Nachgefragt bei ... Jens-Ove Heckel, Direktor des Zoos Landau

Klimaneutraler Tiergarten: Wie alte Handys beim Artenschutz helfen

Zoo-Direktor Dr. Jens-Ove Heckel, Foto: Zoo Landau

Dr. Jens-Ove Heckel ist seit dem Jahr 2000 Direktor des Zoos Landau. Seit 2013 hält er einen Lehrauftrag im Studienfach Naturschutzbiologie an der Universität Koblenz-Landau.

Heckel ist seit 2012 außerdem erster Vorsitzender der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V.

 

Energieagentur: Ein Zoo, der auf Klimaneutralität setzt. Das klingt zunächst recht überraschend. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses ungewöhnliche Vorhaben anzugehen?

Dr. Heckel: Das im Jahr 2000 für den Zoo Landau in der Pfalz übernommene Leitbild, die „Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutz-Strategie“, fordert die Entwicklung des Zoos hin zu einem Arten-, Naturschutz- und Umweltbildungszentrum. Kaum eine andere Art Kultur-, Bildungs- und Freizeitinstitution als ein modern geführter Zoo ist in Bezug auf die große Zahl und die altersmäßige, soziale und intellektuelle Heterogenität seiner Nutzer besser geeignet, die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit am eigenen guten Beispiel zu kommunizieren. Daraus ergibt sich auch für Zoologische Gärten eine hohe Verantwortung, eigene negative Einflüsse auf die Umwelt zu reduzieren und unter Beachtung wirtschaftlicher Gesichtspunkte positive gesellschaftliche Beiträge im Sinne einer Entwicklung zur Nachhaltigkeit zu leisten.

EA: Was hat das Sammeln ausgedienter Handys mit Programmen zum Artenschutz zu tun?

Seit dem Jahr 2010 sammelt der Zoo Landau in der Pfalz ausgediente Mobilfunkgeräte, um sie fachgerecht recyceln zu lassen. Die durch das Recycling eingenommenen Beträge kommen den sechs Artenschutzprojekten, die der Zoo Landau in der Pfalz weltweit unterstützt, zugute. Neben diesem finanziellen Aspekt ist es uns besonders wichtig, darüber aufzuklären, dass der Abbau des für diese Geräte benötigten Coltanerzes schwerwiegende Folge für die Umwelt hat. Der Abbau des Metallerzes Coltan verwandelt Regenwälder in Zentralafrika und Brasilien sowie Lebensräume unzähliger Tierarten in Australien in verwüstetes Brachland.

EA: Der Gedanke der Nachhaltigkeit spielt für Ihren Tiergarten ebenfalls eine sehr wichtige Rolle. In welchen Bereichen zeigt sich das besonders deutlich?

Neben den verschiedenen Bemühungen für mehr Klimaschutz in unserem Zoo spielt der Gedanke der Nachhaltigkeit besonders bezogen auf die Aspekte des Natur-, Umwelt-, Arten- und Tierschutzes an verschiedenen Stellen eine Rolle. Bei der Beschaffung von Reinigungsmitteln versuchen wir, wo es möglich und finanzierbar ist, auf Produkte ohne Palmöl zurückzugreifen. Seit einem Jahr beziehen wir unseren Futterfisch für Robben und Pinguine aus MSC-zertifiziertem Fischfang. Ein Großteil unserer Futtermittel wie Obst und Gemüse sammeln wir von Supermärkten ein, die diese Produkte nicht mehr vermarkten. Bau- und Dekomaterialien für unsere Gehege versuchen wir aus der Region zu beziehen. Wir nutzen zum Beispiel viel Holz aus den Forstämtern Haardt oder Annweiler. Steine kommen aus regionalen Steinbrüchen und werden bevorzugt anstatt Kunstbetonfels verbaut. Drei Fotovoltaikanlagen mit rund 60 KWp wurden auf Dächern von Zoogebäuden installiert. Und so gibt es noch eine ganze Reihe anderer Beispiele im Kleinen und im Großen.

EA: Welche Rolle spielen Fragen des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit in der Umweltbildungsarbeit der Zooschule Landau?

Durch die Zooschule Landau, die sich von ihrem Selbstverständnis inzwischen als eine Einrichtung für Bildung für Nachhaltigkeit versteht, wurde das Unterrichtsangebot umfangreich ausgeweitet. Unter der fachlichen Betreuung der Leiterin der Zooschule Landau, Dr. Gudrun Hollstein, wurden praxis- und erlebnisorientierte Unterrichtseinheiten, wie etwa zu den Themen „Solares Basteln“, „Ohne Wasser – kein Leben“ oder die Planung einer „nachhaltigen Geburtstagsfeier“, entwickelt. Für diese in vielerlei Hinsicht innovativen Bildungsansätze haben wir inzwischen mehrfache nationale und internationale Auszeichnungen, darunter fünf im Rahmen der UNESCO-Dekade Bildung für Nachhaltigkeit, erhalten.

EA: Gibt es denn ein Vorhaben, das Sie im Zusammenhang mit dem Thema Klimaneutralität Ihres Tiergartens unbedingt noch angehen wollen?

Derzeit laufen die systematischen Untersuchungen und Erhebungen für ein umfassendes Klimaschutzteilkonzept für den Zoo. Wir planen dann noch viel gezielter mit Verbesserungen im Klimaschutz voranschreiten zu können. Es wäre wünschenswert, wenn wir selber noch mehr nachhaltig erzeugte Produkte im Zoo, besonders aber auch in unserer Zoogastronomie, verwerten bzw. anbieten könnten. Viele der verwirklichten und geplanten Maßnahmen sollen den Weg bereiten, um den Zoo Landau in absehbarer Zukunft nach den Standards der ISO 14001 zertifizieren zu lassen. Ohne Zweifel ist dieses angesichts sehr enger finanzieller und personeller Rahmenbedingungen ein ähnlich ambitioniertes Ziel, wie die angestrebte Klimaneutralität des Zoo Landau in Rahmen seines Gesamtbetriebs.

 

Veranstaltungshinweis:

Im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche macht am 18. September eine vom Regionalbüro Mittelhaardt & Südpfalz organisierte Pedelec-Tour auch im Zoo Landau Station. Nähere Informationen zu dieser Tour sowie allen Veranstaltungen während der Aktionswoche in der Region Mittelhaardt & Südpfalz

www.zoo-landau.de

 

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