Nachgefragt bei: Dr. Heike Kaster-Meurer, Oberbürgermeisterin von Bad Kreuznach

Die landesweite Aktionswoche „Rheinland-Pfalz. Ein Land voller Energie“ der Energieagentur Rheinland-Pfalz steht in diesem Jahr auch im Zeichen der nachhaltigen Mobilität.  Warum ist nachhaltige Mobilität so relevant?

Dr. Heike Kaster-Meurer (HKM): Der Autoverkehr nimmt immer noch weiter zu, die klimaschädlichen CO2-Emissionen steigen weltweit, auch der Bedarf an Öl als Ressource für Treibstoffe steigt weltweit. Außerdem machen Lärm und Abgase des Autoverkehrs krank. Es gibt also drei Gründe, warum nachhaltige Mobilität ausmeiner Sicht wichtig ist: Klimaschutz, Ressourcenschutz, Gesundheit.

Deshalb sind wir alle aufgerufen, jeden möglichen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen vor Ort zu leisten. Der Verkehr trägt mit 23 % , also fast einem Viertel, zu den gesamten jährlichen CO2-Emissionen bei. Mit der Nutzung von E-Pkw können wir auf jeden Fall einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Weltweit ist eine steigende Nachfrage nach Öl festzustellen, insbesondere durch bevölkerungsreiche und wirtschaftlich aufsteigende Länder (China, Indien, Brasilien). Aber die Ressourcen sind endlich oder begrenzt, deshalb ist ein sparsamer Umgang mit ihnen nötig. E-Pkw fahren energieeffizienter als benzin- oder dieselbetriebene Fahrzeuge, weil sie einen besseren Wirkungsgrad haben.

Sowohl Verkehrslärm als auch die Schadstoffe aus Autoabgasen beeinträchtigen die Gesundheit, z.B. durch Bluthochdruck, durch die Erhöhung des Herzinfarktrisikos bei Lärm und Feinstaub oder durch kanzerogene  Stoffe in fossilen Treibstoffen (Toluol, Benzol). Da E-Pkw leise sind, den Verkehrslärm reduzieren und im Vergleich zu benzin - oder dieselbetriebenen Kfz keine Abgase produzieren, tragen sie wesentlich zum Schutz der Gesundheit bei. E-Pkw nehmen also eine wichtige Rolle für eine nachhaltige Mobilität ein, denn sie sind leise, sauber, klimaschonend und energieeffizient.

Die Stadt Bad Kreuznach hat angekündigt, künftig eine Vorreiterrolle bei der E-Mobilität einnehmen zu wollen. Was wird von der städtischen Politik bereits dafür getan und was ist geplant?

HKM: Die Stadtverwaltung nutzt zwei E-Bikes und drei E-PKW für Dienstfahrten und nimmt  an einem vom Land geförderten Feldtestversuch teil, bei dem die Praxistauglichkeit des Einsatzes von E-Pkw für Dienstfahrten untersucht wird.Seit Oktober 2012 ist die Stadt Partner im Netzwerk Elektromobilität Rheinland-Pfalz.In Kooperation mit einem örtlichen Fahrradhändler, den Stadtwerken, der Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH hat die Stadt an der Einrichtung eines E-Bike-Verleihsystems und der Errichtung von 5 E-Bike-Ladesäulen im Stadtgebiet - zuletzt am Bahnhof - mitgewirkt.Im Januar 2013 hat die Stadt eine Ladesäule mit Solarcarport auf dem öffentlichen Parkplatz in der Kilianstraße in Betrieb genommen und einen Antrag beim Land auf Verleihung eines Titels „Bad Kreuznach - Modellstadt Elektromobilität Rheinland-Pfalz“ gestellt.Im Mai 2013 wurde eine geführte E-Bike-Tour nach Bourg-en-Bresse anlässlich des 50-jährigen Jubiläums mit der Partnerstadt organisiert.  Auf der siebentägigen Tour waren 20 Teilnehmer/innen  dabei. Kooperationspartner waren Stadt, Stadtwerke, Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH, der örtliche Fahrradhändler OK-E-Bikes.

