04.04.2017

"Kommunaler Klimaschutz ist machbar, sichtbar, unvermeidbar."

Jan Boedeker zu Fördermöglichkeiten für kommunalen Klimaschutz

Im Rahmen des Projekts „Zukunftsfähige Energieregion Pfälzerwald“ waren Kommunen eingeladen, sich einen Überblick über Mittel und Wege  hin zu effektivem Klimaschutz zu verschaffen. Anschauliche Beispiele aus der kommunalen Praxis vermittelten, wie in Kommunen viel bewegt werden,  der kommunale Haushalt profitieren kann und Bürger zum Mitmachen motiviert werden können. Darüber hinaus wurden Fördermöglichkeiten und Unterstützungsangebote thematisiert.

In einem energiegeladenen Impulsvortrag machte Bertram Fleck, Landrat a.D. des Rhein-Hunsrück-Kreises, zum Auftakt deutlich, dass werden und Gelder im heimischen Kreislauf verbleiben können. „15 Staaten in Afrika Dürreperioden erleben – wir alle tragen Verantwortung für unser Klima und müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um den Klimawandel aufzuhalten“, ist  Fleck überzeugt. (Initiates file downloadPräsentation Landrat a.D. Bertram Fleck)

Beim Bezug fossiler Energieträger schickt man viel Geld ins Ausland, so Fleck, das man auch hier in Deutschland investieren könne. Als konkretes Umsetzungsbeispiel führte er interkommunale und kommunale Nahwärmeverbünde im Rhein-Hunsrück-Kreis an, die mit Holzhackschnitzeln aus der Region befeuert und teils solarthermisch unterstützt werden.

Zum Ausbau der Photovoltaik legte der Landkreis ein „1.000-Dächer-Programm“ auf. „Unser Ziel war es, 1.000 Haushalte zu motivieren, eine Anlage zu bauen – wir hätten niemals gedacht, dass wir dieses Ziel tatsächlich erreichen“, berichtet Bertram Fleck. „Das Ergebnis waren 4.182 neue PV-Anlagen im Kreis.“

Weiterhin gab Fleck Anregungen dazu, wie kommunale Sanierungsprojekte, z.B. Schulen, für pädagogische Zwecke genutzt werden können um einen „Nachbareffekt“ auszulösen. „Man muss nur damit beginnen, voranzugehen, am Ende profitieren alle davon“, so sein Fazit.

Gute Fördermöglichkeiten für kommunalen Klimaschutz

  • Bund und Länder unterstützen Klimaschutz-Maßnahmen finanziell in vielfach nicht bekanntem Ausmaß.  Jan Maurice Bödeker von der Energieagentur Rheinland-Pfalz gab deshalb einen kompakten Überblick über die bestehenden Fördermöglichkeiten. „Am besten fragen Sie auf jeden Fall bei uns nach, wenn Sie eine Umbaumaßnahme  in Bereich Klimaschutz/Energie planen“, rät Bödeker. Denn: „In einem uns bekannten Fall hat eine Kommune knapp 400.000 Euro investiert und wusste nichts davon, dass die durchgeführte Maßnahme mit bis zu 31 Prozent hätte gefördert werden können.“(Initiates file downloadPräsentation Fördermöglichkeiten)

Stadtwerke Lambrecht: Geschäftsmodell Solarverpachtung

Maßnahmen zum Klimaschutz im Pfälzerwald setzen zum Beispiel die Stadtwerke Lambrecht um. Geschäftsführer Michael Frech erläuterte das Modell zur Eigenstromproduktion auf Pachtbasis, das die Stadtwerke seit Ende 2016 ihren Kunden anbieten. (Initiates file downloadPräsentation Geschäftsmodell Solarverpachtung)

Stadt Pirmasens: Erfahrungen mit der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf moderne Technik

Wie die Stadt Pirmasens bei der Umstellung der Straßenbeleuchtung hin zu mehr Energieeffizienz seit 2005 vorgegangen ist, legte Michael Maas, Baudirektor der Stadt, dar. Um Stromkosten zu sparen, habe die Stadt bereits vor der ersten Förderrichtlinie, die Ende 2010 kam, mit dem Umbau begonnen – damals noch auf Natriumdampflampen, denn die LED-Technik steckte noch in den Kinderschuhen –. „Aufgrund der beträchtlichen Stromeinsparungen war das schon damals sinnvoll“, erinnert er sich. Seit 2010 habe die Stadt 1,6 Millionen Euro in die Erneuerung der Straßenbeleuchtung investiert und dafür mehr als 300.000 Euro Fördergelder erhalten. „Den Stromverbrauch haben wir seit 2010 halbieren können – da der Strompreis aber gestiegen ist, bedeutet das 35 Prozent Einsparung bei den Stromkosten – und das kann unser kommunaler Haushalt gut gebrauchen“, so Maas. (Initiates file downloadPräsentation Stadt Pirmasens)

„Sternenpark“ im Pfälzerwald und holzbasierte Energie

Mit der Verringerung der „Lichtverschmutzung“ und der Umstellung auf effiziente Straßen- und Außenbeleuchtung beschäftigt sich Marcel Schäfer von der Universität gemeinsam mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen indem Projekt „Sternenpark“. Durch den effizienten Einsatz von Beleuchtungstechnik soll der natürliche Nachthimmel wieder erlebbar gemacht werden. An verschiedenen Stellen im Pfälzerwald gebe es aber noch Umrüstungsbedarf: „Die Airbase in Ramstein ist der hellste Punkt Deutschlands, aber auch Kommunen können bei der Reduzierung der Lichtverschmutzung und somit zur Etablierung eines Sternenparks beitragen.“, so Schäfer. (Initiates file downloadPräsentation Sternenpark)

1000-Öfen-Programm des Landes

Lukas Mock vom Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz stellte die Bedeutung der holzbasierten Energiegewinnung für die Energiewende vor. 39 Prozent der erneuerbaren Energie stamme aus Holz, damit sei Holz der Energieträger Nummer Eins bei den erneuerbaren Energien. Das Land lege gerade ein Förderprogramm auf, um die Umrüstung alter Holzöfen anzuschieben. Für die Umrüstung alter Holzöfen auf moderne Technik stellt das Land Rheinland-Pfalz 500.000 Euro bereit. Das Programm wird voraussichtlich Mitte 2017 starten. „Wir haben 600.000 Einzelfeueranlagen im Land – und neue Öfen verbrauchen nur die Hälfte von alten für die gleiche Wärmemenge“, führt er aus. (Initiates file downloadVortrag Mock)