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Daria Paluch, Foto: privat

Daria Paluch, Klimaschutzmanagerin der Verbandsgemeinde Wörrstadt.

Seit rund einem Jahr im Amt, hat sie inzwischen eine Reihe von Themen, darunter die Umsetzung eines kommunalen Energiemanagements, erfolgreich initiiert.

 

Energieagentur: Das Berufsbild des Klimaschutzmanagers ist bislang kaum bekannt. Wie würden Sie in wenigen Sätzen Ihre Aufgaben als Klimaschutzmanagerin beschreiben?

Daria Paluch: Klimaschutzmanagerinnen und -manager haben sehr vielfältige Aufgaben. Eine der wesentlichen Aufgaben ist beispielsweise die Öffentlichkeitsarbeit, d.h. die regelmäßige Information zu allen energie- und klimaschutzrelevanten Themen. Aber auch die konkrete Begleitung und Umsetzung von Projekten gehören zum Aufgabenfeld einer Klimaschutzmanagerin. Ein aktuelles Projekt von mir ist die Anschaffung von Elektroautos für die Verbandsgemeinde sowie die Errichtung einer entsprechenden Ladeinfrastruktur. Dabei wird eine der Ladesäulen öffentlich und somit für Jedermann zugänglich sein. Die Verbandsgemeinde Wörrstadt wird somit eine der ersten öffentlich zugänglichen Ladesäulen im näheren Umkreis haben und damit einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau der Elektromobilität und der notwendigen Infrastruktur leisten. Ein weiteres Projekt ist die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf energieeffiziente LED-Technik bis zum Jahr 2018. Die Straßenbeleuchtungsmasten in der Ortsgemeinde Wallertheim sind dabei die ersten in der Verbandsgemeinde Wörrstadt, die in den nächsten Tagen mit der effizienten LED-Technik ausgestattet werden.

Wie versuchen Sie, angesichts derzeit sinkender Preise für fossile Energien das Interesse am Thema „Energiesparen“ in Ihrer Kommune und bei Bürgern wachzuhalten?

Indem wir regelmäßig über die Ursachen der sinkenden Preise, aber eben auch über die Auswirkungen informieren. Das Angebot an Öl scheint laut Experten zurzeit höher als die Nachfrage. Wir wissen aber auch alle, dass diese Situation nicht von langer Dauer sein wird – Öl ist und bleibt schließlich ein endlicher Rohstoff. Natürlich ist es schwierig, in Zeiten niedriger Heizölpreise die Vorteile umwelt- und klimaschonender Heizsysteme aufzuzeigen. Aber ich glaube auch, dass die Nachhaltigkeit sowie die langfristige Wirtschaftlichkeit umweltschonender Heizungstechnik für sich sprechen.

Die von der Energieagentur Rheinland-Pfalz mitgetragene Veranstaltungsreihe „Wörrstädter Energietisch“ wird seit 2014 sehr gut angenommen. Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren dieses Formats?

Ich glaube, wir haben in der Verbandsgemeinde Wörrstadt das Glück, dass die Menschen hier für die Themen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz sowie Umwelt- und Klimaschutz sensibilisiert und offen sind. Das liegt meines Erachtens jedoch nicht nur an dem Ausbau der Erneuerbaren Energien vor Ort, sondern auch daran, dass viele Bürger und Bürgerinnen ihren eigenen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen. Genau das ist es auch, was wir immer wieder an den Energietischen feststellen. Oftmals sitzen wir mit Menschen zusammen, die nicht wissen möchten, was sie überhaupt machen können, sondern was sie noch machen können. Das erklärt den Erfolg dieser Veranstaltungsreihe. Ich bin sehr froh, dass die Veranstaltungsreihe so erfolgreich ist, so dass wir sie auch in diesem Jahr fortsetzen. Es wird sogar gemeinsame Besichtigungen geben, wie beispielsweise die des Energieparks in Mainz.

