14.12.2017

Fachforum Nichtwohngebäude: Tipps der Oberen Kommunalaufsicht für Herangehensweise bei Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen

Am Beginn der Fachveranstaltung stand eine Auszeichnung für privates Engagement im Sanierungsbereich: Familie Knecht aus Waldsee erhielt die Öffnet internen Link im aktuellen FensterKlimaschutzplakette "H.ausgezeichnet" von der Energieagentur Rheinland-Pfalz, deren Geschäftsführer Thomas Pensel die "H"Auszeichnung gemeinsam mit Landrat Clemens Körner aus dem Rhein-Pfalz-Kreis vornahm. (zum Bericht)

Welche Vorgehensweise bei der Planung von kommunalen Energieeffizienzmaßnahmen sinnvoll ist, damit eine Finanzierung möglich wird – auch bei schlechten Haushaltslagen - war die zentrale Frage, die beim 3. Fachforum Nichtwohngebäude in Ludwigshafen beantwortet wurde.

Denn: Gerade in Zeiten klammer Kassen ist es für Kommunen zunehmend wichtig, ihre Liegenschaften wirtschaftlich zu unterhalten. Dass sich mit Investitionen in Energieeffizienz und Energiemanagement nicht nur CO2-Ausstöße minimieren, sondern auch Kosten auf lange Sicht einsparen lassen, ist belegt.

Kommunalaufsicht bekräftigt: "Kostenersparnis steht über allem"

Download Präsentation Christof Pause

Der Leiter der Oberen Kommunalaufsicht Christof Pause wollte zunächst das für ihn ungewohnte Forum  ("Wir sprechen oft mit Kämmerern und den unteren Kommunalaufsichten, selten mit den Menschen, die Dinge umsetzen.") nutzen, um mit einem Mythos aufzuräumen: Die Kommunalaufsicht habe nicht prinzipiell etwas dagegen, wenn Kommunen investieren. "Die Kostenersparnis ist das, was uns umtreibt", so Pause. "Und dass Energieeffizienz Kosten einspart, habe ich begriffen."

Leider sei die allgemeine finanzielle Lage der Kommunen in Rheinland-Pfalz nicht gut, im Bundesvergleich liege das Land an Platz 2, betrachtet man die kommunale Gesamtverschuldung. Neun der zwölf kreisfreien Städte haben keine ausgeglichenen Kassen, und fünf davon sind unter den "Top Ten" von Deutschlands  höchstverschuldeten Städten. Im Mittelpunkt bei Prüfungen von Maßnahmengenehmigungen stehe immer die Frage, ob Kommunen bei ihrer Einnahmen-/Ausgabenstruktur noch ihre Pflichtaufgaben erfüllen können. Zur Genehmigung investiver Maßnahmen in finanzschwachen Kommunen sei zu allererst die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahme darzulegen. Seien diese Maßnahmen in Gebäuden vorgesehen, die für die Aufgabenerfüllung erforderlich (wie z.B. in Schulen oder Rathäusern) und gleichzeitig wirtschaftlich, werde die Kommunalaufsicht sie unterstützen können. Bei Gebäuden, die für die Aufgabenerfüllung nicht zwingend erforderlich sind (z.B. Museen), werde die Abwägung der Kommunalaufsicht schwieriger, auch wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben sei.

Je früher die Kommunalaufsicht und der Rechnungshof  in die Abstimmung zur Projektierung eingebunden werde, desto besser können deren Belange aufgenommen, die Planungen angepasst und die Finanzierung ermöglicht werden.

 

"Werden mehr und mehr die Frage nach Betrachtung der Lebenszykluskosten stellen"

Im Falle von Bau- und Sanierungsprojekten spielten bisher Lebenszykluskostenbetrachtungen selten eine Rolle. "Eine solche Analyse wurde uns zuletzt erstmals vorgestellt, als wir eine qualifizierte Wirtschaftlichkeitsuntersuchung brauchten. In Germersheim geht es um einen Vergleich, ob ein denkmalgeschütztes kommunales Gebäude saniert und erweitert werden soll, oder ob ein Neubau sinnvoller ist", so Pause. "Wir setzen voraus, dass die Lebenszykluskosten von Baufachleuten geprüft werden, und wir werden mehr und mehr die Frage stellen: «Habt Ihr darauf geachtet?»"

