Nachgefragt bei… Michael Boos, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Simmern

Herr Boos, die Verbandsgemeinde Simmern ist ein Vorreiter beim Thema Nahwärmenetze in Rheinland-Pfalz. Wie kam es dazu?

Grundlage war bereits im Jahr 2008 ein gemeinsamer Antrag von CDU-, SPD- und FDP-Fraktionen im Verbandsgemeinderat. Die Verwaltung wurde dabei aufgefordert, erste Schritte in die dezentrale Energieversorgung zu gehen.

In der Stadt Simmern haben die Bauarbeiten für das Nahwärmenetz 2014 begonnen: 1.100 Meter Leitungen wurden seitdem ins Erdreich verlegt. Wie hoch ist die Anschlussrate mittlerweile und wie ist das zu bewerten?

Die Anschlussdichte entspricht bei den großen Abnehmern den Planungsvorgaben. Vor allem kommunale Einrichtungen sind Abnehmer der Nahwärme in Simmern, wie zum Beispiel Rathaus, Freizeitbad, Amtsgericht und Finanzamt. Hinzu kamen weitere private Interessenten, die nun mit angebunden werden, sodass sich die Zahl der Anschlussnehmer von 18 auf 24 erhöht hat.

Nahwärmenetze bedeuten zunächst eine Investition: Die Infrastruktur muss aufgebaut werden, dafür braucht es finanzielle Ressourcen und Mitstreiter. Wie ist es gelungen, Bürger und Unternehmer mit ins Boot zu holen?

Die generelle Überzeugungsarbeit von Bund, Land, Kreis und Verbandsgemeinde für den Umstieg von fossiler auf erneuerbare Energie musste vor Ort transparent vermittelt werden. Es ist dann gelungen, die Gemeinden davon zu überzeugen, die Aufgabe der Energieversorgung auf die Verbandsgemeinde zu übertragen. Prägende Wegweiser für diese Entwicklung waren auch die Erfahrungen der Gemeinden Fronhofen und Külz, welche als Vorreiter in der Entwicklung der Nahwärmeversorgung anzusehen sind. In der Stadt Simmern entstand die Idee der Nahwärmeversorgung durch gemeinsame Pläne des Rhein-Hunsrück-Kreises und der Verbandsgemeinde – nun sind wir in der Umsetzung.

Wie wird die Nahwärme für die Stadt Simmern erzeugt?

Wir setzen primär auf den Brennstoff Holzhackschnitzel, die Spitzenlasten werden durch ein Erdgas- bzw. Klärgas-Blockheizkraftwerk abgedeckt.

Maßnahmen der dezentralen Energieversorgung setzen oftmals auch Anreize zur regionalen Wertschöpfung. Woher erhalten Sie die Ressourcen, die zur Wärmeerzeugung benötigt werden?

Zentrale Ansprechpartner sind die Forstämter Simmern und Kastellaun, welche für alle kommunalen Waldbesitzer zuständig sind. Sie können die jährlichen Bedarfsmengen steuern, welche dann von den Fachunternehmen als Holzhackschnitzel geliefert werden. Wir greifen bewusst auf Material aus unserer Region zurück und haben entsprechende Absprachen getroffen.

Wie hoch sind die Kosteneinsparungen für die Stadt Simmern und wieviel CO₂ kann durch das Nahwärmenetz eingespart werden?

Kosteneinsparungen können nur für einen längeren Zeitraum bewertet werden, da die Preisvergleiche mit fossilen Brennstoffen durch das volatile Preisgefüge nur bedingt aussagekräftig sind. Die CO₂ Einsparung beträgt jährlich ca. 1.200 Tonnen, es ist von einer Heizöl-Einsparung von rund 600.000 Litern auszugehen.

Was können Sie anderen Kommunen mit auf den Weg geben: Mit welchen Tipps können sie Herausforderungen bei Planung und Aufbau eines Nahwärmenetzes beherzt annehmen?

Zwischenzeitlich wurden gute Zusammenstellungen entwickelt, damit interessierte Gemeinden einen leichteren und schnelleren Überblick über alle Fragestellungen erhalten. Hier kann ich die Simmerner Energie Infomappe als Impulsgeber für Gemeinden und den Leitfaden für Bürgernahwärmenetze im Rhein-Hunsrück-Kreis „wärmstens“ empfehlen.

 

Hinweis der Redaktion

Am 16. Juli 2015 veranstaltet die Energieagentur Rheinland-Pfalz ihren Zukunftskongress zur Frage: „Wie schaffen wir die Wärmewende in Rheinland-Pfalz?“ Die Anmeldung zum Kongress in Mainz ist noch bis zum 8. Juli 2015 online möglich. Das detaillierte Kongressprogramm ist hier abrufbar.

 

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