Innovative Nahwärmeprojekte im Ahrtal

Beim 18. Netzwerktreffen „Innovative Nahwärmeprojekte im Ahrtal“ am 15. April in Dernau kamen rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Landespolitik, Energieberatung, Planung und den örtlichen Projektgruppen zusammen, um fünf Jahre nach der Flutkatastrophe Bilanz zu ziehen und den Blick nach vorne zu richten.
Das von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz organisierte Treffen verband Baustellenbesichtigungen der entstehenden Nahwärmenetze in Mayschoß und Dernau mit Projektberichten aus sechs Gemeinden der Verbandsgemeinde Altenahr. Im Mittelpunkt standen nicht allein technische Lösungen, sondern vor allem die Menschen, die den Aufbau einer nachhaltigen Wärmeversorgung seit Jahren mit großem Engagement vorantreiben.

Enstehende Wärmenetze Mayschoß und Dernau

Der Veranstaltungstag begann mit einer Besichtigung der entstehenden Nahwärmeversorgung in Mayschoß. Matthias Burmann, Geschäftsführer der Energie Mayschoß GmbH, stellte gemeinsam mit den ehrenamtlichen Projektverantwortlichen Andreas Zedler, Gerd Baltes und Frank Auvera die neue Heizzentrale sowie den Stand des Wärmenetzes vor.

Die Wärmeversorgung wird durch Biomasse und Solarthermie erfolgen. Reimond Spengler (EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH) erläuterte das technische Konzept mit digitalem Monitoring zur effizienten Steuerung von Erzeugung, Speicherung und Verteilung. Beim Rundgang durch den Ort wurden die Herausforderungen des Leitungsbaus im engen Ortskern deutlich.

Anschließend besichtigten die Teilnehmenden die Baustelle der Heizzentrale in Dernau. Alfred Sebastian und Reimond Spengler erläuterten die Kombination aus Biomasseanlage, Großwärmepumpe und Pufferspeichern. Außerdem standen technische Lösungen für den Leitungsausgleich sowie der hochwassersichere Bau der Anlage im Mittelpunkt.

Die Besichtigungen verdeutlichten, dass hinter den sichtbaren Baufortschritten mehrere Jahre Planung, intensive Abstimmungen und großes ehrenamtliches Engagement stehen.

18. Netzwerktreffen „Innovative Nahwärmeprojekte im Ahrtal“

Am Nachmittag begrüßte Paul Ngahan, Leiter des Kompetenzzentrums Nahwärme der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz, die Teilnehmenden im Culinarium in Dernau. Unter dem Leitmotiv „Fünf Jahre nach der Flut – Nahwärme als Zeichen von Wiederaufbau, Zusammenhalt und Zukunft“ betonte er, dass die Projekte weit mehr seien als technische Infrastruktur: Sie stünden für gemeinschaftliches Engagement und den nachhaltigen Wiederaufbau der Region.

In den Grußworten hoben Alfred Sebastian, Staatssekretärin Simone Schneider und Rainer Metzen hervor, dass die Nahwärmeprojekte nur durch das enge Zusammenwirken von Ehrenamt, Kommunen, Fachplanung, Fördergebern und Land möglich geworden seien. Ziel sei es gewesen, den Wiederaufbau zugleich für eine klimafreundliche Wärmeversorgung zu nutzen.

Projektberichte aus sechs Gemeinden

Vertreterinnen und Vertreter aus Dernau, Marienthal, Mayschoß, Rech, Altenburg und Hönningen-Liers berichteten über den aktuellen Stand ihrer Projekte. Trotz unterschiedlicher Konzepte verfolgen alle Gemeinden das gemeinsame Ziel einer sicheren, bezahlbaren und klimafreundlichen Wärmeversorgung.

Im Mittelpunkt standen erreichte Meilensteine, aber auch gemeinsame Herausforderungen wie lange Genehmigungs- und Förderverfahren, steigende Baukosten, hoher personeller Aufwand und die Bedeutung eines zuverlässigen Anlagenmonitorings. Der offene Erfahrungsaustausch bot den Gemeinden wertvolle Anregungen für die weitere Umsetzung ihrer Projekte.

Besonders hervorgehoben wurden das große ehrenamtliche Engagement sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Fachplanern und der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz. Diese Kooperation gilt als wesentlicher Erfolgsfaktor für die Umsetzung der Nahwärmeprojekte.

Dernau

Dr. Gerd Wolter berichtete über den Aufbau der warmen Nahwärmeversorgung in Dernau. Rund 90 Prozent der Haushalte waren von der Flut betroffen. Inzwischen befinden sich etwa 210 Anschlüsse in der Umsetzung, darunter Wohngebäude, die Winzergenossenschaft, die Schule und der Kindergarten. Rund 70 Prozent der Wärmetrasse sind bereits verlegt.
Technisch anspruchsvoll sind insbesondere die Abstimmung zwischen Biomasseanlage und Großwärmepumpe sowie das Genehmigungsverfahren für die Biomassefeuerung. Betreiberin des Netzes ist die Energie Dernau GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Ortsgemeinde. Der Projektbericht zeigte einmal mehr, dass die Umsetzung ohne langjähriges ehrenamtliches Engagement kaum möglich gewesen wäre.

