„Nachgefragt bei...“ Prof. Dr. Joachim Alexander, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Ludwigshafen

Im Interview spricht Prof. Dr. Alexander über die Umsetzung der Energiesparkampagne in Ludwigshafen, über clevere Energiespartipps für zuhause und über seinen diesjährigen Vorsatz als Schönwetterfahrer.

Energieagentur Rheinland-Pfalz: Herr Prof. Alexander, die Energiesparkampagne „Cleveren Verbrauch kannst du auch! Energie sparen. Kosten senken“ wird ab Sommer in Ludwigshafen angeboten. Die Energieagentur Rheinland-Pfalz bietet Kommunen mit der Kampagne verschiedene Bausteine zum Thema Energiesparen an. Welche Themen möchte die Stadt genau unter die Lupe nehmen?

Prof. Dr. Joachim Alexander: Wir freuen uns, dass die Kampagne „Cleveren Verbrauch kannst du auch!“ während unserer Klimawochen 2015 angeboten wird. In einem Zeitraum von drei Wochen gehen wir vom 29. Juni bis zum 17. Juli mit einem breiten Veranstaltungsangebot an die Ludwigshafener Schulen. Einen Baustein dieses Angebots stellt die Energieagentur mit den Energie-Spürnasen. So sind die Kinder und Jugendlichen in der Schule mit dem Thema konfrontiert und gleichzeitig finden Veranstaltungen für die Eltern statt. Wir hoffen hier auch auf einen Verstärkungseffekt. Thematisch interessieren uns dabei vor allem die Veranstaltungen, die die Ludwigshafener Bürgerinnen und Bürger unterstützen, ihren Energieverbrauch und damit ihre Nebenkosten zu senken.

Die Stadt Ludwigshafen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 rund 22 Prozent der CO₂-Emissionen zu reduzieren. Inwiefern kann die Kampagne „Cleveren Verbrauch kannst du auch!“ Ihrer Meinung nach mit dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen?

Bei der derzeitigen Diskussion zur Energiewende haben wir oft nur Großprojekte zur Nutzung Erneuerbarer Energien oder die Frage der Stromverteilung im Land im Blick. Der Bereich „Wärme“ ist dabei etwas aus dem Fokus geraten, obwohl immerhin rund 85 Prozent des Energieverbrauchs im Haushalt darauf entfällt. Ohne Energieeffizienz und Energieeinsparung in den Privathaushalten sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Oft sind es kleine Dinge, die jeder Einzelne tun kann, um Energie und damit letztlich CO₂ einzusparen. Die Kampagne bietet hier konkrete Informations- und Mitmachveranstaltungen an.

Mit der Energiesparkampagne zeigt die Energieagentur Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Kommunen auf, wie Bürgerinnen und Bürger ihren Energieverbrauch senken und Geld sparen können. Was hat die Stadt Ludwigshafen an der Kampagne überzeugt?

Wir finden das Baukastensystem sehr ansprechend, mit dem wir Themen auswählen können, die den Bedürfnissen der Ludwigshafener Bürgerinnen und Bürger entsprechen. Auch die Sensibilisierung für Energiekosten ist uns wichtig. Die meisten Autofahrer kennen den Spritverbrauch ihres Autos und wissen ihn einzuordnen. Beim Strom- und Heizenergieverbrauch sieht das ganz anders aus. Wer seinen Energieverbrauch einordnen kann, kann auch seine Sparpotenziale besser nutzen.

Wo sehen Sie für die Stadt Ludwigshafen bisher die größten Herausforderungen beim Thema Energiesparen und Klimaschutz? Welche Unterstützungsleistungen wünschen Sie sich als Kommune außerdem, um diese Herausforderungen zu meistern?

Die Haushaltslage engt unsere Möglichkeiten deutlich ein. Die Stadt kann nur durch Vorbildcharakter private Akteure zu Sanierungen anregen und der Initiator, Ideengeber und Koordinator sein. Leider können wir nicht durch Zuschüsse private Investitionen anregen. Um effektiv kommunale und private Maßnahmen anzugehen, sind Fördergelder notwendig. Leider ist die Förderlandschaft so komplex geworden, dass wir nicht die notwendigen Informationen herausfiltern, verwerten und weitergeben können. Hier könnte uns das Land noch besser unterstützen.

Wie sparen Sie bei sich zu Hause clever Energie? Haben Sie einen Geheimtipp aus dem Hause Alexander?

DEN Geheimtipp gibt es eigentlich nicht. Es ist die Vielzahl von kleinen Maßnahmen, die wir bewusst ergreifen: das Licht beim Verlassen des Raums ausschalten, auf das Höherdrehen der Heizung  verzichten und stattdessen einen Pulli anziehen, die Geräte nicht im Standby laufen zu lassen und nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn oder dem Fahrrad zu fahren.

Energiesparen soll nicht Verzicht bedeuten, sondern kann klare Vorteile mit sich bringen: Wo macht es Ihnen besonders Spaß und wo packt Sie der Ehrgeiz zu sparen? Und warum?

Ich versuche vor allem das Auto stehen zu lassen. Kurzstrecken lassen sich mit dem Fahrrad fast genauso schnell zurücklegen, dadurch wird Sprit gespart und außerdem hilft es, fit ins Frühjahr zu kommen. Ich muss bekennen, dass ich eher ein Schönwetterfahrer bin und hoffe, dass ich es schaffe, dieses Jahr konsequent bei jedem Wetter durchzufahren.

Wenn Träume wahr werden könnten: Was wünschen Sie sich als Klimaschutzbeauftragter für die Stadt Ludwigshafen bis 2040 in Sachen Klimaschutz?

Ich wünschte mir, dass es Bürgerfonds in Ludwigshafen gibt, über die kommunale Projekte zur Energieeinsparung finanziert werden. Über einen Bürgerfonds können sich Bürgerinnen und Bürger, selbstverständlich mit gesicherten Renditen, bei der Sanierung oder dem Neubau von Schulen, Kindergärten, öffentlichen Gebäuden oder Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energie engagieren. Getreu dem Motto von Friedrich Wilhelm Raiffeisen „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“ wird privates Kapital sicher und in der eigenen Stadt für energiesparende kommunale Bauvorhaben verwendet, von denen man selbst oder die eigenen Kinder direkt profitieren können.