Nachgefragt bei: Thomas Pensel, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz

Der Aufsichtsrat der Energieagentur Rheinland-Pfalz hat den bisherigen Koordinator Klimaschutz des Umweltamtes Mainz, Thomas Pensel, zum neuen Geschäftsführer der Energieagentur bestellt. Am 2. Februar ist sein erster Arbeitstag in Kaiserslautern. Im Interview spricht Thomas Pensel über sein Pläne für die ersten Wochen als Geschäftsführer, darüber, wie er Zuhause die Energiewende umsetzt und über eine Frage, die er noch nicht gestellt bekommen hat.

Herr Pensel, durch Ihre bisherige Tätigkeit als Koordinator für Klimaschutz der Stadt Mainz sind Sie bestens vertraut mit den Themen der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Was wird in der neuen Funktion als Geschäftsführer neu für Sie sein? Was bleibt?

In der Tat, die Themen der Energieagentur entsprechen in weiten Bereichen denen, mit denen ich bei der Stadt Mainz beschäftigt war. Allerdings habe ich bislang vor allem im städtischen Kontext gearbeitet. In der Energieagentur kann und will ich nicht nur bei viel mehr Themen Impulse geben, sondern auch überregional arbeiten. Dabei gilt es, die Vielfalt des Landes im Auge zu behalten: von den städtischen Regionen bis in die ländlichen Räume mit sehr unterschiedlichen Möglichkeiten, Maßnahmen zur Energiewende zu ergreifen. Die Energieagentur kann mit ihrer Präsenz in allen Regionen des Landes eine viel größere Sichtbarkeit und Wirkung für die Themen entfalten. Ich betrachte das als Chance – und sehe natürlich auch, dass damit große Erwartungen verbunden sind. Deshalb will ich eines unbedingt beibehalten: die Umsetzungsorientierung. Es kommt darauf an, dass die Impulse aufgegriffen werden und Früchte tragen. Nur dann ist die Arbeit erfolgreich, wenn messbare Ergebnisse herauskommen.

Was erwarten Sie von Ihrem ersten Arbeitstag? Und was sind Ihre Pläne für die ersten Wochen?

Es ist sehr gut, dass an meinem ersten Arbeitstag gleich eine Arbeitssitzung der Regionalreferentinnen und –referenten in Kaiserslautern stattfindet. So kann ich einen umfassenden ersten Eindruck über die Arbeit der Energieagentur gewinnen, insbesondere davon, wie die Projekte der Energieagentur in den Regionen vorangetrieben werden. Das Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kaiserslauterer Zentrale und der bisherigen Arbeitsabläufe wird ein Schwerpunkt der ersten Tage sein. Die Projekte der Energieagentur für 2015 sind ja bereits in Vorbereitung und ich steige sozusagen auf das fahrende Schiff auf. Meine Aufgabe ist es, den Kurs Richtung Energiewende zu halten und weiter an Fahrt aufzunehmen. Nun geht es an die Feinabstimmung der Projekte und die Konkretisierung der Jahresplanung.

Ein neuer Job ist immer auch eine Chance zur Akzentuierung. Welche Themen und Aufgaben der Energieagentur Rheinland-Pfalz wollen Sie konkret fokussieren?

Mein Ziel ist es, dass die Energieagentur bei allen gesellschaftlichen Gruppen, von den Kommunen über die Unternehmen bis hin zu den Verbänden, als die unabhängige Fachagentur des Landes für die Umsetzung der Energiewende wahrgenommen wird. Es braucht Zeit, eine solche Organisation aufzubauen und zu etablieren. Doch merke ich bereits jetzt, dass die Akzeptanz zusehends wächst und die zentralen Informations- und Beratungsangebote gut nachgefragt sind. In einzelnen Regionen gibt es bereits Kooperationsvereinbarungen mit den regionalen Partnern. Dies will ich auch für die restlichen Regionen erreichen.

Das ist eine meiner zentralen Erwartungen: Die Energieagentur muss sich – wie jedes andere Unternehmen – durch Leistung bewähren und dabei an den Bedürfnissen seiner Kunden orientieren.

Die Energiewende ist in aller Munde. Wie erklären Sie Nicht-Experten Energiewende in maximal drei Sätzen?

Laut Wikipedia wird als Energiewende der Übergang von der nicht-nachhaltigen Nutzung fossiler Energieträger sowie der Kernenergie zu einer nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien bezeichnet. Für mich ist die Energiewende der Schlüssel für den globalen Klimaschutz und gleichzeitig ein ganz wichtiger Motor für wirtschaftliche Innovation und regionale Wertschöpfung in Rheinland-Pfalz. Die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz und der sparsame Umgang mit Energie sowohl im Strom-, als auch im Wärmebereich stehen für mich dabei gleichberechtigt nebeneinander.

Wie versucht denn die Familie Pensel zu Hause in Mainz die Energiewende umzusetzen?