"Lebenszykluskostenanalyse kein Hexenwerk"

Download Präsentation Peter Hildenbrand

Peter Hildenbrand von der Luwoge Consult GmbH hat für die Kreisverwaltung Germersheim die Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen unter Berücksichtigung der Lebenszykluskosten erstellt. "Es gibt sehr gute Tools für die Betrachtung der Kosten, die ein Gebäude, eine haustechnische Anlage oder allgemein ein Produkt über den gesamten Existenzzeitraum hinweg verursacht", so Hildenbrand. "Sie sind zum Beispiel beim Bundesumweltministerium frei verfügbar." (Link zum Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) Ein umfangreicher Planungsprozess unter Einbezug aller Kriterien und Akteure sei der wichtigste Schritt zur guten Umsetzung, so die Referenten.

"Viel Überzeugungsarbeit in Verwaltungen notwendig"

In der Forumsdiskussion wurden jedoch auch grundlegendere Probleme angesprochen: In vielen Kommunen habe sich die Denkweise, dass energieeffizientes Bauen wichtig ist, um auch zukünftig gut aufgestellt zu sein, noch immer nicht durchgesetzt. "Bei der Vielzahl kommunaler Investitionsmöglichkeiten ist die energetische Sanierung immer ziemlich weit hinten", berichtet ein Teilnehmer aus der Praxis. "Von einem Nachdenken über Lebenszykluskosten sind wir weit entfernt", bestätigt die Beigeordnete einer Verbandsgemeinde.

Viel Überzeugungsarbeit in den Verwaltungen sei noch zu leisten, so die einhellige Meinung. Christof Pause von der ADD sagte in diesem Zusammenhang, hier könne das Land leider nicht mehr beitragen, denn die Kommunen in Rheinland-Pfalz seien selbst verantwortlich für ihre Maßnahmen und Investitionen (Selbstverwaltungsgarantie).

Contracting-Möglichkeiten für Kommunen - Kommunales Energiemanagement - Einführung und Umsetzung eines Teilkonzepts eigene Liegenschaften im Landkreis

Der zweite Teil des Fachforums widmete sich Einsparmöglichkeiten von Kommunen durch Contracting, durch systematisches Energiemanagement und durch die systematische Sanierung von Liegenschaften.

Download Präsentation Grundlagen des Contractings Christiane Heimerdinger

Download Präsentation Kommunales Energiemanagement Julian Keiber

Download Präsentation Liegenschaften Rhein-Pfalz-Kreis Elke Bröckel

Download Präsentation Werkstattbericht 100 Energieeffizienzkommunen Mareen Kilduff

Bei vielen Kommunen in Rheinland-Pfalz funktionieren Contracting-Modelle gut. Um Fehler bei Contracting-Verträgen zu vermeiden, die sich langfristig verheerend auswirken können, ist das Hinzuziehen von Energieberatern, die auf eventuelle "Fallstricke" hinweisen können sollten, ratsam.

Aus seiner Erfahrung bei der Erstellung des Sanierungsfahrplans für die VG Jockgrim empfiehlt Energiemanager Julian Keiber, sich vor dem Angehen von konkreten Maßnahmen genau anzuschauen, was überhaupt zu schultern ist. Ein Leitbild auch im Rat verabschieden zu lassen, empfiehlt er aus Erfahrung. "Bei der Diskussion über einzelne Maßnahmen hat es sich schon manchmal als hilfreich erwiesen, dass wir auf einen bereits gefällten Beschluss verweisen konnten", berichtet er.

Verschiedene konkrete Projektumsetzungen innerhalb des Klimaschutzteilkonzepts "Öffentliche Liegenschaften" stellte Elke Bröckel vom gastgebenden Rhein-Pfalz-Kreis vor. Mareen Kilduff, Energieagentur Rheinland-Pfalz, referierte über verschiedene Kommunen aus der Metropolregion Rhein-Neckar, die im Rahmen einer ca. zweijährigen Schulungsreihe ein systematisches Energiemanagement aufbauen.

zur Fotogalerie


Eine Weitergabe oder sonstige Verbreitung der Vorträge an Dritte, in digitaler oder gegenständlicher Form, ist nicht zulässig. Die Urheberrechte liegen bei den Referenten, können jedoch für einzelne Inhalte auch bei Dritten liegen.