"Wir müssen Elektromobilität in unserem Mobilitätsverhalten verankern"

Lars Kober, Foto: Kreisverwaltung Altenkirchen

Bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen: Das Ziel der Bundesregierung ist ambitioniert – der Weg dorthin gelingt voraussichtlich nur mit gedrücktem „Gas“pedal. Städte und Gemeinden können bei diesem Thema als gutes Vorbild vorangehen und auf Elektroautos in ihrem kommunalen Fuhrpark setzen. Noch bis zum 6. Mai 2016 können sie Öffnet internen Link im aktuellen FensterFördermittel zur Beschaffung von Elektrofahrzeugen und zur Verbesserung der öffentlichen Ladeinfrastruktur beantragen. Die Region Westerwald wird sich zum Beispiel mit drei Landkreisen und einigen Kommunen um Mittel der Förderrichtlinie Elektromobilität bewerben. Im Interview spricht Lars Kober, aus der Abteilung Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung der Kreisverwaltung Altenkirchen, über die Mobilitätsstrategie der Region und darüber, dass E-Mobilität gerade für die Außendarstellung des Westerwaldes an Bedeutung gewinnt.

Energieagentur: Das Thema Elektromobilität gewinnt im Moment durch die Entwicklung eines zweiten Fördergesetzes an Fahrt: Warum springt der Westerwald auf dieses Thema auf?

Lars Kober: Die drei Landkreise Altenkirchen, Neuwied und der Westerwaldkreis haben die Gemeinschaftsinitiative „Wir Westerwälder!“ ins Leben gerufen. Die Kreise arbeiten dort zusammen, wo sich eine regionale Zusammenarbeit anbietet. Dazu zählen Projekte im Bereich der Wirtschaftsförderung, des Tourismus, der Direktvermarktung und aktuell im Bereich der Elektromobilität. Insbesondere aus dem Grund, dass einzelne Verbandsgemeinden aufgrund der geforderten Mindestbestellmenge von drei E-Fahrzeugen das Förderprogramm nicht in Anspruch nehmen können, hat die Kreisverwaltung Altenkirchen stellvertretend für die drei Landkreise und deren Verbandsgemeinden und der Stadt Neuwied, die Federführung übernommen. Dadurch erwarten wir eine verstärkte Teilnahme der Verbandsgemeinden am Förderprogramm „Elektromobilität“, das die Beschaffung von E-Fahrzeugen und den Aufbau von Ladeinfrastruktureinrichtungen finanziell fördert.

Sie bereiten die gemeinsame Bewerbung von drei Landkreisen und zahlreichen Kommunen für die Förderrichtlinie Elektromobilität vor. Warum spielt Elektromobilität gerade für den ländlichen Raum eine Rolle?

Ob die Elektromobilität im ländlichen Raum gegenüber urbanen Gebieten eine besondere Rolle einnimmt, kann ich nicht beurteilen. Ich denke sogar, dass der Aufbau eines E-Fahrzeugnetzwerkes – hier insbesondere der Aufbau von Carsharing-Angeboten – in einer Stadt leichter umzusetzen sein wird, als auf dem Land. Was aber im ländlichen Raum eine sehr zentrale Rolle einnimmt, ist der Individualverkehr, der auch zukünftig nicht an Bedeutung verlieren wird. Hier kommt dann auch das Thema E-Mobilität ins Spiel. Mit unserer Bewerbung möchten wir einerseits unseren Beitrag zum ambitionierten 1-Million-Elektrofahrzeuge-Ziel der Bundesregierung beisteuern. Andererseits möchten wir aber auch ein Zeichen mit der Aktion setzen, das über die obligatorische Einweihung einer „E-Tankstelle“ in einer Stadt hinausgeht. Wenn man sich die Aktivitäten der einzelnen Bundesländer anschaut, ist Rheinland-Pfalz ein weißer Fleck ohne Elektromobilitätsregion. Zudem wird es für die überregionale Außendarstellung des Westerwaldes förderlich sein, wenn erkannt wird, dass man sich einem Zukunftsthema angenommen hat.

Wie sieht es mit der Ladeinfrastruktur aus? Ist es nicht gerade auf dem Land schwierig, diese bereit zu stellen?