Wir haben 1992 bewusst ein „gebrauchtes“ Haus erworben. Zum einen, um den Flächenverbrauch eines Neubaus zu vermeiden, zum anderen weil ich gerne heimwerke und dabei das, was ich beruflich berate, auch im eigenen, privaten Bereich ausprobiere und umsetze. So haben wir Zug um Zug das Haus energetisch saniert - natürlich nach eingehender Beratung durch einen Energieberater der Verbraucherzentrale. Inzwischen ist das Haus rundum gut verpackt, d.h. Außenwände, Dach und Kellerdecke sind gedämmt und dreifachverglaste Fenster sind eingebaut. Sonnenkollektoren sorgen für warmes Wasser. So entspricht unser aktueller Energieverbrauch dem eines heutigen Neubaus, ist also auf dem Niveau eines Niedrigenergiehauses. Unser Wäschetrockner ist wahrscheinlich der einzige in Mainz mit Gasbetrieb – viel energiesparender als mit Strom. Im Sommer hängt die Wäsche allerdings draußen auf der Leine zum Trocknen.

Sie haben Ihren Zivildienst beim Bund für Umwelt und Naturschutz absolviert. Was hat Sie als junger Mensch an den Themen Umwelt- und Klimaschutz begeistert? Und was motiviert Sie heute?

Als Biologiestudent habe ich mich in den siebziger Jahren sehr mit den unbeherrschbaren Risiken der Atomkraft auseinandergesetzt und war in einer „Gewaltfreien Bürgerinitiative“ aktiv. Als Alternative kamen für uns fossile Brennstoffe allerdings nicht in Betracht, schon allein wegen des Waldsterbens. Die Grenzen des Wachstums wurden sehr nachdrücklich thematisiert, insbesondere bei den fossilen Energieträgern. Die Nutzung der Sonnenenergie war bereits damals unser Ziel. So konnte ich in meinem Zivildienst die erste Solarmesse des BUND in Stuttgart mit organisieren. Leider fehlte es damals an den nötigen Rahmenbedingungen, um schon in den siebziger oder achtziger Jahren die Energiewende richtig in Schwung zu bringen.

Der Leitgedanke der Nachhaltigkeit ist für mich immer noch eine starke Motivation, wenngleich der Begriff inzwischen durch inflationären Gebrauch und mitunter auch Missbrauch abgedroschen klingen mag.

Sie waren in den letzten Jahren verstärkt im europäischen Klima-Bündnis aktiv. Welche Eindrücke und Erfahrungen nehmen Sie aus dieser Arbeit mit nach Rheinland-Pfalz?

Europa spielt eine sehr große Rolle, die wir oftmals nicht ausreichend wahrnehmen. Viele Gesetze basieren auf EU-Recht. Zum Beispiel bringt die Umsetzung der EU-Energiedienstleistungsrichtlinie Verpflichtungen für Unternehmen zur Durchführung von Energieaudits. Durch die EU-Gebäudeenergierichtlinie wird auch bei uns im Neubaubereich das „Fast-Nullenergiegebäude“ ab 2020 verpflichtend werden.

Umgekehrt bietet Europa viele Förderprogramme, die gerade von kommunaler Seite viel zu wenig genutzt werden.

Allerdings ist es für Kommunen sehr schwer, diese Fördermittel zu nutzen. Oft sind die Antragsverfahren kompliziert und langwierig, hinzu kommen Sprachbarrieren. Ich würde mir wünschen, dass sich noch viel mehr rheinland-pfälzische Kommunen daher im europäischen Konvent der Bürgermeister engagieren. Hierbei kann die Energieagentur nach meiner Überzeugung eine gute Vermittlerrolle spielen.

Sie haben in Ihrer beruflichen Laufbahn bereits einige Interviews gegeben: Welche Frage wollten Sie denn schon immer gerne einmal gestellt bekommen? (Und wie lautet die Antwort darauf…)?

Wenn Sie sehen, wie unsere Gesellschaft quasi mit offenen Augen in die Klimakatastrophe rennt, praktisch alle Warnungen in den Wind schlägt und keine Einschränkungen eingehen mag – müssten Sie dann nicht resignieren und die Arbeit hinwerfen?

Ich halte mich da an Martin Luther: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Als Naturwissenschaftler weiß ich natürlich, dass die Welt nicht untergehen wird – sie wird sich wandeln. Dabei sind es nicht allein die Auswirkungen auf die Natur, die mich bewegen, sondern die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, weltweit.

Alles was wir jetzt im Rahmen der Energiewende erreichen hilft daher, dass die insbesondere vom IPCC prognostizierten Umbrüche nicht in vollem Umfang eintreten. Und wenn sich alle Akteure engagiert für die Energiewende einsetzen bin ich hoffnungsvoll, dass wir die Klimakatastrophe abwenden können.