Wie kann kommunaler Klimaschutz einfacher, wirksamer und gleichzeitig bürokratieärmer gestaltet werden? Mit dieser Frage befasste sich eine Fachveranstaltung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) am 26. Juni 2026 in Stuttgart unter dem Titel „Neue Ansätze für den kommunalen Klimaschutz in Baden-Württemberg – von Förderpauschalen und -krediten hin zur Personalförderung“. Vertreterinnen und Vertreter aus Ministerien, Kommunen, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen diskutierten über zukunftsfähige Fördermodelle, die Kommunen größere Handlungsspielräume eröffnen und die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen beschleunigen.
Rheinland-Pfalz präsentiert erfolgreichen Praxisansatz
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI) aus Rheinland-Pfalz. Projektleiter Marc Wartenphul stellte das Programm als Beispiel für eine moderne und kommunalfreundliche Förderarchitektur vor. Im Fokus seines Vortrags stand der Wechsel von klassischen, kleinteiligen Förderverfahren hin zu pauschalierten Budgets. Diese ermöglichen den Kommunen eigenverantwortliche Entscheidungen und reduzieren gleichzeitig den Verwaltungsaufwand deutlich.
Anhand der Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz zeigte Wartenphul, dass KIPKI Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen beschleunigt und insbesondere kleinen und mittleren Kommunen den Zugang zu Fördermitteln erleichtert. Die Verbindung aus klaren Rahmenbedingungen, kommunaler Eigenverantwortung und weitgehender Entbürokratisierung gilt inzwischen bundesweit als richtungsweisender Ansatz.
Difu-Studie bestätigt Innovationscharakter von KIPKI
Die Vorreiterrolle von Rheinland-Pfalz wird auch durch das kürzlich veröffentlichte Policy Paper „Kommunaler Klimaschutz – Ansätze für eine effiziente, wirkungsorientierte und bürokratiearme Förderung im bestehenden System“ des Deutschen Instituts für Urbanistik bestätigt. Darin wird KIPKI als eines der zentralen Praxisbeispiele analysiert und als innovatives Modell für eine moderne kommunale Klimaförderung hervorgehoben.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass pauschalierte Förderinstrumente, standardisierte Positivlisten, längere Programmlaufzeiten sowie vereinfachte Nachweis- und Verwaltungsverfahren erhebliche Potenziale bieten, um kommunale Klimaschutzmaßnahmen schneller und effizienter umzusetzen.
Personelle Kapazitäten rücken stärker in den Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die personelle Ausstattung der Kommunen. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren der Studie stellen vielerorts nicht fehlende Finanzmittel, sondern unzureichende personelle Ressourcen das größte Hindernis für die Umsetzung von Klimaschutzprojekten dar. Entsprechend gewann auf der Veranstaltung die Förderung von Personal gegenüber klassischen investiven Förderprogrammen deutlich an Bedeutung. Dauerhaft verfügbares Fachpersonal gilt als entscheidende Voraussetzung, um Fördermittel wirksam einzusetzen und Klimaschutzmaßnahmen langfristig umzusetzen.
Impulse für die Weiterentwicklung der Förderlandschaft
Die Veranstaltung machte deutlich, dass die zukünftige kommunale Klimaförderung stärker auf Vertrauen in die Kommunen, einfache Förderstrukturen und den nachhaltigen Aufbau kommunaler Handlungskapazitäten setzen sollte. Mit KIPKI hat Rheinland-Pfalz bereits gezeigt, dass dieser Ansatz erfolgreich funktionieren kann. Das Programm liefert damit wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Förderlandschaft – sowohl in Baden-Württemberg als auch auf Bundesebene.
Die Diskussion in Stuttgart unterstrich: Weniger Bürokratie, mehr kommunale Eigenverantwortung und eine gezielte Stärkung personeller Ressourcen sind wesentliche Voraussetzungen, um die kommunale Wärmewende und den Klimaschutz insgesamt wirksamer und schneller voranzubringen.