Wie können Kommunen Wohnquartiere zukunftsfähig gestalten, Klimaschutz voranbringen und gleichzeitig attraktive Lebensräume schaffen? Im Idealfall werden dafür keine neuen Flächen in Anspruch genommen, sondern bereits genutzte Areale zu einem modernen Quartier umgestaltet, das für unterschiedliche Nutzergruppen attraktiv und bezahlbar ist. Wichtige Aspekte dabei sind eine nachhaltige Energieversorgung, Freiräume mit viel Grün, die Begegnung ermöglichen und im Sommer für ausreichende Kühle sorgen, ein durchdachtes Mobilitätskonzept und ein vielfältiges Wohnraumangebot.
Welche Instrumente Kommunen für eine klimagerechte Flächenentwicklung nutzen können, zeigte das Netzwerktreffen für Bauamtsmitarbeitende der Energie- und Klimaschutzagentur am 17. September in Trier im Rahmen des Kommunalen Klimapakts Rheinland-Pfalz (KKP). Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus bestehenden Flächen lebendige, klimafreundliche und zugleich bezahlbare Quartiere entstehen können. Der Austausch bot den Kommunen Gelegenheit, praktische Lösungen und Best-Practice-Beispiele für eine klimagerechte Bauleitplanung zu teilen.
Vom ehemaligen Militärgelände zum modernen Wohnquartier
Wie eine solche Entwicklung in der Praxis aussehen kann, erlebten die Teilnehmenden bei einer Führung durch das Burgunder Viertel in Trier. Auf einer ehemaligen militärisch genutzten Fläche entsteht Schritt für Schritt ein modernes Wohnquartier.
David Becker, Geschäftsführer der Gesellschaft für urbane Projektentwicklung in der Region Trier, erläuterte das Entwicklungskonzept und gab Einblicke in die praktische Umsetzung. Dabei kamen auch Herausforderungen und Stolpersteine zur Sprache. Für Kommunen sind solche Erfahrungen besonders wertvoll, denn sie zeigen, welche Fragen bereits in frühen Planungsphasen berücksichtigt werden sollten und wie sich Konzepte im Laufe eines Projekts weiterentwickeln können.
Energetische Sanierung gezielt unterstützen
Nicht immer entsteht ein neues Quartier auf einer Konversionsfläche. Auch bestehende Siedlungsgebiete bieten großes Potenzial für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz. Im Wissenschaftspark Trier ging es deshalb um die rechtlichen Möglichkeiten energetischer Sanierungsgebiete nach dem Baugesetzbuch.
Rechtsanwalt Dr. Christian Müller gab einen Überblick über das besondere Städtebaurecht und erläuterte Förderinstrumente sowie finanzielle und steuerliche Vorteile für Eigentümerinnen und Eigentümer. Damit erhielten die kommunalen Teilnehmenden konkrete Einblicke, wie Sanierungsprozesse rechtlich und finanziell unterstützt werden können.
Wärmeversorgung als strategische Aufgabe
Eine zukunftsfähige Wärmeversorgung ist ein zentraler Baustein nachhaltiger Quartiere. Mit dem „Kompetenzzentrum Nahwärme“ unterstützt die Energie- und Klimaschutzagentur Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung von Wärmenetzen.
David Hemmer stellte unterschiedliche Versorgungsmodelle vor und erläuterte die Vorteile von Wärmenetzen für Kommunen. Auch das Bundesförderprogramm für effiziente Wärmenetze (BEW) wurde vorgestellt. Damit wurde deutlich: Die frühzeitige Auseinandersetzung mit der Wärmeversorgung kann Kommunen helfen, langfristig tragfähige Lösungen für ihre Quartiere zu entwickeln und Fördermöglichkeiten zu nutzen.
Wie sich die kommunale Wärmeplanung in die Praxis übersetzen lässt, zeigte Steve Utecht, Leiter der Stabsstelle Klima- und Umweltschutz der Stadt Trier. Er stellte die Ergebnisse des kommunalen Wärmeplans vor, der verschiedene Optionen für die künftige Wärmeversorgung aufzeigt. Für die konkrete Umsetzung ist nun eine weitere Strategie erforderlich. In einem ersten Schritt soll ein Pilotgebiet entwickelt werden.
Mit Bauleitplanung frühzeitig gestalten
Ein weiteres wichtiges Instrument für Kommunen ist die Bauleitplanung. Katrin Witthaus von der Energie- und Klimaschutzagentur zeigte anhand verschiedener Visualisierungen, wie Kommunen bereits mit der Planung die Voraussetzungen für klimafreundliche und lebenswerte Quartiere schaffen können.
Dabei kommt es entscheidend darauf an, Nachhaltigkeitsziele rechtssicher im Bebauungsplan zu verankern. Aspekte wie Energieversorgung, Klimaanpassung, Freiraumgestaltung und Mobilität können so bereits frühzeitig berücksichtigt werden.
„Nachhaltigkeit ist kein Kostentreiber – langfristig überwiegt der Gewinn“, betont Katrin Witthaus.
Nachhaltige Quartiersentwicklung als kommunale Chance
Die Veranstaltung zeigte: Kommunen haben verschiedene Möglichkeiten, die Entwicklung ihrer Quartiere aktiv zu gestalten. Entscheidend ist, Klimaschutz, Energieversorgung, Freiraum, Mobilität, Wohnraum und rechtliche Rahmenbedingungen nicht isoliert zu betrachten, sondern von Anfang an zusammenzudenken.
So kann nachhaltige Quartiersentwicklung dazu beitragen, Flächen effizient zu nutzen, Energie und Ressourcen zu sparen, die Anpassung an den Klimawandel voranzubringen und gleichzeitig attraktive und lebenswerte Orte für die Menschen vor Ort zu schaffen.
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