Marienthal

Rolf Schmitt stellte die seit Ende 2022 betriebene Nahwärmeversorgung in Marienthal vor. Das Wärmenetz wurde gemeinsam mit weiteren Infrastrukturmaßnahmen im Straßenraum verlegt. Eine Besonderheit sind die hochwassergeschützt installierten Hausübergabestationen; überflutete Heizkessel oder aufschwimmende Heizöltanks sollen damit künftig der Vergangenheit angehören.
Als große Herausforderung erwies sich die verzögerte Auszahlung von Fördermitteln, durch die erhebliche Kosten vorfinanziert werden mussten. Perspektivisch sollen eine gemeinsame Pelletbeschaffung mit Dernau sowie ein verbessertes Anlagenmonitoring den Betrieb weiter optimieren.

Mayschoß

Matthias Burmann erläuterte den Aufbau der Wärmeversorgung durch die Energie Mayschoß GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Ortsgemeinde. Ein zunächst geprüftes Contracting-Modell wurde aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterverfolgt.
Aktuell entstehen die Heizzentrale mit Biomassekesseln und Solarthermie sowie das Wärmenetz für mehr als 100 Anschlussnehmer. Zu den vorgesehenen Abnehmern gehören private Wohngebäude, ein Hotel, die Winzergenossenschaft, die Kirche, der Kindergarten und perspektivisch das Feuerwehrgebäude. Für einzelne Trassenabschnitte mussten besondere rechtliche und infrastrukturelle Fragen, unter anderem im Bereich von Bahnflächen, geklärt werden.
Burmann unterstrich, dass Projekte dieser Größenordnung von kleinen Kommunen nur mit dauerhafter fachlicher und personeller Unterstützung bewältigt werden können.

Rech

Niki Kozisek berichtete über das kalte Nahwärmenetz in Rech, das inzwischen über die erste Ausbaustufe hinaus erweitert wird. Die Erfahrungen aus Planung, Bau und Betrieb fließen in die zweite Leistungsstufe und in einen kommunalen Praxisleitfaden ein.
Derzeit wird das digitale Monitoring vorbereitet, zugleich ist bereits die dritte Ausbaustufe in Planung. Erkenntnisse aus dem ersten Bauabschnitt konnten in der weiteren Umsetzung berücksichtigt und technische Abläufe verbessert werden.
Kozisek machte auf lange Bearbeitungszeiten bei Förderverfahren, Ausschreibungen und Genehmigungen aufmerksam. Verzögerungen erschwerten die ehrenamtliche Projektarbeit und können durch steigende Bau- und Finanzierungskosten die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen. Sein Appell: Verfahren vereinfachen und Entscheidungen beschleunigen.

Altenburg

Kerstin Müller stellte in Vertretung des Ortsbürgermeisters Dr. Neofitos Arathymos die kalte Dorfwärme in Altenburg vor. Das Projekt wird wesentlich von ehrenamtlich Engagierten getragen.
Neben politischer Überzeugungsarbeit mussten im Betrieb technische Herausforderungen bewältigt werden. Dazu gehörten vertauschte Vor- und Rücklaufanschlüsse, Leckagen sowie Verunreinigungen im Solekreislauf. Die Erfahrungen zeigen, wie wichtig Qualitätssicherung, kontinuierliche Betriebsbegleitung und klare Verantwortlichkeiten zwischen Planung, Bau und Betrieb sind.

Hönningen-Liers

Günter Wischnewski berichtete über die kalte Dorfwärme in Liers. Aufgrund starker Baukostensteigerungen musste die Förderung über das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation erneut beantragt und das Projekt angepasst werden.
Besonders eindrucksvoll ist das ehrenamtliche Engagement: Bislang wurden rund 5.500 Arbeitsstunden geleistet. Dies entspricht rechnerisch einer Arbeitsleistung von etwa 330.000 Euro. Für den späteren Betrieb wurde eine genossenschaftliche Struktur geschaffen.
Als Erfolgsfaktoren nannte Wischnewski die enge Abstimmung zwischen den Beteiligten, die Zusammenarbeit mit den anderen Projektgemeinden und die kontinuierliche Unterstützung durch die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz.

Fazit

Fünf Jahre nach der Flut sind die Nahwärmeprojekte im Ahrtal sichtbare Zeichen des Wiederaufbaus und der Energiewende. Sie zeigen, dass nachhaltige Wärmeversorgung nur durch langfristige Planung, verlässliche Rahmenbedingungen und das außergewöhnliche Engagement vieler Beteiligter gelingt. Gleichzeitig liefern die Projekte wertvolle Erfahrungen für andere Kommunen, die ihre Wärmeversorgung zukunftsfähig gestalten möchten.