Bürgerinnen und Bürger informieren sich über kalte Nahwärme
Dansenberg macht den ersten Schritt in Richtung nachhaltige Wärmeversorgung. Im Rahmen einer Bürgerversammlung im katholischen Pfarrheim informierten der Verein Energie-Dansenberg e. V., die Stadt Kaiserslautern und die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz über mögliche Wege einer klimafreundlichen Wärmewende. Ortsvorsteher Franz Rheinheimer betonte: „Wir stehen vor großen Infrastrukturaufgaben. Die Wärmeplanung betrifft jeden Haushalt und jeden Gewerbebetrieb. Daher können wir die Wärmewende hier im Ort nur gemeinsam meistern.“
Keine Fernwärme nach Dansenberg – Fokus auf dezentrale Lösungen
Der Wärmebedarf macht einen großen Teil des Endenergieverbrauchs aus und wird derzeit noch überwiegend fossil gedeckt. In Kaiserslautern liegt der Wärmebedarf aktuell bei 967 Gigawattstunden; 65 Prozent davon werden durch Erdgas, 15 Prozent durch Heizöl, Biomasse, Strom, Solar- bzw. Geothermie gedeckt, und rund 20 Prozent durch Fernwärme. Während die Stadtwerke Kaiserslautern ein rund 210 Kilometer langes Fernwärmenetz betreiben, ist ein Ausbau bis nach Dansenberg aufgrund der großen Entfernung und der geringeren Wärmedichte nach Einschätzung der Stadtverwaltung derzeit unrealistisch. Daher setzen Ortsteil und Stadt künftig auf dezentrale Lösungen wie Nahwärme, individuelle Wärmepumpen, Geothermie oder Solarthermie. Die kommunale Wärmeplanung der Stadt Kaiserslautern, die in Kürze abgeschlossen wird, soll hierfür die notwendigen Leitplanken bieten.
Kalte Nahwärme wäre für Dansenberg eine Option
Angesichts steigender CO2-Bepreisung, höherer Gaspreise sowie der gesetzlichen Vorgabe, dass Heizungen spätestens 2045 auf erneuerbare Energien umgestellt sein müssen, gewinnen effiziente und klimafreundliche Heizsysteme an Relevanz.
David Hemmer von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz sieht in Dansenberg Potenzial für verschiedene Ansätze: „Hier vor Ort werden voraussichtlich zahlreiche Hausbesitzer individuelle Heizlösungen benötigen. Ein kaltes Nahwärmenetz könnte für viele von ihnen als Wärmequelle für die eigene Wärmepumpe dienen. Denn kalte Wärmenetze stellen durch die Synergie mit hocheffizienten, dezentralen Wärmepumpen und den geringen Netzinvestitionen eine kostengünstige, flexible und nachhaltige Lösung der Wärme- und Kälteversorgung dar.“
Nächste Schritte: Bedarfsabfrage und Vorstudie
Gemeinsam mit dem Energie-Dansenberg e. V. wird die Energie- und Klimaschutzagentur nun in einem Fragebogen den Wärmebedarf und das Interesse der Dansenberger an einem Anschluss an ein kaltes Netz abfragen.
Bei ausreichender Bereitschaft erstellt das Kompetenzzentrum Nahwärme der Energie- und Klimaschutzagentur eine kostenfreie Vorstudie, die Voraussetzungen, Potenziale, Risiken und die Wirtschaftlichkeit des Projektes untersucht. „Wenn wir zu einer positiven Bewertung kommen, folgt im nächsten Schritt die Machbarkeitsstudie“, erläutert David Hemmer. Diese Studie wird über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) mit bis zu 50 Prozent der Kosten gefördert.
Vorteile kalter Nahwärme
Kalte Nahwärmenetze sind ein zentraler Baustein der Wärmewende. Sie arbeiten mit sehr geringen Vorlauftemperaturen (ähnlich der Umgebungstemperatur). Durch ein ungedämmtes Erdreich-Leitungssystem fließt Wasser, das dort Wärme aufnimmt. Dezentrale Wärmepumpen in den Gebäuden entnehmen diese Energie und heben sie auf das benötigte Heizniveau an. Im Sommer kann der Prozess zur Gebäudetemperierung genutzt werden. Die Netze sind effizient, kostengünstig und ermöglichen eine dezentrale Versorgung mit klimafreundlicher Wärme.
In Rheinland-Pfalz zeigen Pilotprojekte in Offenbach an der Queich, Maikammer und Altenburg bereits, dass solche Konzepte funktionieren, die Versorgungssicherheit erhöhen und die lokale Wertschöpfung steigern.