Nachgefragt bei: Christina Kaltenegger, Geschäftsführerin der Energieagentur Rheinland-Pfalz

Die Geschäftsführerin der Energieagentur Rheinland-Pfalz, Christina Kaltenegger, über Ziele der Energieagentur, Kritik und Kreativität.

Frau Kaltenegger, welche Ziele verfolgen Sie als Geschäftsführerin der Energieagentur Rheinland-Pfalz?

Christina Kaltenegger (CK): Die Erfahrung aus vielen Großprojekten zeigt, dass sie neben fachlichen, organisatorischen und finanziellen Ressourcen vor allem auch Akzeptanz brauchen und „Kümmerer“, die Informationen zur Verfügung stellen, Kontakte herstellen oder in einer schwierigen Phase moderierend zur Seite stehen und über Hürden hinweg helfen. Wir sind sicher, dass alles das auch Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende sind. Die Energieagentur wird für die vielen engagierten Akteure im Land die bestmögliche Unterstützung liefern, die sie brauchen, um die Energiewende mit ihrem Projekt ganz konkret umzusetzen. Mein persönliches Ziel ist, mit den Energiewende-Akteuren in den Kommunen, den Unternehmen, der Wissenschaft, den Kammern, in der Bürgerschaft und in Initiativen zusammen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute, belastbare, vertrauensvolle Gesprächskultur aufzubauen. Dabei meine ich ausdrücklich alle, die schon engagiert die Energiewende umsetzen, aber auch jene, die noch zögerlich sind oder Bedenken haben. Denn Gesprächsbereitschaft brauchen wir auf allen Seiten, um so ein gewaltiges Projekt erfolgreich zu meistern. Natürlich habe ich auch fest im Blick, dass wir mit der Energieagentur – gerade weil sie vom Land gefördert wird – unsere Leistungen und Erfolge auch nachvollziehbar vermitteln müssen. Ich schaue jedenfalls zuversichtlich in dieses Jahr, weil ich sicher bin, dass wir gerade mit unseren neuen Regionalbüros noch besser die vielen Energiewende-Projekte vor Ort unterstützen können.

Welche Aufgaben hat die Energieagentur Rheinland-Pfalz?

CK: Die Energieagentur bearbeitet vier große Aufgabenbereiche. Sie vernetzt und moderiert, führt also Akteure und die vielfältigen Bereiche der Energiewende zusammen. Das zweite Aufgabenfeld ist die individuelle fachliche Unterstützung. Wir beantworten Anfragen von Bürgern, Kommunen oder Unternehmen. Beispielsweise informieren wir über Förderprogramme oder verweisen auf weiterführende Unterstützungsangebote der Verbraucherzentrale oder von Energieberatern. Außerdem bauen wir gerade ein systematisches Energiewende-Monitoring auf. Damit werden wir zeigen können, wie weit wir in Rheinland-Pfalz mit der Energiewende in den einzelnen Bereichen sind. Die Öffentlichkeitsarbeit ist die vierte Säule: Wir zeigen beispielsweise im Rahmen unserer jährlichen Aktionswoche „Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Energie“, wie engagiert Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Schulen, Initiativen oder Unternehmen die Energiewende im Land schon längst umsetzen – weil sie überzeugt sind, dass sie davon einen Nutzen haben und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

In der letzten Zeit gab es häufiger Kritik an der Energieagentur. Sie sei zu teuer und schaffe Doppelstrukturen…

