Nachgefragt bei: Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, spricht über Energieberatung, den neuen Online-Energiecheck der Verbraucherzentrale und einen Besuch bei Jürgen Klopp…

Im Januar haben die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und die Energieagentur Rheinland-Pfalz eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Warum ist das gut und wer profitiert davon?

Hans Weinreuter (HW): Die Gestaltung der Energiewende ist eine der größten politischen Herausforderungen auch auf Landesebene. Dabei spielen die privaten Haushalte eine wichtige Rolle als Zielgruppe neben den Unternehmen und den öffentlichen Einrichtungen. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. und die Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, um die Schnittstellen ihrer Tätigkeitsbereiche zu definieren und die zukünftige Zusammenarbeit im Hinblick auf die Zielgruppe der Privathaushalte festzulegen. Damit sollen die Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher verbessert sowie Doppelstrukturen und Doppelförderung vermieden werden. Die Bürger müssen einfach wissen, wo sie bei welchen Fragen in Sachen Energie Beratung und Informationen bekommen können. Beide Organisationen können davon profitieren, weil sich die Zahl der Ansprechpartner für die Bürger erhöht und man dann gezielt auf die unterschiedlichen Angebote verweisen kann. Die Verbraucherzentrale erhofft sich dabei eine Steigerung der Nachfrage nach ihren Beratungsangeboten.

Welche Rolle spielt die Verbraucherzentrale beim Thema Energiewende?

HW: Die Verbraucherzentrale teilt die Ziele der Energiewende ausdrücklich. Sie ist für die Bürgerinnen und Bürger der erste Ansprechpartner, wenn es um technische und auch rechtliche Fragen der Energieeinsparung, Energieversorgung und Nutzung der Erneuerbaren Energien geht. Sie agiert anbieterunabhängig und stellt das Interesse der Verbraucher in den Mittelpunkt ihrer Beratung. Darüber hinaus formuliert und vertritt sie die Interessen der Privathaushalte bei der öffentlichen Diskussion zur Ausgestaltung der Energiewende. Dies ist notwendig, da die privaten Verbraucher einen Großteil der Finanzierung der Energiewende zu tragen haben. Daher fordern wir auch, dass die Energiewende kosteneffizient gestaltet wird und die Kosten gerecht verteilt werden. Nur so schafft man Akzeptanz für die Energiewende.

Gibt es in Rheinland-Pfalz für Informationen und Beratung zur Energiewende neben der Verbraucherzentrale einen Platz für die Energieagentur?

HW: Ja, den gibt es, weil die Verbraucherzentrale sich aufgrund ihrer Satzung „nur“ um die Privathaushalte kümmert. Diese spielen zwar eine bedeutsame Rolle, aber kleine und mittlere Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind ebenfalls wichtige Akteure bei der Energiewende. Auch bei diesen beiden Zielgruppen geht es darum, Potenziale zu wecken und durch Kommunikation und Vernetzung alle ein Stück voran zu bringen auf dem langen Weg der Energiewende. Hier kann die Energieagentur zum Beispiel durch Aufzeigen von Best-Practice-Beispielen und durch Moderation eines regelmäßigen Erfahrungsaustauschs dafür sorgen, dass sich der Kenntnisstand der Akteure verbessert. Und wenn es die Energieagentur darüber hinaus schafft, die Bürger zu motivieren, sich umfassend beraten zu lassen – z. B. bei der Verbraucherzentrale – dann haben doch alle etwas davon.

Seit kurzem bietet die Verbraucherzentrale im Internet einen Energiesparcheck zum Selbermachen an. Das hört sich wirklich ganz einfach an! Was hat Sie auf diese Idee gebracht?

HW: Wir erleben immer wieder auch in unserer Beratung, dass Verbraucher nicht wissen, wie viel Strom oder Heizenergie sie verbrauchen, und ob das jetzt viel oder wenig ist. Dabei ist diese Bewertung der Verbrauchsdaten der erste Schritt, um abzuschätzen wie groß die Einsparpotenziale in den einzelnen Bereichen sind. Dies ist auch häufig der erste Punkt, über den in unserer persönlichen Energieberatung gesprochen wird. Mit unserem Online-Energiecheck zum Selbermachen geben wir den Verbrauchern eine einfache Möglichkeit, diese Bewertung selbst vorzunehmen. Sie müssen nur ein paar Daten eingeben und erhalten direkt eine Bewertung ihres Verbrauchs. Wenn sich dann größere Einsparpotenziale herausstellen, kann der nächste Schritt der Besuch unserer persönlichen Energieberatung sein, die wir dank der Förderung von Bund und Land kostenlos in über 60 Orten in Rheinland-Pfalz nach telefonischer Terminvereinbarung anbieten.

