Wolfgang Thiel, Hergersweiler: PV-Offensive für lokale Selbstversorgung

Wolfgang Thiel vor den PV-Anlagen seines Wohnorts Hergersweiler. Foto: privat.


Wolfgang Thiel war 38 Jahre lang im Bereich Kraftwerksbau in der Großindustrie tätig. Heute ist er Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Initiative Südpfalz-Energie e.V., der sich aus einem Projekt des Landesprogramms Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern 2005 gegründet hat und die Energiewende in der Südpfalz vorantreibt.


Herr Thiel, was hat Sie dazu bewogen, sich zu engagieren?

Ich habe zunächst einmal erkannt, dass ich so, wie ich in einem großen Unternehmen selbst mitgewirkt habe, nicht weitermachen kann. Fukushima hat mich so geschockt; spätestens da wurde deutlich: So ein Unglück könnte bei uns auch passieren. Natürlich nicht mit einem Tsunami, aber ein Flugzeugabsturz würde genügen – da muss nicht direkt das Containment betroffen sein. Eine Beschädigung der  umliegenden Kraftwerks-Infrastruktur würde schon ausreichen, um den Reaktor nicht mehr kühlen zu können, was dazu führen würde, dass der Reaktor „durchgeht“. Und die Endlagerung ist das nächste Problem.

Auch wenn man sich Kohlekraftwerke mit ihren Emissionen anschaut, wie etwa Block 7 des Karlsruher Kraftwerks, der stündlich bei Volllast 160 Tonnen Kohle verbrennt: Dabei werden 1,6 Millionen Kubikmeter Luft  durchgeschleust, um die Verbrennung überhaupt zu ermöglichen. Das kann insgesamt auf die Dauer nicht gutgehen, und deshalb müssen wir die regenerativen Energien fördern, um mit einem vernünftigen Umstieg alsbald den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu schaffen.


Was ist Ihr Ansatz zu einem „vernünftigen Umstieg“?

Wir müssen versuchen, uns lokal in bestimmten Einheiten selbst zu versorgen. Die Einheiten müssen gründlich gewählt werden, das kann nicht jedes Dorf für sich alleine tun, da braucht es Gruppierungen von Gebietskörperschaften. Daran arbeiten wir.  Etwa mit unserer „PV-Offensive“, die wir dieses Jahr gemeinsam mit der Energieagentur, den regionalen Energieversorgern und den regionalen Banken gestartet haben. Solche Dinge können wir im Kleinen tun. Im Großen, denke ich, muss die EU was tun, aber auch die UN. Wir verschleudern nicht nur unsere Ressourcen, sondern zerstören durch CO2  und auch andere Emissionen unsere Umwelt und letztlich unser „Raumschiff Erde“ selbst – das muss in unser Bewusstsein rücken.


Sind Sie auch im Privaten engagiert?

Ich habe lange Zeit nicht sehr viel unternommen. Allerdings habe ich mir dann eine PV-Anlage auf meinem Dach installieren lassen. Die ist in Ost-West Richtung angebracht – zu der Zeit, als ich sie plante, war das noch regelrecht verpönt. Ich habe mich damals davon überzeugen lassen, dass das auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Momentan untersuche ich Ost-West Anlagen gegenüber Süd-Anlagen in unserem Dorf. Dabei schneidet Ost-West sehr gut ab. Und infolge unserer Informationsveranstaltungen sind inzwischen alleine hier in Hergersweiler fünf weitere Photovoltaik-Anlagen entstanden.

 

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