17.05.2017

2. Regionalforum "Zukunftsfähige Energieregion Pfälzerwald" setzt Impulse für eine lokale Wärmewende

Umweltstaatssekretär Thomas Griese begrüßt die Teilnehmer des Regionalforums im Dynamikum in Pirmasens

Wie Alternativen zu Öl- und Gasheizungen aussehen könnten, wie Energie sinnvoll eingespart werden kann und welche Ansätze und Angebote dazu möglich sind, beschäftigte beim Regionalforum im Dynamikum Pirmasens rund 70 Vertreter aus Politik, Kommunen, Wirtschaft und Gesellschaft. In vier Foren ging es darum, wie die "Wärmewende" im Pfälzerwald angegangen werden kann und an welchen Hebeln insbesondere Kommunen, aber auch Unternehmen und Bürger sinnvoll ansetzen können.

Neben dem Wandel im Strom- und Verkehrsbereich sei auch und besonders im Wärmebereich viel zu tun, führte Umweltstaatssekretär Thomas Griese ein. Mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent der Brutto-Endenergie, wird als Wärmeenergie verbraucht, und gerade einmal elf Prozent der Wärme werde aus Erneuerbaren Energieträgern hergestellt, während im Strombereich ja bereits ein Drittel der Energie aus regenerativen Energien gewonnen werde. "Ohne eine Wärmewende können wir unsere Klimaschutzziele nicht erreichen", so der Staatssekretär. Rheinland-Pfalz sei stärker vom Klimawandel betroffen als andere Bundesländer, die Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter liege hier bei 1,7°C.

Fachforen zu Energieeffizienz und alternativer Wärmeversorgung

(Download der Vorträge durch Klick auf Namen der Vortragenden)

Welche strategischen Handlungsansätze Kommunen vor Ort zur Verfügung stehen und welche Maßnahmen diese konkret auf den Weg bringen können, um bei der Wärmeerzeugung die fossilen Brennstoffe Öl und Gas als CO2-Emittenten einzusparen bzw. durch Holz und thermische Solaranlagen zu ersetzen, behandelten vier Fachforen. Fachleute aus der Wirtschaft und kommunale Vertreter stellten dezentrale Energiekonzepte als Grundlage für Umsetzungsmaßnahmen vor, referierten über Strategien für Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudebereich, erläuterten Nahwärmeverbünde als alternative Möglichkeiten der Wärmeversorgung und diskutierten über Finanzierungsmodelle, wie etwa Contracting.

Anhand kommunaler Beispiele machte Michael Münch von der Transferstelle Bingen deutlich, dass bei der Erstellung integrierter Energiekonzepte auch neue Ideen entstehen können, die dem Prozess der Umsetzung von Maßnahmen zusätzlichen Schwung verleihen. Zu zeigen, wie Erneuerbare Energien und Naturschutz zusammenpassen, und Klimaschutz-Maßnahmen in Großgebieten zu bündeln, sind Ziele des Projekts ZENAPA, das Tim Zirwes vom IfaS vorstellte. Verschiedene Nahwärmeprojekte und wie sie in der Praxis umgesetzt sind erläuterte Ulrich Schäfer vom Projektierer ibs Energie. "Am Anfang aller Planungen sollte die Ermittlung der Abnahmestruktur stehen", denn nur auf Basis von genauen Jahresabnahmekurven könne das betriebswirtschaftlich sinnvollste Nahwärmenetz geplant werden, so sein Tipp für Kommunen. Wie mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Bau und Betrieb von Nahwärmenetzen zu erreichen sind zeigte Olaf Kruse von der Firma Rehau AG & Co. auf.

Parallel widmeten sich die Teilnehmer anderer Foren zunächst dem kommunalen Gebäude- und Energiemanagement. Wie die Verbandsgemeinde Wörrstadt die systematische Erfassung ihrer Liegenschaften betreibt, stellte Thomas Sippel aus dem Fachbereich Bauen und Umwelt der VG Wörrstadt vor. Wie ein Sanierungsfahrplan zu konkreten Umsetzungen von Maßnahmen in einer Kommune gebracht wurde, erläuterten Timo Jäger von der LUWOGE Consult GmbH und Sebastian Koch von der Pfalzwerke AG. Auf Basis einer ersten systematischen Erfassung der Gebäudedaten und –verbräuche wurde ein konkreter Maßnahmenplan für die energetische Sanierung von insgesamt vier Liegenschaften erstellt. Als erfreulich für die Auftraggeber-Kommune erwies sich dabei die Inanspruchnahme von staatlichen Fördermitteln in Höhe von 80% der Kosten, so dass der Eigenanteil für dieses Gutachten für die Kommune sehr gering blieb.

Dass Contracting ein interessantes Geschäftsmodell für Kommunen ist, erläuterte Dr. Klaus Kessler von der Kliba gGmbH. Im Zuge der Initiative „Zukunftsfähige Energieregion Pfälzerwald“ könn das Kontingent an Beratungsstellen der Verbraucherzentrale-Energieberatung für Bürger vor Ort bei den Kommunen durchaus erweitert werden, berichtete Initiates file downloadHans Weinreuther von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Der geplante Arbeitskreis "Wärme Pfälzerwald" wird sich daher gezielt mit aktuellen fachspezifischen Fragestellungen auseinandersetzen, um die Akteure im Pfälzerwald bei Projekten zu unterstützen. Der Arbeitskreis wird Fachthemen aufgreifen, die von den Teilnehmern der Foren identifiziert wurden, beispielsweise Klimaschutz in der Bauleitplanung, aktuelle Fördermöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen, Aktivierungsmaßnahmen der Bevölkerung für energetische Sanierungsmaßnahmen,  interkommunale Zusammenarbeit im Energiebereich oder Integration von Power-to-Gas in Nahwärmenetze.

 

Terminhinweis:

In Neuerkirch (Rhein-Hunsrück-Kreis) besteht am 8. Juni 2017 erneut die Möglichkeit, die Themen Nahwärme und Energieinfrastruktur mit Experten näher zu beleuchten und das Nahwärmenetz Neuerkirch-Külz mit großflächiger Solarthermieanlage zu besichtigen. Nähere Informationen zum Workshop Opens external link in new windowEnergieinfrastruktur – Thema Nahwärme.