Die Verbraucherzentrale bietet an über 60 Standorten in ganz Rheinland-Pfalz persönliche Energieberatungen an. Welches sind die drängendsten Themen oder Fragen, mit denen die Besucher zur Energieberatung kommen?

HW: Wir führen seit Jahren eine recht genaue Statistik über unsere Beratungsleistungen. Daher wissen wir, dass die beiden Themenblöcke Wärmedämmung und Heizungstechnik inklusive Warmwasserbereitung zusammen fast 60 Prozent der Beratungsanfragen abdecken. Erneuerbare Energien nehmen einen Anteil von etwa 20 Prozent ein. Hinzukommen Fragen zu Förderprogrammen, zum Stromsparen sowie zum Nutzerverhalten und zu Eigenleistungen. Über 70 Prozent der Verbraucher, die zu uns kommen, sind Besitzer von Bestandsimmobilien, die an ihrem Haus etwas umsetzen wollen. Das ist gut so, denn hier gilt es, die großen vorhandenen Potenziale auszuschöpfen.

Die Medien berichten immer wieder über vermeintlichen Gefahren beim Dämmen. Ist Ihrer Meinung nach da was dran?

HW: Bei den allermeisten Punkten, die insbesondere im Fernsehen bei diesem Thema angesprochen werden, handelt es sich um Halbwahrheiten oder falsche Schlüsse aufgrund nicht sorgfältig zu Ende recherchierter bauphysikalischer Zusammenhänge. Man lässt sich hier nach meiner Meinung zu sehr von den wenigen Wärmedämmgegnern beeinflussen, die vor allem im Internet Stimmung gegen das Thema machen. Natürlich gehört es zur Aufgabe eines Journalisten, den Trend zum Energiesparen – wie alle Trends – noch mal auf den Prüfstand zu stellen. Was ich dabei häufig vermisse ist, dass man noch nicht mal den Versuch macht, beide Seiten anzuhören.

Daher nochmals in aller Kürze:

  • Wärmedämmung führt nicht zu mehr Schimmel, sondern bewahrt uns davor.
  • Wände können nicht atmen – egal ob sie gedämmt sind oder nicht.
  • Eine Gebäudehülle muss luftdicht sein, um Schäden in der Hülle zu verhindern und die Energieverluste zu verringern.
  • Wärmedämmung wirkt messbar und nachweisbar.
  • Wärmedämmung rechnet sich nicht immer, aber oft.
  • Algen sind ein Thema – aber nicht nur auf gedämmten Wänden, sondern auch auf ungedämmten und auf Dachflächen.
  • Wärmedämmung erhöht nicht das Brandrisiko.

Was muss man tun, um von Jürgen Klopp nach Hause eingeladen zu werden?

HW: Das dürfte inzwischen ziemlich unmöglich sein, bei seinem Bekanntheitsgrad. Mir ist es 2007 gelungen, in seinem letzten Jahr als Trainer bei Mainz 05. Ich hatte mitbekommen, dass er sich kurz zuvor ein altes Haus in einem Mainzer Vorort gekauft hatte und dachte mir: eine PR-Aktion mit ihm wäre doch eine schöne Sache. Ich schrieb ihm einfach eine E-Mail und fragte ihn, ob er Lust auf eine öffentliche Energieberatung hätte. Ich erklärte ihm, dass unser Angebot damit noch mal eine andere Aufmerksamkeit bekäme und dass er vielleicht mit seinem Haus auch etwas profitieren könne. Allerdings war mein Optimismus, dass es klappen könnte, nicht wirklich groß – aber fragen kann man ja immer. Er hat tatsächlich geantwortet und sich auf das Spiel eingelassen. Ich habe mir bei ihm einen Eindruck von seinem Haus verschafft und dann haben wir in unserer Beratungsstelle eine öffentliche Energieberatung unter Anwesenheit von rund 20 Journalisten durchgeführt. Das hat sehr viel Spaß gemacht und für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Er ist auch im privaten Umgang einfach ein klasse Typ.

 

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