Mit einem offiziellen Spatenstich hat am 23. Februar 2026 die Bauphase für das Projekt „Kalte Dorfwärme“ im Ortsteil Hönningen-Liers begonnen. Für das rund 300 Einwohner zählende Dorf markiert das Vorhaben einen bedeutenden Schritt, wie Ortsbürgermeister Jürgen Schwarzmann betonte: „Mit dem ersten Spatenstich setzen wir ein sichtbares Zeichen für die Zukunft – für eine nachhaltige, unabhängige und verantwortungsvolle Energieversorgung. Was heute beginnt, ist weit mehr als ein Bauprojekt. Es ist ein Bekenntnis zu Klimaschutz, Innovation und regionaler Zusammenarbeit. Wir investieren in eine lebenswerte Umwelt für kommende Generationen. Liers übernimmt damit eine Vorreiterrolle und zeigt, was möglich ist, wenn eine Gemeinschaft zusammensteht und ein gemeinsames Ziel verfolgt.“ Die Fertigstellung des Wärmenetzes ist für Mitte 2026 vorgesehen.
33 Anschlussnehmer im ersten Schritt
Bereits 2023 wurde im nördlichen Bereich von Liers eine 200 Meter tiefe Erkundungsbohrung niedergebracht. Die Messergebnisse bestätigten eine gute thermische Leistungsfähigkeit des Untergrunds. Seit April 2025 befindet sich das Projekt in der Umsetzungsphase und wird in mehreren Bauabschnitten realisiert. Im ersten Schritt können rund zwei Drittel der Ortsstraßen versorgt werden, 33 Gebäude erhalten einen Anschluss ans Netz, darunter das Feuerwehrgerätehaus, das Gemeindehaus, vier Neubauten sowie 26 Bestandsgebäude. Für weitere 40 Gebäude besteht eine spätere Anschlussmöglichkeit.
Ab März folgen – ergänzende zur Erkundungsbohrung - 17 weitere Erdwärmesonden mit einer Tiefe von jeweils 160 Metern im nördlichen Bohrfeld sowie 18 zusätzliche Sonden im südlichen Bereich der Gemeinde. Sie bilden künftig die zentrale Energiequelle für Heizung und Warmwasserversorgung der angeschlossenen Gebäude.
Lokale Wertschöpfung
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 2,4 Millionen Euro. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt das Vorhaben mit über zwei Millionen Euro aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI). In einem landesweiten Wettbewerb hatte sich das Dorfwärmeprojekt Hönningen-Liers aufgrund seiner hohen Nachhaltigkeitsstandards gegen Mitbewerber durchgesetzt und den ersten Platz erreicht. Der verbleibende Betrag wird über ein Kommunaldarlehen finanziert.
Initiiert wurde das Projekt ursprünglich von einer Bürgerinitiative. Inzwischen wird es als Infrastrukturmaßnahme von der Ortsgemeinde Hönningen umgesetzt, die als Bauherrin auftritt und die Investition vorfinanziert. Nach der Refinanzierung soll eine Bürgerenergiegenossenschaft den Betrieb übernehmen, sodass Wertschöpfung und Versorgung vollständig lokal bleiben.
Wärme im Winter, Kühlung im Sommer
Kalte Nahwärmenetze verteilen Erdwärme mit niedrigen Temperaturen von etwa zehn Grad Celsius über ein gemeinsames Leitungsnetz. In den angeschlossenen Gebäuden erhöhen Wärmepumpen die Temperatur auf das jeweils benötigte Heizniveau. Durch die niedrigen Netztemperaturen entstehen nur geringe Wärmeverluste. In Verbindung mit erneuerbarem Strom kann das System nahezu CO₂-neutral betrieben werden. Darüber hinaus bietet die Technologie die Möglichkeit, Gebäude in den Sommermonaten zu temperieren. Mit dem Projekt in Hönningen-Liers setzt die Gemeinde ein deutliches Zeichen für klimafreundliche Energieversorgung im ländlichen Raum.