Absolut. Unsere Aktion wird sicherlich nicht den großen E-Mobilitätsboom erzeugen. Wir reden hier auch nur von einer Handvoll Ladeeinrichtungen. Wenn ich das ins Verhältnis zu den gemeldeten Fahrzeugen im Westerwald setze, so bewegen wir uns hier im Promillebereich. Nur irgendwie muss das Thema einmal in Angriff genommen werden. Positiv ist für mich, dass man mit dem Förderprogramm konkrete Projekte umsetzen kann und nicht eine weitere Machbarkeitsstudie – die sicherlich teilweise auch ihre Berechtigungen haben – gefördert wird. Bevor wir über E-Carsharingprojekte im ländlichen Raum reden, müssen wir zunächst einmal überhaupt Elektromobilität in unserem Mobilitätsverhalten verankern. Darüber hinaus werden die E-Fahrzeuge zu 90 Prozent am Eigenheim bzw. am Standort der Mietwohnung vollgetankt und der E-Fahrzeugnutzer kalkuliert seine Fahrten so, dass er mit dieser „Tankfüllung“ ohne Zwischenladen wieder den Heimweg bewältigen kann. Erkennt der Fahrer aber, es befindet sich eine Ladeinfrastruktur im Aufbau, so wird sich dieser auch mit dem Thema „Zwischentanken“ näher beschäftigen und dies wird zugleich dazu führen, dass sich auch andere Autofahrer mit dem Thema näher befassen. Mit dem Aufbau der Ladeinfrastruktur setzt man sozusagen ein „echtes Zeichen“.

Wie sieht Ihr weiterer Fahrplan für die Bewerbung zur Förderung von Elektrofahrzeugen und der Ladeinfrastruktur im Westerwald aus?

Der weitere Zeitplan ist sehr straff. Hier hätte ich mir von der Bundesregierung gewünscht, die Antragsfrist nicht auf den 6. Mai festzulegen. In der Praxis ist dies fast nicht zu schaffen. Verwaltungen müssen sich das Okay der politischen Gremien einholen und kaum jemand wird in seinen Haushaltsplanungen Mittel für die Beschaffung eines E-Fahrzeugs eingestellt haben. Gerade in kleineren Verwaltungen gestaltet sich dies als problematisch. Sollten wir eine Förderzusage erhalten, so beabsichtigen wir die Fahrzeuge und Ladeinfrastruktureinrichtungen im Rahmen eines zentralen Ausschreibungsverfahrens Anfang 2017 anzuschaffen.

Was steht auf Ihrem persönlichen Wunschzettel an den Gesetzgeber? Wie kann er Ihrer Meinung nach das Thema Elektromobilität nun mit Vollgas voranbringen?

Eine schwierige Frage, auf die ich auch keine direkte Antwort habe. Es gibt Modelle, z. B. in Norwegen, bei denen die Anzahl an Elektroautos einen signifikanten Anteil erreicht hat. Nur man muss hier auch sehen, welche immensen Summen dafür aufgebracht wurden und Norwegen hat jetzt mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Die Kaufprämie finde ich persönlich einen guten Ansatz. Kritiker fordern, dass die deutsche Fahrzeugindustrie hier aktiver sein müsste, die Frage die sich mir aber in diesem Zusammenhang stellt ist, ob dies die Automobilindustrie überhaupt möchte. Gerade Zulieferfirmen könnten zunächst als „Verlierer“ aus einer Umstellung hervorgehen. Umgekehrt ist für mich der Trend hin zur Elektromobilität nicht aufzuhalten und es besteht die Gefahr, dass internationale Autofirmen, die auf das „Pferd“ Elektromobilität setzen, als die großen Gewinner hervorgehen könnten. Ich muss aber sagen, dass ich hier zu wenig Detailwissen habe und es sich dabei um eine persönliche Einschätzung handelt. Auch wenn die jetzigen Fahrzeuge mit ihren Ladekapazitäten den Großteil der zu bewältigenden Strecken zurücklegen können, bedarf es für den Durchbruch der Elektromobilität einer Verbesserung der Ladekapazitäten und einer Reduzierung der Gesamtkosten.

Die Fragen stellte Josephine Keller

Hinweis der Redaktion: Die Energieagentur Rheinland-Pfalz wird am 22. April 2016 in Koblenz und am 24. Juni 2016 in Bad Dürkheim gemeinsam mit Kooperationspartnern einen Tag der Elektromobilität anbieten. Auf dem Programm stehen Fachforen und Vorträge zu Einsatzszenarien im kommunalen und gewerblichen Kontext sowie zur wirtschaftlichen Nutzung. Außerdem werden Ausstellungen und Testfahrten angeboten.

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