Nachgefragt bei: Ralf Hellrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz

„Das Handwerk – offizieller Ausrüster der Energiewende“ – dieses Motto beschreibt die wichtige Rolle des Handwerks bei der Umsetzung der Energiewende. Was bedeutet das ganz konkret?

Ralf Hellrich (RH): Die Energiewende bedeutet Reduktion von Treibhausgasen durch Abkehr von fossilen Brennstoffen und durch Erhöhung der Energieeffizienz. In der Fläche wird dies durch den Einsatz von Photovoltaikanlagen, Wärmedämmung von Gebäuden und die Installation energieeffizienter Heizungsanlagen kleinteilig realisiert. Das Handwerk setzt die Energiewende vor Ort um.

Man liest allerdings immer wieder von Personalmangel und rückläufigen Ausbildungszahlen im Handwerk. Gefährdet der Fachkräftemangel im Handwerk die Energiewende und wenn ja, wie kann man dagegen angehen?

RH: Das Handwerk kämpft gegen zwei Probleme an: Einerseits sinkt die Geburtenrate; die Anzahl der Jugendlichen, die ins Arbeitsleben eintreten werden, nimmt kontinuierlich ab. Andererseits steigt die Zahl der Abiturienten und Studenten stark an, der Anteil der Jugendlichen, die in eine duale Ausbildung einsteigen, reduziert sich damit besonders. In unserer aktuellen Imagekampagne werden die Bedeutung des Handwerks und die damit einhergehenden Chancen für die berufliche Entwicklung überzeugend dargestellt. Auch für Studienabbrecher zeigt das Handwerk mit dem Slogan „Meister statt Master“ attraktive Wege ins Handwerk auf.

Welche gemeinsamen Projekte haben Handwerkskammer und Energieagentur Rheinland-Pfalz bereits realisiert und welche sind in Planung?

RH: Unsere Energiemesse feiert 2015 ihr zehnjähriges Bestehen. Aus der ersten Ausstellung „Heizen mit Holzpellets“ mit 14 Ausstellern im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Kaiserslautern ist inzwischen, auch mit Unterstützung der Energieagentur Rheinland-Pfalz, die Messe „Zukunftsenergie“ mit mehr als 50 Ausstellern geworden.

Im Rahmen des Energiekongresses 2013 diskutierten wir Möglichkeiten und Voraussetzungen, um die Energiewende in der Wirtschaft erfolgreich zu gestalten und die sich daraus neu ergebenden Chancen zu nutzen.

Für den Herbst ist eine Veranstaltung zur Eigenstromerzeugung für Handwerksunternehmen in der Planung. Der Einsatz von PV-Anlagen oder KWK-Anlagen und der Selbstverbrauch des erzeugten Stromes können zu einer wesentlichen Kostenreduktion führen. Natürlich werden wir uns auch wieder an der Aktionswoche „Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Energie“ im September dieses Jahres beteiligen.

Wie können Handwerk und Energieagentur gemeinsam die Energiewende voranbringen?

RH: Die Aktionen der Energieagentur zur Sensibilisierung und Information der Verbraucher sowie die Umsetzung der Maßnahmen durch das Handwerk werden die Energiewende voranbringen. Die Politik muss zusätzlich die richtigen Rahmenbedingungen für den Endverbraucher schaffen, dazu gehört zum Beispiel auch die steuerliche Abschreibungsmöglichkeit von energetischen Sanierungen.

Steigende Energiekosten betreffen auch Handwerksbetriebe. Was können Handwerksbetriebe konkret machen, um im eigenen Betrieb den Energieverbrauch zu optimieren oder Energie einzusparen?

RH: Der erste Einstieg in die Optimierung des Energieverbrauchs im eigenen Betrieb beginnt mit dem Abarbeiten von gewerksspezifischen Checklisten. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert Initial- und Detailberatungen zu attraktiven Konditionen, es besteht zusätzlich die Möglichkeit einer EffCheck-PIUS-Analyse für rheinland-pfälzische Unternehmen.

Welche Produkte oder Dienstleistungen des Handwerks wurden in der letzten Zeit mit Blick auf das energetische Bauen und Sanieren am häufigsten nachgefragt? Welche Trends können Sie erkennen?

RH: Eine energetische Sanierung muss zum Objekt passen, die Investition muss sich für das Objekt und den Bauherren rechnen. Eine individuelle Beratung, beispielsweise durch einen Gebäudeenergieberater des Handwerks, fördert eine ganzheitliche Betrachtung und die daraus resultierende Umsetzung zielführender Maßnahmen. Gebäude, Effizienzgewinn durch die gewählten Maßnahmen und Budget des Bauherren müssen zueinander passen.

Angenommen, Sie hätten 25.000 Euro für Energiesparmaßnahmen an Ihrem eigenen Haus zur freien Verfügung. Was würden Sie als erstes von einem Handwerker machen lassen?

RH: Die einfachste und effizienteste Lösung ist der Austausch der Heizung. In Deutschland sind nur ein Fünftel aller Heizungsanlagen jünger als zehn Jahre und damit aktueller Stand der Technik – das Einsparpotenzial beim Tausch alter Heizungsanlagen ist damit am größten. In der novellierten EnEV ist deshalb auch der Austausch alter Heizungsanlagen Vorschrift geworden.

Ein Brennwertkessel in Verbindung mit Solarthermie kann 30 Prozent der Energiekosten einsparen. Die 25.000 Euro sind somit gut angelegt, bringen eine bessere Rendite als jede andere Geldanlage und tragen zusätzlich zum Werterhalt der Immobilie bei. Durch die KfW-Förderung sind die 25.000 Euro schon fast überdimensioniert; es könnte je nach Heizungssystem auch noch Luft für weitere Maßnahmen vorhanden sein.

 

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