Im September 2014 sind wir am Aktionstag der Energieagentur Rheinland-Pfalz „Nachhaltige Mobilität“ auf dem Kornmarkt mit örtlichen Autohäusern und Fahrradhändlern zum Thema Elektromobilität dabei.

Unsere Planung für 2015 sieht vor:

  • E-City-Bus-Linie. Eine Innenstadtlinie mit Anbindung an Bahnhof-Kornmarkt-Kurgebiet-Salinental mit elektrobetriebenem Kleinbus. Co-Finanzierung mit verschiedenen Partnern.
  • E-Taxi mit Ladesäule am Standort Rosstraße. Ein mit Bundesmitteln gefördertes Pilotprojekt.
    Kooperationspartner: Netzwerk E-Mobilität RLP, Stadtwerke GmbH  Bad Kreuznach, Taxi-Unternehmen, Stadt Bad Kreuznach: Antragstellung ist erfolgt, die Bewilligung von Fördermitteln steht noch aus.

Werden die Elektromobile im Fuhrpark der Stadtverwaltung Bad Kreuznach von den Mitarbeitern bei Dienstreisen oder Dienstgängen häufig genutzt?

HKM: Die 3 E-Pkw werden täglich für Dienstfahrten des Fachbereiches Planen und Bauen genutzt. Ein E-Pkw wird zusätzlich an den Wochenenden vom Ordnungsamt für die Überwachung des ruhenden Verkehrs genutzt. Im Jahr 2013 wurden rund 20.000 km mit den E-Pkw zurück gelegt.

Wie können Ihrer Meinung nach Bürgerinnen und Bürger für das Thema begeistert und dazu motiviert werden, sich nachhaltig fortzubewegen?

HKM: Die beste Motivation ist, die Elektromobilität für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar und „erfahrbar“ zu machen. Sie müssen erleben, dass es ein Fahrvergnügen ist, mit einem E-Pkw oder mit einem E-Fahrrad zu fahren. Deshalb wollen wir am 27.09.2014 auf dem Kornmarkt Möglichkeiten für Probefahrten mit verschiedenen E-Fahrzeugen bieten.

Elektromobilität gilt vor allem als Thema für Städter. Wie kann Elektromobilität Ihrer Meinung nach auch in ländlichen Gebieten funktionieren?

HKM: Die Erfahrungen mit unseren E-Pkw für Dienstfahrten haben gezeigt, dass sie mindestens 70 km zurück legen können, bis sie wieder aufgeladen werden müssen. Die täglichen Wege der meisten Autonutzer sind nicht länger als 60 km. Das heißt, Elektromobilität funktioniert sowohl für Städter als auch in ländlichen Gebieten, wenn die Wege nicht länger sind. Und natürlich müssen Lademöglichkeiten vorhanden sein.

Um zu zeigen, dass nachhaltige Mobilität möglich ist, beteiligen sich am 27. September Bürger aus ganz Rheinland-Pfalz mit Fahrrädern, Elektromobilen, Elektrofahrrädern, Bürgerbussen und der Bahn an einer Sternfahrt, die in Bad Kreuznach endet.

Auch Sie sind unter den „Sternfahrern“ und begleiten eine Gruppe von Gensingen nach Bad Kreuznach auf Ihrem E-Bike. Ist die Fahrt mit dem E-Bike für Sie eine Premiere? Was genau fasziniert Sie so an diesem Fahrzeug?

HKM: Ich nutzte das E-Bike häufig für meine Dienstfahrten. Es ist nicht nur umweltschonend, sondern hält mich an der frischen Luft auch fit, so dass ich nicht außer Puste zu meinen Terminen komme. Außerdem treffe ich dabei auf viele Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme. 

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