CK: Zunächst ist es mir wichtig zu betonen, dass ich konstruktive Kritik – egal aus welcher Richtung sie kommt –, grundsätzlich ernst nehme. Ich bin überzeugt davon, dass das sachliche Gespräch gerade über Punkte, in denen man vielleicht unterschiedlicher Auffassung ist oder wo Missverständnisse im Raum stehen, immer sinnvoll und hilfreich ist. Wir sind jedenfalls zum Gespräch bereit. Die Kritik, die Sie ansprechen, kann ich in der geäußerten Form und ihrem Inhalt nach nicht nachvollziehen. Die Energieagentur baut an keiner Stelle Doppelstrukturen auf. Im Gegenteil, sie setzt sozusagen „auf Lücke“. Da, wo Informationen fehlen oder nicht klar ist, wo man sie bekommt, kann die Energieagentur weiterhelfen. Es ist gut, dass es in Rheinland-Pfalz ein so breites, ausdifferenziertes Beratungsangebot gibt – von Energieberatern über Stadtwerke hin zu Verbraucherzentralen und viele mehr. Sie alle haben in der Regel eine sehr spezifische Zielgruppe mit individuellen Anliegen. Die Energieagentur ist die zentrale Anlaufstelle für eine sehr gute Erstinformation über viele Themen der Energiewende – und verweist für detaillierte, individuelle Beratungen an die entsprechenden Stellen. Wir sind froh, dass wir zum Beispiel mit der Verbraucherzentrale eine Kooperationsvereinbarung haben, die das Beratungsangebot für Bürgerinnen und Bürger transparent regelt. Und wenn wir sehen, dass es zu einzelnen Themen noch an Informationsangeboten fehlt, entwickeln wir entsprechende Formate, häufig in Kooperation mit Kammern, Branchenverbänden oder wissenschaftlichen Einrichtungen. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel Fachtagungen zur Energieeffizienz in Hotels und Gaststätten angeboten, zur Energieeffizienz in Schwimmbädern oder auch Nutzerschulungen in Vereinen, Kirchen und Schulen. Doppelstrukturen vermeiden wir also nicht nur bei unserer eigenen Arbeit. Wir können auch an anderen Stellen helfen, dass Doppelstrukturen erst gar nicht entstehen, weil wir mit den Energiewende-Akteuren im ganzen Land im Gespräch sind und sie gegebenenfalls zusammenbringen können. So erkennt man frühzeitig, wenn ein Akteur eine ähnliche Idee hat wie man selbst – und kann sie beispielsweise gemeinsam weiterverfolgen.

Im Übrigen ist die Investition in die Energieagentur sinnvoll, weil sie dabei unterstützt, dass viele Energiewende-Projekte im Land aus der Schublade geholt und umgesetzt werden können. Und genau damit entsteht häufig wieder an vielen Stellen regionale Wertschöpfung, die den Kommunen oder den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommt.

Wenn Sie nach vorne schauen: Welche Highlights stehen im Kalender der Energieagentur für dieses Jahr?

CK: Auf diese Frage kann ich bei der Vielfalt der Veranstaltungen rund um die Energiewende gar nicht konkret antworten. Persönlich freue ich mich besonders auf die landesweite Aktionswoche „Rheinland-Pfalz: Ein Land voller Energie“, die in diesem Jahr am 20. September startet. Ich finde es unheimlich motivierend zu erleben, wie engagiert in Rheinland-Pfalz die Energiewende oft auch in kleinen Projekten mit viel Herzblut umgesetzt wird. Ich bin aber auch gespannt auf die vielen neuen Impulse und die Diskussionen, die sich aus unseren Fachnetzwerken oder auf den vielfältigen Fachveranstaltungen ergeben werden. Wir arbeiten eng mit vielen Experten aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen und lernen so ständig mehr über die Chancen und Herausforderungen des vielschichtigen Themas Energiewende.

Ihr Hobby ist das Malen. Wieviel Kreativität erfordert – oder erlaubt – der Job in der Energieagentur Rheinland-Pfalz?

CK: Stimmt, ich male sehr gerne, komme aber leider inzwischen viel zu selten dazu. Aber Kreativität ist ja nicht nur im Umgang mit Pinsel und Farbe hilfreich. Wir verstehen in der Energieagentur die Energiewende nicht als Projekt, das allein zum Beispiel technologisch zu lösen wäre. Gerade hier geht es doch darum, dass man Experten aus verschiedenen Disziplinen und Kontexten zusammenbringt und jeder die Fähigkeit mitbringt, über enge fachliche Grenzen hinweg gute Lösungen zu erarbeiten, um das Projekt ganzheitlich voranzubringen. Das hat für mich viel mit Kreativität zu tun. Dass es dazu auch Expertise und viele Fachkompetenzen braucht, ist selbstverständlich. In der Energieagentur sind wir in dieser Hinsicht übrigens gut aufgestellt, mit einem interdisziplinären Team, das den vielen Themen und Zielgruppen gerecht wird, die wir zusammenbringen möchten.

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