Thema: Verpflichtende Energieaudits

Nachgefragt bei: Frank Hallfell, Geschäftsführer der enbiz GmbH, Kaiserslautern

Foto: enbiz GmbH

Energieagentur Rheinland-Pfalz: Rund 700  Unternehmen allein in Rheinland-Pfalz müssen bis Ende 2015 erstmals ein Energieaudit durchführen. Was ist die wesentliche Neuerung an der Verpflichtung zu regelmäßigen Energieaudits und welche Unternehmen sind davon betroffen?

Frank Hallfell: Das novellierte Energiedienstleistungsgesetz verpflichtet erstmals alle Organisationen, die am Geschäftsleben teilnehmen, zur Durchführung von regelmäßigen Energieaudits. Dies gilt unabhängig von der Branche oder von einer Gewinnerzielungsabsicht. Ausnahmen gelten nur für Kleine und Mittlere Unternehmen (entsprechend der EU-Definition) oder Unternehmen mit gültigem zertifiziertem Energiemanagementsystem und validierten Umweltmanagementsystem nach EMAS (nicht aber ISO 14001).

Die Frist zur Durchführung bis Ende 2015 scheint auf den ersten Blick ziemlich eng bemessen. Was sollten Unternehmen, die von der Auditpflicht betroffen sind, jetzt tun?

Die Unternehmen sollten im ersten Schritt einen Verantwortlichen für die Energieaudits festlegen und dann entscheiden, ob das Audit durch eigene Mitarbeiter oder mit externer Unterstützung durchgeführt wird. Dann sollte das Audit in Form eines Projekts mit klarer Zielsetzung und Aufgabenstellung geplant und durchgeführt werden.

Mit welchem Zeitaufwand sollte ein Unternehmen beim ersten Energieaudit rechnen und welche Konsequenzen sind beim Nichtbeachten von Fristen zu erwarten?

Leider kann ich keine pauschale und für alle Organisationen richtige Zeit- und Aufwandskalkulation abgeben. Dies kann jedoch in einem ersten Vorgespräch gut abgeschätzt werden und ist insbesondere von der Größe der Organisation, der Anzahl und Art der Energieverbraucher und von gegebenenfalls schon vorhandenen Vorarbeiten abhängig. Für die Planung und Organisation des Audits, Berichterstellung sowie Berichterstattung sind etwa zwei Arbeitstage erforderlich. Der größte Aufwand besteht in der Erfassung und Bewertung aller Energieverbraucher sowie in der Konzeption von Verbesserungsmaßnahmen. Wenn ein Unternehmen zum Stichtag 05.12.2015 kein Energieaudit abgeschlossen hat, besteht eine Ordnungswidrigkeit, die auch nachträglich festgestellt werden kann. Die Ordnungswidrigkeit kann mit max. 50.000 Euro Geldbuße geahndet werden. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist mit der Durchführung von Stichproben beauftragt und wird bei Verstößen Geldbußen verhängen. Der Stichtag für den Abschluss der  Einführung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems (EMAS oder ISO 50001) ist der 31.12.2016. Zum Stichtag müssen wesentliche Schritte zur Einführung eines Systems bereits durchgeführt sein und auch nachgewiesen werden.

Anders als eine ISO Zertifizierung kann ein Unternehmen das Ergebnis eines Energieaudits nicht unmittelbar als Qualitätsnachweis für seine internen Prozesse verwenden. Worin bestehen die eigentlichen Ziele für die Durchführung von Energieaudits?

Energieaudits sollen Maßnahmen zur Einsparung von Energie initiieren. Daraus folgen eine Verbesserung des Klimaschutzes und letztlich die Einsparung von Kosten. Mit dem Audit wird der Geschäftsleitung transparent aufgezeigt, welche Energiekosten ihre Organisation hat, wo im Einzelnen Energie verbraucht wird und mit welchen Maßnahmen Energieeinsparungen realisiert werden können. Auf Basis der technischen und kaufmännischen Bewertung kann dann die Geschäftsleitung schrittweise Maßnahmen zur Energieeinsparung beschließen und umsetzen.

Wo kann ein Unternehmen einen qualifizierten Auditor finden, und welche Qualifikationen sollte er nachweisen können?

Das Energiedienstleistungsgesetz regelt im Detail die Anforderungen an die Qualifikation der Auditoren hinsichtlich Ausbildung und Berufserfahrung in der Energieberatung. Diese Anforderungen gelten sowohl für unternehmensinterne Auditoren als auch für Energieberater und sind auf Anfrage der BAFA durch die Organisation nachzuweisen. Die BAFA stellt auf Ihrer Internetseite den Organisationen eine Liste von Energieberatern zur Verfügung, die diese Anforderungen erfüllen.

Der Bedarf an qualifizierten Auditoren ist aufgrund des Handlungsdrucks für Unternehmen derzeit sehr groß. Können auch unternehmensinterne Personen ein Energieaudit durchführen?

Dies sieht das Energiedienstleistungsgesetz explizit vor. Hierbei ist zu beachten, dass einerseits die Anforderungen hinsichtlich der Qualifikation erfüllt werden und andererseits die auditierende Person unabhängig vom zu auditierenden Bereich sowie direkt der Geschäftsleitung unterstellt ist. Darüber hinaus ist es möglich, dass interne Mitarbeiter Vorarbeiten für den externen Energieauditor zur Verfügung stellen.

Was halten Sie einem Unternehmer entgegen, der ein Energieaudit für Zeit- und Ressourcenverschwendung hält?

Um es deutlich zu sagen: Eine Energie-und Ressourcenverschwendung tritt erfahrungsgemäß dann auf, wenn man sich nicht systematisch und regelmäßig mit dem Energieverbrauch des eigenen Unternehmens beschäftigt. Im Rahmen von regelmäßigen Energieaudits werden sinnvolle und schnell amortisierbare Energieeinsparmaßnahmen ermittelt, deren Umfang den Aufwand für die Durchführung der Audits weit übersteigen.

 

Hinweis der Redaktion

Am 2. Juni 2015 referiert Frank Hallfell bei einer Informationsveranstaltung der IHK für die Pfalz in Ludwigshafen über die Einführung und Umsetzung eines Energieaudits.

Weiterführende Informationen zum Thema: Faktenpapier der Energieagentur Rheinland-Pfalz zu regelmäßigen Energieaudits ab 2015.

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