Rainer Doemen kommt sofort zur Sache - ein Interview

Rainer Doemen bei der Besichtigung eines getriebelosen Windrades in Nortorf (Schleswig-Holstein). Foto: privat


Beim Interview-Termin bleibt kein Raum für Smalltalk. Rainer Doemen kommt  sofort zur Sache; die Person - ganz besonders die eigene - steht für ihn im Hintergrund.  Und zur Sache spricht er klar und bündig. Nicht weniger als „Friedenssicherung“ bedeutet Klimaschutz für ihn. Und ausnahmslos jeder könne sich dafür engagieren.


Herr Doemen, warum ist das Thema Klimaschutz gerade heute für Sie relevant?

Es ist seit Jahrzehnten relevant. Weil ich insbesondere meinen Kindern und deren Nachkommen eine lebenswerte Zukunft ermöglichen möchte.


Können wir lokal etwas bewirken - und wenn ja: In welchen Bereichen?

Energiewende bedeutet für mich: Umbau des Energiewirtschaftssystems auf erneuerbare Energien und Speichertechnologien. Das wurde bislang in Deutschland überwiegend lokal durch Bürgerengagement und -investment vorangetrieben. Auch Energie können wir sparen und insbesondere energieintensive Unternehmen können durch energieeffiziente Maßnahmen nachhaltig ihre Betriebskosten reduzieren. Energie, die eingespart wird, muss gar nicht erst erzeugt werden!


Und Ihr Beitrag?

Solarstromberatung, insbesondere zu Steuerrecht, Gewerberecht, Versicherungs- und Baurecht für PV-Interessierte ab 2007. Eigene PV-Anlage mit 8,14 KWp ab Mai 2007 zu  100% mit Fremdkapital rentabel finanziert - als Musterprojekt, um zu zeigen, wie Menschen die Energiewende unterstützen können. Verstärkt durch erbetene ehrenamtliche Vorträge auf regionalen Energie-Veranstaltungen bemerkte ich eine gesteigerte Nachfrage nach PV auf vielen Privatdächern im Kreis Ahrweiler.
Kommunalpolitisch habe ich bei einer anstehenden Dachsanierung der Grundschule Oberwinter deren Dachbelegung mit PV, die Dachbelegung mit PV an der Grundschule Kripp und dem neuen Bauhof in Remagen initiiert und fachlich untermauert. So konnten einstimmige Ratsbeschlüsse erzielt werden.
Zudem bereite ich gemeinsam mit K. Karpstein für den Solarverein Goldene Meile e. V. in regelmäßigen Abständen zwei unterschiedliche Veranstaltungsreihen vor: die „Mini-Symposien“ und den „Informellen Treff“ zum Thema „100% EE im Kreis AW“.


Was kann nach Ihrer Einschätzung nur global gelöst werden?

Die Bundesregierung hatte sich sowohl beim G7-Gipfel in Schloss Elmau als auch bei der Klimakonferenz in Paris erfolgreich für die beschleunigte Dekarbonisierung der Energiewirtschaft eingesetzt. Es gab in beiden Fällen einstimmige Beschlüsse. Doch national wird insbesondere das EEG seit Jahren so verändert, dass die überkommene traditionelle Energiewirtschaft den verbleibenden Gestaltungsspielraum zu ihrem Vorteil nutzen darf. Ich hoffe, dass die Bundesregierung ihren initiierten Beschlüssen endlich mal Taten folgen lässt und schleunigst mit der Dekarbonisierung vorangeht.

Außerdem muss intensiv und nachhaltig kommunikativ daran gearbeitet werden, dass nicht Gewinnmaximierung in den Händen Weniger durch rücksichtlose Ausbeutung vorhandener Rohstoffe weiterbetrieben wird! Die Gemeinwohlökonomie bietet dafür wichtige Impulse und Ideen. Ziel muss es sein, dass alle Menschen dieser Erde an den kostenfrei zur Verfügung stehenden Erneuerbaren Energien partizipieren dürfen! Sonne und Wind sind weltweit verfügbar und deren Ernte sorgt für Bildung und Frieden.


Was hat Sie persönlich bewogen, das Thema Klimaschutz aktiv voranzubringen?

Motiviert worden bin ich durch Greenpeace. Weil Atomkraft nicht beherrschbar, Kohle klimaschädlich ist, müssen saubere und risikoarme Energieerzeuger das fossile und atomare Zeitalter zügig ablösen. Nur dann werden nachfolgende Generationen, vor allem meine Kinder und Enkelkinder, eine lebenswerte Zukunft haben.


Infos zur Person:

Rainer Doemen, Jahrgang 1964, ist aufgewachsen am Westrand des Ruhrgebiets. 1994 Umzug nach Remagen-Kripp. Der Diplom-Finanzwirt ist Fachautor für (Steuer-)Recht und Photovoltaik und setzt sich mit jeglicher Art von Erneuerbaren Energien auseinander. Doemen ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

 

Weitere Klimaschützer kennenlernen