Nachgefragt bei...

Dr. Fabian Theis

Dr. Fabian Theis, Theis GbR in Bad Marienberg. Er hat fünf Mehrfamilienhäuser aus dem Jahr 1965 nach Effizienzhaus 85-Standard saniert.

Wenn es nach Vertretern der deutschen Bau- und Wohnungsbranche geht, soll die für 2016 geplante Fortschreibung der Energieeinsparverordnung (EnEV) für fünf Jahre ausgesetzt werden. Umweltverbände und Klimaschützer widersprechen dieser Forderung vehement. Die neue EnEV sieht unter anderem einen um 25 Prozent niedrigeren Primärenergiebedarf im Neubaubereich vor. Dabei ist klimaschonendes Bauen und Sanieren eine Investition in die Zukunft. Ohne verbesserte energetische Standards sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Bei Sanierungszyklen von mehreren Jahrzehnten ist es umso wichtiger, bereits heute beim Bauen und Sanieren nicht nur bestehende Energiestandards einzuhalten, sondern nach Möglichkeit die langfristige Nachhaltigkeit entsprechender Maßnahmen im Blick zu haben.

 

Energieagentur: Sie haben fünf Mehrfamilienhäuser energieeffizient saniert. Der Jahres-Primärenergiebedarf der Gebäude liegt 85 % unter dem zulässigen Höchstwert. Sie haben die gesetzlichen Standards damit weit übertroffen. Was waren Ihre Gründe für eine solche ambitionierte Sanierung?

Dr. Fabian Theis: Neben einer städtebaulichen Aufwertung des gesamten Viertels sollten die Langlebigkeit und Attraktivität der Mietimmobilie und damit einhergehend eine hohe Mieterzufriedenheit im Fokus stehen. Nur durch energetische Aufwertung schafft man eine Attraktivitätssteigerung und damit eine langfristige und zukunftsorientierte Mietimmobilie.

Gesparte Investitionskosten bedeuten später oft höhere Betriebskosten: Diese übernehmen aber mehrheitlich die Mieter. Lohnt sich denn für den Besitzer von Mehrfamilienhäusern eine so grundlegende energetische Sanierung?

Mittel- oder kurzfristig betrachtet und unter reinen Aspekten der Amortisationszeit ist eine energetische Sanierung heute immer noch ein „finanzielles Wagnis“. Indem man Vorbilder und Leuchtturmprojekte schafft, bieten Sie jedoch auch viele Vorteile, um zukünftig ein entsprechendes Mietklientel zu finden und gegenüber „älteren und nicht sanierten“ Gebäuden im Gebäudebestand häufiger nachgefragt zu werden. Daher sind wir der Überzeugung, dass es sich langfristig betrachtet auf jeden Fall lohnt. Insbesondere die Förderinstrumente von Bund und Ländern schaffen hier gute Rahmenbedingungen. Die gleiche Frage könnte man ebenfalls aufs Automobil münzen: Lohnen sich Elektroautos? Ich denke, hier fällt die Antwort ähnlich aus.

Und wie sieht es für die Mieter aus: Wie wirkt sich die Sanierung für sie finanziell und bezüglich des Wohnkomforts aus?

Der Wohnkomfort wurde deutlich gesteigert und viele Mieter freuen sich über die neue Wohnanlage. Das ganze natürlich bei moderat gestiegenen und dennoch erschwinglichen Mieten, die sich immer noch am ortsüblichen (ländlichen) Niveau orientieren.

 

Zum Faktenpapier Energieeffiziente Neubauten - Grundlagen

Zum Faktenpapier Energieeffiziente Neubauten - Beispiele

Forum für Wohnungseigentümergemeinschaften

Ansprechpartnerin bei Fragen rund um die Sanierung und den Neubau energieeffizienter Gebäude: Christina Lang, Referentin Gebäudeenergieeffizienz, Tel. 0631 – 20575-714, E-Mail: christina.lang(at)energieagentur.rlp(dot)de

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