Seit dem Herbst 2025 geht die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz auf Tour: Mit der „Vor-Ort-Tour“ besucht unser Geschäftsführer Dr. Tobias Büttner gemeinsam mit dem Team Landkreise und Kommunen, um erfolgreiche Projekte der Energiewende und des Klimaschutzes sichtbar zu machen. Im Mittelpunkt stehen der direkte Austausch mit Landrät:innen und (Ober)Bürgermeister:innen sowie die gute Zusammenarbeit mit den kommunalen Akteuren.
In diesem Rahmen stellen wir Projekte aus den Kommunen vor, die zeigen, wie Klimaschutz in Rheinland-Pfalz gelingt.
Zum Interview mit Ortsbürgermeister Jörg Schneiß (Video auf YouTube)
Projekt: Nahwärmenetz in Kombination mit Windenergie
Ort: Ortsgemeinde Duchroth (Landkreis Bad Kreuznach)
Themenfeld: Stromversorgung, Erneuerbare Energien, Wärmeversorgung, Kommunale Wärmewende
Die Ortsgemeinde Duchroth steht kurz vor einem wichtigen Meilenstein: der Ausschreibung für Windenergieanlagen auf ihrer Gemarkung. Gleichzeitig verfolgt die Gemeinde eine weitere zukunftsweisende Idee – die lokal erzeugte erneuerbare Energie künftig auch für die Wärmeversorgung im Ort zu nutzen. Perspektivisch ist ein Nahwärmenetz geplant, das mit erneuerbarem Strom, insbesondere aus Windenergie, betrieben werden könnte.
Der Weg zu diesem Punkt war jedoch alles andere als einfach. Bereits seit 2020 wächst in der rund 550 Einwohner zählenden Gemeinde die Vision, erneuerbare Energien stärker vor Ort zu nutzen und damit aktiv zur regionalen Wärmewende beizutragen. Dahinter steht ein klares Ziel: eine Strom- und Wärmeversorgung, die langfristig klimafreundlich, regional und unabhängiger von fossilen Energieträgern ist.
Ein wichtiger Wendepunkt auf diesem Weg war die Kontaktaufnahme der Ortsgemeinde mit der Klimaschutzmanagerin der Verbandsgemeinde Rüdesheim. Über sie entstand der Kontakt zur Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz. Seitdem begleitet die Agentur die Gemeinde fachlich und ist für die Verantwortlichen vor Ort zu einer wichtigen Partnerin geworden.
Windenergieausbau: Meilensteine erreicht
Durch Beratungen eines interdisziplinären Expertenteams der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz konnte die Ortsgemeinde Duchroth schließlich wesentliche Meilensteine auf dem Weg zur Realisierung ihrer Vision erreichen. Die Idee der Gemeinde, eigene Windenergieanlagen zu errichten und den so erzeugten Strom für die Wärmeversorgung des gesamten Ortes zu nutzen, bestand bereits seit mehreren Jahren. Bei der Planung und Umsetzung eines solch fachlich komplexen Projekts stieß die Ortsgemeinde jedoch immer wieder auf Herausforderungen und Hürden.
Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz half insbesondere bei der Klärung der planerischen Grundlagen für die gemeindeeigenen Windenergieanlagen – ein wichtiger Schritt hin zur Ausschreibung.
Bei komplexen Themen wie Flächennutzungs- und Regionalplänen sowie der Bewertung realistischer Umsetzungsoptionen bot die Agentur wertvolle Orientierung, auch mit Blick auf die Vorbereitung der Ausschreibung.
Nachhaltige Wärmeversorgung geplant
Bereits im Vorfeld wurde im Rahmen eines Quartierskonzepts untersucht, wie die bestehende Wärmeversorgung im Ort künftig klimafreundlicher gestaltet werden kann. Die Analyse zeigte, dass ein Großteil der Gebäude bislang mit Ölheizungen beheizt wird und im Ort kein Gasnetz vorhanden ist. Gleichzeitig bietet die vergleichsweise dichte Bebauung im Ortskern gute Voraussetzungen für den Aufbau eines Nahwärmenetzes.
Auch bei diesem Vorhaben wurde die Ortsgemeinde durch die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz umfassend begleitet. Die Agentur beriet unter anderem zum strategischen Vorgehen, zu technischen Aspekten beim Aufbau eines solchen Wärmenetzes sowie zu möglichen Förderprogrammen. Darüber hinaus wurden auch die möglichen Treibhausgas-Einsparpotenziale für die Gemeinde betrachtet.
Sektorenkopplung: Verbindung von Strom- und Wärme
Kern der geplanten Wärmeversorgung ist eine zentrale Wärmepumpe, die mit Strom aus nahegelegenen Windenergieanlagen betrieben werden soll. Der erzeugte Windstrom wird dabei direkt zur Wärmeerzeugung genutzt. Diese Kombination aus erneuerbarer Stromproduktion und Wärmeerzeugung ist ein Beispiel für sogenannte Sektorkopplung – also die intelligente Verbindung von Strom- und Wärmesektor.
Auch aus der Bevölkerung ist die Resonanz positiv: Eine erste Interessensabfrage unter den Haushalten zeigte, dass sich viele Bürger einen Anschluss an ein gemeinschaftliches Wärmenetz vorstellen können. Damit entsteht eine wichtige Grundlage für die mögliche Umsetzung des Projekts.
Der bisherige Weg zeigt aber auch: Solche Vorhaben entstehen nicht von selbst. Sie leben vom persönlichen Engagement der Menschen vor Ort. Viele Gespräche, Abstimmungen und Planungsschritte waren notwendig, um die verschiedenen Aspekte – von der Energieerzeugung bis zur Wärmeversorgung – zusammenzubringen und die Idee Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Fazit
Die Ortsgemeinde Duchroth zeigt eindrucksvoll, dass auch kleine Kommunen große Zukunftsprojekte anstoßen können. Der Weg zur Nutzung der Windenergie und zu einer möglichen Nahwärmelösung erfordert Ausdauer, Engagement und eine gute fachliche Begleitung.
Die Gemeinde ist dankbar für die Unterstützung durch die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz und möchte ihre Erfahrungen bewusst mit anderen Kommunen teilen. Denn Projekte dieser Art bringen viele Fragen und Herausforderungen mit sich. Wenn andere Gemeinden von den bereits gesammelten Erfahrungen profitieren können, wird der Einstieg in ähnliche Vorhaben leichter. Duchroth möchte damit Mut machen – und zeigen, dass die Energiewende vor Ort gelingen kann, wenn Menschen gemeinsam an einer Idee arbeiten.