Sie haben in der Verbandsgemeinde Wörrstadt inzwischen auch ein kommunales Energiemanagement etabliert. Gibt es dazu bereits erste Umsetzungserfolge? Gab es auch Schwierigkeiten, die zu meistern waren?

Es ist sehr viel Arbeit ein kommunales Energiemanagement aufzubauen. Derzeit arbeiten wir daran, die Energiedaten und die Verbrauchsabrechnungen unserer Liegenschaften zu erfassen und anschließend eben auch zu bewerten. Wir haben uns das Ziel gesetzt, in den nächsten 1-2 Monaten einen Teil-Energiebericht zu veröffentlichen. Der Energiebericht soll dabei u.a. aufzeigen, welche Energie- und Kosteneinsparungen durch die zahlreichen energetischen Sanierungen erreicht wurden. Besonders aufwändig ist die Aufarbeitung der vergangenen Jahre. Diese haben wir aber bald abgeschlossen und alle neuen Abrechnungen werden bereits direkt eingearbeitet. Ein weiterer Schritt wird die regelmäßige, d.h. die monatliche oder gar wöchentliche, Verbrauchserfassung sein. Denn nur so ist es möglich, unregelmäßige Energieverbräuche aufzudecken und ihnen direkt entgegenzusteuern. Die Teilnahme der VG Wörrstadt am Pilotprojekt der Deutschen Energieagentur (dena), das vor Ort durch die Energieagentur Rheinland-Pfalz begleitet wird, und das die Etablierung eines kommunalen Energiemanagements sowie die Auszeichnung als „dena-Energieeffizienz-Kommune“ zum Ziel hat, treibt uns zusätzlich sehr an.

Bis 2017 will die Verbandsgemeinde Wörrstadt ihren gesamten Strombedarf von Bürgern, Unternehmen und Kommunen aus Erneuerbaren Energien erzeugen. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Dieses Ziel haben wir bereits im Jahr 2012 erreicht – der gesamte Strombedarf der Verbandsgemeinde Wörrstadt kann bilanziell zu 100% aus Erneuerbare-Energien-Anlagen gedeckt werden. Im Jahr 2014 lag der Ertrag sogar bei über 130%. In den nächsten Jahren muss das Augenmerk auf der Wärmewende, aber auch auf der Energieeffizienz liegen. Hierzu wird die Verbandsgemeinde Wörrstadt deshalb in Kürze ihr erstes Förderprogramm vorstellen. Gegenstand des Förderprogramms ist der Austausch von ineffizienten Heizungspumpen gegen Hocheffizienzpumpen. Die Verbandsgemeinde Wörrstadt wird den Austausch einer Pumpe mit 150 Euro bezuschussen.

Welche Chance sehen Sie in Bürgerenergie-Genossenschaften, um die Energiewende auch in Bürgerhand umzusetzen? 

Durch die Mitgliedschaft in einer Bürgerenergie-Genossenschaft kann jeder Einzelne die Energiewende aktiv mitgestalten. Bürgerenergie-Genossenschaften sind somit eine Säule einer erfolgreichen Energiewende. Seit März 2007 gibt es in der Verbandsgemeinde Wörrstadt die SOLIX eG (SOLIX Energie aus Bürgerhand Rheinhessen eG), die bereits mehrere Photovoltaik-Bürgergemeinschaftsanlagen betreibt und demnächst sogar ein eigenes Bürgerwindrad betreiben wird. Im Juni 2016 wird das Bürgerwindrad eingeweiht. Einer unserer Energietische wird somit der Besuch des Windparkfestes in Lahr/Hunsrück sein.

Broschüre zum Öffnet externen Link in neuem FensterWörrstadter Energietisch

E-Mail: Daria.paluch(at)vgwoerrstadt(dot)de, Tel. 06732 - 601223

Infos zum Öffnet externen Link in neuem FensterKlimaschutzkonzept der Verbandsgemeinde Wörrstadt

Öffnet externen Link in neuem FensterNeue Modelle für Energiegenossenschaften

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