der Landkreise Südliche Weinstraße und Germersheim sowie der Stadt Landau hat nun auch hat der Kreisausschuss des Landkreises Bad Dürkheim „grünes Licht“ für das Vorhaben „Klimaschutzportal“ gegeben. Damit ist das gemeinsame Projekt der drei Landkreise und der Stadt Landau beschlossen, für das nun Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) beantragt werden. Die Förderquote liegt bei 50 Prozent.

Die Universität Koblenz-Landau wird in Kooperation mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz das Projekt betreuen. Dieses regionale Vorhaben in der Region Mittelhaardt & Südpfalz soll als Pilotprojekt für regionale Klimaschutzportale nach einheitlicher Bilanzierungsmethodik für ganz Rheinland-Pfalz dienen.

Das kreisübergreifende Projekt ist aus der Arbeit im Beirat des Regionalbüros Mittelhaardt & Südpfalz der Energieagentur Rheinland-Pfalz hervorgegangen. Neben den Gebietskörperschaften sind in diesem Beirat Akteure aus der Region vertreten, die aktiv die Energiewende vor Ort mitgestalten oder die betroffene Berufsgruppen vertreten. Insgesamt wirken Vertreter von 19 Institutionen bzw. Verbänden in dem Gremium mit. „Die Klimawende vor Ort umsetzen, das ist ein Hauptanliegen unseres Beirats“, sagt Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, Vorsitzender des Beirats. „Das Klimaschutzportal ist genau hierfür ein Instrument. Kommunen und Bürger können einfach online einsehen, wie viel Treibhausgase bei ihnen vor Ort emittiert werden und wo und wie eingespart werden können. Das große Thema Klimaschutz wird damit auf lokale Ebene heruntergebrochen. Nur so wird ein Wandel begreifbar und machbar.“

Informations- und Beteiligungstool für bessere Transparenz und Bürgereinbindung

Über die Darstellung von Daten hinaus soll das Klimaschutzportal als Informations- und Beteiligungstool im kommunalen Klimaschutz als zentrale Plattform im Internet für die Verstetigung der regionalen Klimaschutzaktivitäten genutzt werden. Das Portal liefert auf interaktiven Karten Basisinformationen über Treibhausgasemissionen (THG) nach Sektoren auf Ortsgemeindeebene. THG-Einsparpotenziale durch erneuerbare Energien sowie Energieeffizenz und -einsparungen werden auf Potenzialkarten dargestellt. Aus den Potenzialdaten abgeleitete Szenarien zeigen Handlungsspielräume für den Kreis auf, wie Reduktionsziele im Klimaschutz für die Jahre 2030 und 2050 erreicht werden können.

Das Klimaschutzportal dient der Vernetzung von lokalen Akteuren, daher werden moderne Online-Beteiligungsformate integriert, auf denen gute Beispiele vorgestellt werden, mit der Möglichkeit, sich mit anderen Akteuren über Erfahrungen auszutauschen oder auch eigene Projekte vorzuschlagen. Die lokalen Aktivitäten im kommunalen Klimaschutz sollen so sichtbar gemacht und die bessere Vernetzung angeregt werden, um die Prozesse im Klimaschutz für die nächsten Jahrzehnte durch eine aktive Bürgerbeteiligung zu verstetigen.

Soweit Kommunen schon über eine Maßnahmenplanung aus einem Klimaschutzkonzept verfügen, wird diese auf dem Klimaschutzportal dargestellt. Das Portal wird damit zur zentralen Informationsplattform für die Klimaschutzaktivitäten in der Kommune. Die Daten werden unabhängig und transparent dargestellt und können für Bürgerbeteiligungsverfahren genutzt werden. Mit zusätzlichen Modulen kann eine direkte Bürgerbeteiligung über das Internet integriert werden.

Eine Einbindung des bereits bestehenden Energieatlas Rheinland-Pfalz ist vorgesehen. Der Energieatlas ist ein Online-Portal zur Energiewende im Land, das von der Energieagentur Rheinland-Pfalz betreut wird. Er beinhaltet Daten, Praxisbeispiele und Energiesteckbriefe sowie kommunale Klimaschutzaktivitäten.

Klimaschutzdaten sollen vergleichbarer und damit transparenter werden

Die Schwierigkeit, Klimaschutzdaten unterschiedlicher Kommunen oder Regionen miteinander zu vergleichen und damit verständlicher zu machen, war ein Hauptthema, über das bei den Sitzungen des Energieagentur-Beirats seit Mai 2017 intensiv diskutiert wurde. Damit das Bewusstsein für den Klimawandel und die Möglichkeiten, persönlich etwas zur Reduktion von Treibhausgas- und CO2-Emissionen beitragen zu können, die breite Bevölkerung erreicht, ist eine größere Transparenz von lokalen Situationen notwendig, so die Überzeugung im Beirat.

Unterstützend dazu ist ein weiteres Ziel des von der Energieagentur Rheinland-Pfalz und der Universität Koblenz-Landau geplanten Projektes „Bilanzierung und Klimaschutzportal“ die Einführung einer landesweit einheitlichen Methodik der THG-Bilanzierung nach dem Vorbild einer bundesweit anerkannten Systematik. Diese wird auch in den Pilotkommunen eingesetzt und liefert die Eingangsdaten für das regionale Klimaschutzportal. Geplant ist, im Rahmen der Förderlaufzeit weiteren Kommunen Lizenzen für das Bilanzierungstool und regionale Klimaschutzportale zur Verfügung zu stellen. Die benötigten Mittel werden von der Europäischen Union in Kofinanzierung durch das Land beantragt.

„Daraus erhoffen wir uns einen Anstoß kommunaler Klimaschutzmaßnahmen sowie eine höhere Vergleichbarkeit und Transparenz der Ergebnisse verbunden mit dem regionalen Ansatz der Klimaschutzportale“, so Thomas Pensel, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz. „Im Bilanzierungstool werden die Daten aus dem zentralen Energiewendemonitoring gleich eingebunden, so dass die teils mit hohem zeitlichem und finanziellem Aufwand verbundene Datenbeschaffung für die Kommunen reduziert wird. Das spart Ressourcen für die Umsetzung, die durch bessere Datengüte auch die Aussagekraft der Bilanzen und daraus abgeleiteten Maßnahmen erhöht.“